Künstlerappell an Erbengeneration: Zwangsarbeiterfond: Künstler kritisieren Flicks Ablehnung scharf
zuletzt aktualisiert: 20.06.2001 - 19:55Berlin (rpo). Renommierte Künstler wie Günter Grass, Siegfried Lenz, Frank Castorf und Katharina Thalbach haben an die "Erbengeneration" der deutschen Wirtschaft appelliert, sich an den Zwangsarbeiter-Entschädigungen zu beteiligen. In einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Erklärung kritisierten die 29 Unterzeichner namentlich die Ablehnung des Industriellenerben Friedrich Christian Flick, einen Beitrag für die Entschädigung zu leisten.
Flick habe "den Eindruck erweckt, dass er sich unter anderem durch Berufung auf seine private Kunstsammlung und den Bau eines Ausstellungsgebäudes für diese Kunstsammlung einer Unterstützung der Initiative und ihres Fonds entziehen will", hieß es in der Erklärung. Damit würden die Kunst und ihre Urheber instrumentalisiert und der "gesamte Prozess freien künstlerischen Schaffens für eine private Verweigerungshaltung missbraucht".
Die Unterzeichner unterstützten "mit aller Entschlossenheit die Ziele der Stiftungsinitiative" der deutschen Wirtschaft, die 5,1 Milliarden Mark zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter in die Bundesstiftung einzahlen will. Doch verwahrten sich die Unterzeichner gegen "jede Form von Kompensationsgeschäften im Zusammenhang mit dem Bemühen um eine Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter". Unterstützt wird die Erklärung unter anderem von Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta, György Konrad, Jürgen Flimm und Roger Willemsen.
Streit um Wechselkurs
Unterdessen wies die deutsche Entschädigungsstiftung Kritik aus Polen zurück, wonach Gelder für ehemalige NS-Zwangsarbeiter zu einem schlechten Kurs in Zloty gewechselt worden seien. Die Entschädigungszahlung sei auf ausdrücklichen Wunsch der polnischen Partnerorganisation getauscht worden, erklärte die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft in Berlin. Das Verfahren sei ebenfalls abgestimmt gewesen. Insgesamt seien der deutschen Stiftung von ihren Banken günstige Konditionen eingeräumt worden.
Der Sprecher der polnischen Partnerorganisation, Mateusz Chachaj, erklärte am Mittwoch, es sei nicht wahr, dass die deutsche Seite die Prinzipien des Geldumtauschs mit seiner Stiftung vereinbart habe. "Wir haben uns lediglich darauf geeinigt, dass das Geld auf Basis des EZB-Referenzkurses getauscht wird", sagte er.
Der polnisch-deutsche Aussöhnungsfonds hatte am Dienstag kritisiert, ein schlechter Umtauschkurs habe den Wert der ersten Überweisung der Entschädigungszahlung verringert. Die Stiftung habe rund 97,3 Millionen Zlotys zu einem Kurs von 3,3466 Zlotys gegen einen Euro erhalten. Diese Rate sei überraschend niedrig, und die polnische Seite sei nicht konsultiert worden.
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