Marsch zum Völkerschlachtdenkmal gescheitert: Zusammenstöße bei Neonazi-Aufmarsch
zuletzt aktualisiert: 06.04.2002 - 19:36Leipzig (rpo). Zu zahlreichen Protestaktionen haben sich am Samstag tausende Leipziger versammelt, um einen Aufmarsch von Neonazis zu stören. Am Rande des Aufmarsches ist es am Abend zu Zusammenstößen zwischen Rechtsextremisten und Gegendemonstranten gekommen.
In Leipzig ist zum dritten Mal in einem guten halben Jahr ein von Neonazis geplanter Marsch zum symbolträchtigen Völkerschlachtdenkmal gescheitert. Nachdem die rund 1000 Rechtsextremisten am Samstag nach stundenlangen Polizeikontrollen keinen Meter vorangekommen waren, erklärte der Organisator, der Hamburger Christian Worch, die Veranstaltung vorzeitig für beendet. Rund 10 000 Menschen hatten vorher friedlich gegen die Neonazis protestiert.
Zu gewaltsamen Ausschreitungen wie bei zwei Aufmärschen in Leipzig im vergangenen Herbst kam es nicht. Lediglich kurz vor Ende der Veranstaltung gerieten nach Polizeiangaben im Bahnhof Rechtsextremisten und Gegendemonstranten aneinander. In der City warfen Linksautonome mehrere Schaufensterscheiben ein; dabei gab es mehrere Festnahmen. In die Messestadt waren Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet gereist, insgesamt aber 300 weniger als erwartet. Die Polizei hatte rund 4000 Beamte im Einsatz.
Mit einem Friedensgebet und Gesängen in der überfüllten Nikolaikirche - bei der Wende 1989 Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen - waren am Vormittag die Bürgerproteste gestartet. Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte später auf der Kundgebung: "Wir sind das Volk, das gewaltlos und friedfertig diese Welt verändern wird." Er nahm damit Bezug auf das von den Neonazis für ihren Aufmarsch verwendete Motto "Gegen Repression und für Demonstrationsfreiheit, wir sind das Volk!"
An dem Protest gegen den Aufmarsch der Neonazis beteiligten sich auch Delegierte des in Leipzig tagendenden Bundeskongress der FDP- Jugendorganisation Junge Liberale. Mit Tröten und Konfetti hatten Gegendemonstranten unter dem Motto "Leipzig lacht über den Karneval in Braun" den Neonazi-Aufmarsch lächerlich gemacht.
Unterdessen hat der Hamburger Neonazi Worch fünf weitere Aufmärsche für Sommer und Herbst in Leipzig angemeldet. Oberbürgermeister Tiefensee kündigte an, es werde geprüft, ob diese Veranstaltungen verhindert werden können.
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