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Gewalt in Nahost eskaliert: Zwölf Tote bei israelischen Vergeltungsschlägen

zuletzt aktualisiert: 19.05.2001 - 11:36

Netanja (rpo). Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern nimmt immer mehr die Form eines unerklärten Krieges an. In der israelischen Küstenstadt Netanja zündete ein palästinensischer Selbstmordattentäter vor einem Einkaufszentrum eine Bombe und riss fünf Menschen mit in den Tod. Als Vergeltung griffen israelische Kampfflugzeuge Einrichtungen der palästinensischen Sicherheitskräfte in Nablus und Ramallah im Westjordanland sowie in Gaza an.

Dabei wurden nach Angaben palästinensischer Ärzte mindestens zwölf Menschen getötet. Zum dem Anschlag in Netanja bekannte sich die radikalislamische Hamas. Bei dem Attentäter handelt es sich der Hamas zufolge um einen 20-jährigen Tischler aus Tulkarem im Westjordanland. Er sprengte sich um die Mittagszeit vor dem Eingang des belebten Einkaufszentrums in die Luft. Medienberichten zufolge wurden mindestens 75 Menschen verletzt. Augenzeugen berichteten, ein Wachmann habe noch versucht, den Attentäter am Eingang zu stoppen, woraufhin dieser den Sprengsatz zur Explosion brachte.

Als Reaktion auf den Selbstmordanschlag griff Israel am Nachmittag das Hauptquartier der palästinensischen Sicherheitskräfte in Nablus und Einrichtungen der Leibgarde von Präsident Jassir Arafat, Force 17, in Ramallah an. An dem Angriff waren auch Kampfflugzeuge vom Typ F-16 beteiligt. Es war das erste Mal seit dem Nahostkrieg von 1967, dass Israel mit Kampfflugzeugen Ziele im Westjordanland angegriffen hat.

Nach Augenzeugenberichten wurden in Nablus ein Gefängnis und das Gebäude der Einsatzkräfte zerstört. Mindestens zehn Menschen wurden dabei nach palästinensischen Angaben getötet. Am Abend feuerten israelische Kampfhubschrauber Raketen auf Gebäude der palästinensischen Küstenwache im Gazastreifen. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor.

Das Ziel der Israelis in Nablus war offenbar das Gefängnis, in dem ein islamischer Extremist namens Machmud Abu Hanud einsaß. Dieser überlebte nach Angaben seines Bruders Mustafa verletzt den Angriff und wurde in Sicherheit gebracht. Hanud wird von Israel beschuldigt, Drahtzieher hinter mehreren Selbstmordattentaten der letzten Jahre zu sein. Er konnte sich mehrmals seiner Festnahme durch israelische Kommandoeinheiten entziehen und wurde zuletzt von der palästinensischen Autonomieregierung in Verwahrung gehalten.

Hamas spricht von Vergeltung für Tod von Polizisten

Ein Sprecher der Hamas, Hassan Jussef, bezeichnete den Anschlag als Vergeltung für den Tod von fünf palästinensischen Polizisten, die am Montag von israelischen Soldaten erschossen worden waren. Ein Vertrauter Arafats, Tajeb Abdel Rahim, sagte, die palästinensische Autonomiebehörde verurteile "Attentate auf Zivilisten und unschuldige Menschen, auf der palästinensischen wie auf der israelischen Seite". Die Aufnahme von Friedensgesprächen sei der einzige Weg, den Kreislauf der Gewalt zu beenden.

Es war bereits der dritte Bombenanschlag in Netanja in diesem Jahr. Am 1. Januar wurden bei der Explosion einer Autobombe etwa 50 Menschen verletzt. Am 4. März kamen bei einem Selbstmordanschlag drei Menschen ums Leben. Netanja liegt rund zehn Kilometer von der Grenze zum Westjordanland entfernt.

Nahe Ramallah im Westjordanland wurde unterdessen ein jüdischer Siedler bei einem Anschlag auf sein Auto getötet. Ein weiterer Fahrzeuginsasse wurde verletzt.

Quelle: RPO Archiv

 
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