Selbstmord-Attentäter zündete Bombe an Haltestelle: Zwei Tote und viele Verletzte bei Anschlag in Israel
zuletzt aktualisiert: 22.04.2001 - 20:15Jerusalem (rpo). Neuer Rückschlag für die Hoffnungen auf Frieden im Nahen Osten: Wenige Stunden nach dem jüngsten Treffen zwischen israelischen und palästinensischen Unterhändlern hat sich ein arabischer Selbstmordattentäter an einer Bushaltestelle in der Stadt Kfar Saba in die Luft gesprengt. Dabei riss er einen Menschen mit in den Tod. 50 Menschen wurden verletzt. Ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon warf den palästinensischen Behörden vor, nicht genug gegen solche Anschläge zu unternehmen. Der palästinensische Kabinettsminister Siad Abu Sajjad verurteilte den Anschlag. Er warf Israel allerdings vor, durch sein hartes Vorgehen gegen palästinensische Zivilisten selbst zu Extremismus und Gewalt anzustacheln.
Bei dem Attentat starben nach Angaben der Polizei ein 53 Jahre alter Israeli sowie der Attentäter, vermutlich ein Palästinenser. Die meisten der Verletzten hätten sich in dem Bus befunden. Schon vergangene Woche waren in Kfar Saba zwei Sprengsätze explodiert, die nach Vermutung israelischer Behörden von Palästinensern gezündet worden waren. Am Sonntagnachmittag wurden drei israelische Polizisten leicht verletzt, als sie an einer Kreuzung außerhalb der Stadt Haifa versuchten, einen Sprengsatz zu entschärfen.
Beschränkungen sollten gelockert werden
Erst am Samstagabend hatten israelische und palästinensische Delegationen in einem von den USA arrangierten Treffen beraten, wie die Gewalt gestoppt werden könne. In einer Erklärung, die Scharons Büro vor dem Anschlag herausgegeben hatte, hieß es, beide Seiten seien übereingekommen, die Sicherheitszusammenarbeit wieder aufzunehmen. Arbeits- und Reisebeschränkungen, die seit Beginn der Unruhen vor sieben Monaten verhängt worden sind, sollten gelockert werden.
Der israelische Kabinettsminister Danny Naveh sagte am Sonntag, mit dem Treffen habe man nicht die unterbrochenen Friedensgespräche wieder aufgenommen. Es gehe dabei um die Beendigung der Gewalt. Nach palästinensischen Angaben wurde allerdings über eine mögliche Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen gesprochen. "Dies war nicht nur ein Sicherheitstreffen, sondern auch ein politisches Treffen", sagte der palästinensische Sicherheitschef im Gazastreifen, Brigadegeneral Abdel Rasek Madschaidah.
Peres für Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen
Trotz der vereinbarten Zusammenarbeit droht nach dem Anschlag in Kfar Saba eine erneute Eskalation. Scharon hat für jeden Anschlag schnelle und umfassende Vergeltung angekündigt. Auf palästinensische Mörserangriffe haben die Israelis in den vergangenen Tagen mit massiven Militäreinsätzen reagiert.
Der israelische Außenminister Schimon Peres deutete derweil die Wiederaufnahme von Verhandlungen auf diplomatischer Ebene an. Gewalt könne nicht nur mit militärischen Mitteln gestoppt werden, sagte er im israelischen Fernsehen.
Unterdessen starb ein am Montag bei einem israelischen Angriff verletzter Palästinenser im Krankenhaus, wie ein Kliniksprecher mitteilte. Im Westjordanland wurde in einem zerstörten Fahrzeug die Leiche eines Israelis gefunden. Die israelische Polizei vermutet Palästinenser hinter der Tat, ermittelt aber noch.
Der jordanische König Abdullah forderte Israelis und Palästinenser am Sonntag auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Region könne die Spannungen nicht länger ertragen, die durch die Gewalt in den palästinensischen Gebieten entstehe, zitierte ihn die amtlichen jordanische Nachrichtenagentur Petra.
Hamas-Führer rechtfertigt Selbstmordanschlag
Der Führer der radikal-islamischen Hamas- Organisation, Scheich Ahmed Jassin, hat versucht, den Selbstmordanschlag des palästinensischen Attentäters zu rechtfertigen. "Dies ist die Fortsetzung der blutigen Serie, die Israel der Region aufgezwungen hat", sagte Jassin im arabischen Nachrichtensender "al Jazira".
Für die palästinensische Abgeordnete Hanan Aschrawi ist die neue Eskalation der Gewalt ein Beweis dafür, dass Israels Ministerpräsident Ariel Scharon seinen Wählern den versprochenen Frieden nicht liefern kann. Scharons Rezept sei eine Art "friedlicher Besatzung". Dieser Ansatz sei zum Scheitern verurteilt. Im Interview mit dem TV-Sender bezeichnete Aschrawi Scharon als "Mann des Militärs", der "immer direkt zu den Waffen" greife.
Zwei Palästinenser bei Explosion in Gaza-Stadt verletzt
Mindestens zwei Palästinenser sind am Sonntag bei einer Explosion in einem Gebäude in Gaza-Stadt verletzt worden. Das teilten Kreise der palästinensischen Sicherheitskräfte mit. Nach Angaben aus einem Krankenhaus in Gaza, erlitt einer der beiden Männer schwere Verletzungen, nachdem er offenbar daheim versucht hatte, eine Bombe zu bauen.
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