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Zweite Meinung schützt vor unnötiger Operation

Der Chefarzt mit barockfürstlichen Manieren, luxuriösem Dienstvertrag und opulentem Jahresgehalt ist eine aussterbende Gattung. Leitende Ärzte von heute sind oft Erfüllungsgehilfen eines Managements, das die Firma Krankenhaus auf Kurs halten will. Es herrscht das Klima fortwährender Anspannung; manchem Chefarzt graut es vor dem nächsten Zielgespräch mit der Geschäftsführung. Oft lautet die Erkenntnis danach: Er muss mehr operieren - oder Stellen streichen. Die Tatsache, dass es überhaupt Eingriffe gibt, die x-fach höhere Erlöse bringen als andere, bedeutete den Eintritt in einen Teufelskreis. Von Wolfram Goertz

Patienten sollten sich nicht sorgen, dass Ärzte sie voreilig auf und über den Tisch ziehen; unser Medizinsystem ist seriös. Schwarze Schafe in Weiß gibt es trotzdem. Der mündige Kranke sollte Skepsis mitbringen, wenn ihm ein Arzt eine OP aufdrängt, von der nicht das Überleben abhängt. Und er sollte lernen, sich schlauzumachen, etwa durch Lektüre eines Qualitätsberichts. Wenn eine Klinik ihre Fallzahl steigert, kann das zweierlei bedeuten: Die Ärzte sind genial, alle wollen zu ihnen. Oder sie operieren aus Not jeden, der im Wartezimmer sitzt. In solchen Momenten der Unsicherheit hilft die zweite Meinung.

Quelle: RP
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