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Mont Pèlerin
Zypern-Gespräche gescheitert

Mont Pèlerin. Schlimmer konnte es nicht ausgehen: Nach langen, zähen Verhandlungen über die Wiedervereinigung des Landes sind griechische und türkische Zyprer zerstritten auseinandergegangen. Von Takis Tsafos

Nach mehr als 42 Jahren Teilung schienen die griechischen und türkischen Zyprer einer Einigung ein großes Stück näher gekommen zu sein. Doch wie schon so oft in den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Vereinten Nationen und die Verhandlungspartner erneut die Zähne ausgebissen. Gestern Morgen zerbrach im schweizerischen Mont Pèlerin die mühsam aufgebaute Treppe, die zur Lösung des Konflikts hätte führen sollen.

Das Schlimmste: Der türkisch- und der griechisch-zyprische Volksgruppenführer, Mustafa Akinci und Nikos Anastasiades, trennten sich im Streit. Die eine Seite schob der anderen die Schuld zu. "Das Klima ist jetzt vergiftet", sagte ein enttäuschter Diplomat. Grund des Scheiterns? Streitigkeiten rund um die Frage, wie viel Land an die griechischen Zyprer im Falle einer Lösung zurückgegeben werden soll, damit möglichst viele griechische Zyprer unter eigener Verwaltung in ihre Häuser zurückkehren können.

Der wichtigste Streitpunkt hat dem Vernehmen nach einen Namen: Morfou. Ohne die Rückgabe der ehemals fast ausschließlich von mehr als 20.000 griechischen Zyprern bewohnten Stadt und ihrer Umgebung könne der griechisch-zyprische Präsident Anastasiades die Lösung seinen Leuten nicht präsentieren, sagen Analysten.

Der Sprecher der türkischen Zyprer, Baris Burcu, warf den griechischen Zyprern vor, "maximalistische Forderungen" gestellt zu haben. Sie hätten darauf bestanden, dass 90.000 griechische Zyprer in ihre Siedlungsgebiete von vor 1974 zurückkehren. Die türkisch-zyprische Seite soll der Rückkehr von rund 75.000 Menschen zugestimmt haben. 1974, als die Türkei den Nordteil der Insel besetzte, mussten rund 160.000 griechische und rund 40.000 türkische Zyprer ihre Häuser verlassen und in den jeweils eigenen Inselteil umgesiedelt werden.

"Es ist kein guter Tag für unsere Heimat", sagte sichtlich enttäuscht der griechisch-zyprische Regierungssprecher Nikos Christodoulides. Auch er bestätigte, dass der Grund des Scheiterns die Zahl der griechischen Zyprer war, die in ihre Städte und Dörfer zurückkehren sollten. "Wir sind entschlossen, diese Bemühungen (zur Überwindung der Teilung) fortzusetzen", sagte er.

Angestrebt wurde eine Föderation aus zwei Bundesstaaten, ein griechisch-zyprischer im Süden und ein türkisch-zyprischer im Norden der drittgrößten Mittelmeerinsel. Die zyprischen Volksgruppenführer verhandelten im schweizerischen Mont Pèlerin, nachdem es schon monatelange zähe Vorgespräche gegeben hatte.

Wäre eine Lösung möglich gewesen, wenn sich Akinci und Anastasiades geeinigt hätten? Nicht unbedingt, denn die türkischen Zyprer und Ankara bestehen darauf, dass die Türkei Garantiemacht bleibt. Für die griechischen Zyprer und Athen sind dagegen Garantiemächte ein Anachronismus. In der EU brauche man derlei Mächte nicht, auch nicht in Form eines Drittstaates wie der Türkei.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte bereits am Freitag mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan über Zypern gesprochen. Bei dem Telefonat hätten sie den Streitpunkt erörtert. Eine Lösung fanden sie aber nicht.

(dpa)
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