Malta: Zick-Zack-Kurs nach Europa
zuletzt aktualisiert: 21.01.2000Hamburg (dpa). Die Lage zwischen Europa und den arabischen Ländern Nordafrikas bestimmt Geschichte und Politik des kleinen Mittelmeerstaates Malta. Nachdem das aus fünf Inseln bestehende Land südlich von Sizilien 1964 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen wurde, schwankte es zwischen Distanz und Annäherung an die Europäische Gemeinschaft und den Nachbarn Libyen.
Wirtschaftlich ist Malta heute längst eng mit der EU verflochten. Seit 1971 hat es einen Assoziationsvertrag mit der Gemeinschaft, der den beiderseitigen Handel - etwa mit maltesischen Textilien oder europäischen Maschinen - durch niedrige Zölle erleichtert. Eine wichtige Einnahmequelle sind die vielen Touristen, die von den historischen Stätten und vielen Stränden angezogen werden. Fast 90 Prozent der 1,2 Millionen Gäste des Jahres 1998 waren EU-Europäer, die meisten von ihnen Engländer und Deutsche. Sie trugen mit dazu bei, dass sich der Wohlstand der über 360 000 Malteser heute durchaus mit dem der Portugiesen oder Griechen messen lässt. Noch bis in die achtziger Jahre waren viele junge Leute wegen hoher Arbeitslosigkeit zur Auswanderung gezwungen.
Der politische Schlingerkurs Maltas begann spätestens 1971, als der sozialistische Ministerpräsident Dom Mintoff für 13 Jahre an die Macht kam. Er steuerte den Inselstaat mehr und mehr nach links, was zur Polarisierung unter der Bevölkerung führte. Die wechselseitige Abneigung spaltete das Land in ein sozialistisches und nationalistisches Lager, die sich sogar wütende Straßenschlachten lieferten. Auch die immer enger werdenden Beziehungen zum Libyen des Obersten Muammar el Gaddafi waren vielen der durchweg katholischen Malteser nicht recht. 1980 wurde das gute Verhältnis zu Libyen wegen eines Streits um Erdölbohrrechte vorübergehend getrübt.
Unter den Nationalisten, die 1987 die Regierung übernommen hatten, versuchte Malta einen Spagat: Es erneuerte 1990 einen Vertrag über die Zusammenarbeit mit Libyen und bewarb sich gleichzeitig um die Vollmitgliedschaft in der damaligen Europäischen Gemeinschaft. Brüssel verwies auf einen späteren Termin, die 1996 wieder an die Macht gekommenen Sozialisten zogen den Antrag zurück. Mit dem nächsten Regierungswechsel kam der nächste Europaschwenk: Der Nationalist Eddi Fenech Adami erneuerte 1998 den Aufnahmeantrag bei der EU. Die Aussichten auf ein Ende des Zick-Zack-Kurses sind gut.
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