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Beitrag zum Fonds: Zwangsarbeiter-Entschädigung: Druck auf Katholiken wächst

zuletzt aktualisiert: 22.07.2000 - 17:57

Hamburg (AP). Politiker aller Parteien haben an die katholische Kirche appelliert, ihrer Verantwortung gegenüber NS-Zwangsarbeitern gerecht zu werden und in den Entschädigungsfonds einzuzahlen.

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Stiftungsinitiative, Otto Graf Lambsdorff, betonte, unabhängig von der Frage, ob und wie viele Zwangsarbeiter beschäftigt worden seien, gebe es eine Gesamtverantwortung in Deutschland, der sich auch die katholische Kirche in Deutschland stelle sollte.

Die evangelische Kirche habe sich längst zu dieser Gesamtverantwortung bekannt und zehn Millionen Mark zugesagt, sagte Lambsdorff der "Bild am Sonntag". Die katholische Kirche habe sich anfänglich damit herausgeredet, sie müsse erst prüfen, wo sie Zwangsarbeiter beschäftigt habe. "Dabei hätte man keine diakonische oder karitative Einrichtung in den letzten Kriegsjahren ohne Zwangsarbeiter betreiben können, denn das übrige verfügbare Personal war bei der Wehrmacht", betonte der FDP-Politiker. "Das weiß inzwischen die katholische Kirche". Erst vergangene Woche hatte die Kirche eingeräumt, auch Zwangsarbeiter beschäftigt zu haben.

Auch Vertreter der Bundestagsfraktionen wandten sich an die Kirche. Die Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Ute Vogt, sagte der "Welt am Sonntag", der Beitrag zum Entschädigungsfonds sei eine Geste, die sie sich unabhängig von der Beteiligung der Kirche am System der Zwangsarbeit wünsche. Wenn sich herausstelle, dass die katholische Kirche selbst Zwangsarbeiter beschäftigt habe, werde ihre Verpflichtung noch größer, sagte die SPD-Politikerin.

Die kirchenpolitische Sprecherin der Grünen, Christa Nickels, sagte der Zeitung, beiden großen Kirchen müssten genau ermitteln, in welchen Einrichtungen wie viele Zwangsarbeiter eingesetzt worden seien. Nickels forderte die katholische Kirche auf, über eine Beteiligung am Entschädigungsfonds nachzudenken.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß regte an, zunächst zu prüfen, ob Zwangsarbeiter in katholischen Einrichtungen unter kirchlicher oder unter staatlicher Verantwortung rekrutiert worden seien. Gegebenenfalls müsse auch die katholische Kirche einen deutlichen Beitrag zum Entschädigungsfonds leisten.

Der Sprecher der PDS, Roman Hanno Harnisch, erklärte in Berlin, es sei unverständlich, dass sich die katholische Kirche mit ihrer Entscheidung noch bis Ende August Zeit lassen wolle. Am 28. August sollen die Diözesanbischöfe auf ihrer routinemäßigen Sitzung zu den bis dahin vorliegenden Erkenntnissen Stellung nehmen.

Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz waren im katholischen Kloster Ettal in Bayern insgesamt 39 Zwangsarbeiter beschäftigt. Im Leokonvikt in Paderborn sollen Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft eingesetzt worden sein.

Keine Ergebnisse vor dem Spätsommer

In Berlin, wo auch katholische Pfarrgemeinden im Zusammenhang mit Friedhofsarbeiten auf Zwangsarbeiter zurückgegriffen haben sollen, werden die Nachforschungen fortgesetzt. Der Sprecher der zuständigen Arbeitsgruppe, sagte der "Berliner Morgenpost", er halte wenig davon, jetzt Geld zu zahlen, um den Druck von der Kirche zu nehmen. "Erst müssen die Ergebnisse unserer Nachforschungen auf den Tisch". Damit rechne er erst im Spätsommer oder im Herbst.

Quelle: RPO Archiv

 
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