Großbauten in BW betroffen: "Schrottbeton" beim Bau von AKW Neckarwestheim verwendet

zuletzt aktualisiert: 08.05.2008 - 19:28

München (RPO). Für das Zwischenlager des Atomkraftwerks Neckarwestheim und andere Großbauten in Baden-Württemberg soll einem Zeitungsbericht zufolge teils minderwertiger Beton verwendet worden sein.

Droht ein Sicherheitsrisiko im AKW Neckarwestheim wegen minderwertigem Beton? Foto: ddp
Droht ein Sicherheitsrisiko im AKW Neckarwestheim wegen minderwertigem Beton? Foto: ddp

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet in ihrer Freitagsausgabe, beim Bau des Zwischenlagers habe ein Unternehmen etwa 35.000 Kubikmeter Beton geliefert. Ein ehemaliger Mischmeister des Herstellers behaupte nun, dass überall dort, wo der fragwürdige Beton eingesetzt worden sei, "deutlich vor Ablauf der erwarteten Lebenszeit teure Sanierungen oder sogar die Abrissbirne drohen". Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft prüfe Anschuldigungen von Ex-Mitarbeitern des Betonherstellers. Das Unternehmen bestreite die Vorwürfe.

Die Staatsanwaltschaft ermittele gegen den 40-jährigen Firmeninhaber, einen mittelständischen Unternehmer aus dem Raum Stuttgart, berichtete das Blatt weiter. Er werde von mehreren früheren Mitarbeitern schwer belastet. Der Zeitung lägen eidesstattliche Versicherungen der Ex-Angestellten vor. In dem unterirdischen atomaren Zwischenlager des AKW Neckarwestheim werden abgebrannte Kernelemente aufbewahrt, bevor sie zur Wiederaufbereitung gebracht werden. Das baden-württembergische Umweltministerium kündigte der "SZ" zufolge an, es werde den Sachverhalt umgehend prüfen.

Unter Berufung auf die Aussagen der Ex-Mitarbeiter berichtete die "SZ", der minderwertige Beton sei unter anderem auch beim Bau der Neuen Messe Stuttgart sowie bei den Museen der Autohersteller Mercedes-Benz und Porsche eingesetzt worden, ferner beim Bau der Stuttgarter Arena, der Landesbank sowie der Schwabengalerie. Ein Sprecher des Betonherstellers sagte der Zeitung, er könne sich "im Hinblick auf das laufende Ermittlungsverfahren zu den Vorgängen nicht äußern": "Es ist völlig unverständlich, dass solch offensichtlich falsche Behauptungen aufgestellt werden."

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte der "SZ" indes, gegen den Unternehmer werde "unter anderem wegen des Verdachtes des Betruges" ermittelt. Der Firma werde vorgeworfen, "teilweise Beton geringerer Qualität als vereinbart und abgerechnet geliefert" zu haben. Zudem werde überprüft, ob "Kunden auf der Grundlage fingierter Lieferscheine zu hohe Rechnungen bezahlt" hätten. Ende 2007 seien das Privathaus des Unternehmers und Firmenbüros durchsucht worden. Die Unterlagen würden noch geprüft. Gesicherte Erkenntnisse gebe es noch nicht, auch sei noch unklar, welche Bauten womöglich betroffen seien.

Ex-Mitarbeiter schilderten der "SZ", wie an den Betonmischanlagen manipuliert worden sein soll. Demnach soll es unter anderem getrennte Steuerungskreisläufe gegeben haben. "Durch schlichtes Umstellen auf Kreislauf zwei" sei anstelle von "hochwertigem Zement billiges Steinmehl" beigemischt worden. Der Mischmeister habe dies nicht verhindern können, da der Prozess via Internet aus der Firmenzentrale oder vom Chef "mit seinem Laptop sogar auch aus dem Auto heraus" gesteuert worden sei. "Die Folgen der Manipulationen" seien nicht auf den ersten Blick erkennbar, erklärte ein früherer Mitarbeiter an Eides statt: "Auch der minderwertige Beton härtet aus und Bauwerke scheinen standsicher." Allerdings sei die Lebensdauer kürzer.

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