Osnabrück (RPO). Der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) hat einem Zeitungsbericht zufolge seine neue Imagekampagne gestoppt. Grund seien zahlreiche Zuschauerproteste, die sich durch den am Samstag erstmals ausgestrahlten Spot an die Erdbebenkatastrophe in Haiti erinnert fühlten.
Das ZDH-Präsidium ließ seinen Werbespot nach Zuschauerprotesten wieder vom Markt nehmen, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" (Mittwochsausgabe) berichtete. TV-Zuschauer hätten die im Anschluss an die Fernsehnachrichten aus Haiti ausgestrahlte Werbung als geschmacklos empfunden, hieß es demnach beim ZDH.
In dem Spot mit dem Titel "Was wäre die Welt ohne das Handwerk" gerät Berlin völlig aus den Fugen: Häuser, Autos, U-Bahnstation zerbröseln zu Staub. In wenigen Sekunden wird die Zivilisation in die Steinzeit zurückkatapultiert.
Einige Zuschauer hätten mit dem Werbefilm die Bilder aus dem Katastrophengebiet assoziiert, heißt es laut "NOZ" aus dem Handwerkerverband. Um die seit mehr als einem Jahr geplante bundesweite Kampagne nicht zu beschädigen, werde der TV-Spot ausgesetzt und in den kommenden vier Wochen nicht mehr ausgestrahlt.
Die Werbung sollte vor allem Jugendliche für das Handwerk begeistern. Im Rahmen der bundesweiten Imagekampagne, für die der ZDH 50 Millionen Euro ausgeben will, sollte der Spot im Fernsehen und im Kino laufen. Bei dem schweren Erdbeben in der vergangenen Woche kamen in dem verarmten Karibikstaat zehntausende Menschen ums Leben, die Hauptstadt Port-au-Prince wurde weitgehend zerstört.
Der Fall erinnert an die Entscheidung deutscher Rundfunksender Ende 2004, die angesichts der Flutkatastrophe in Asien mit unzähligen Toten den damaligen Hit "Die perfekte Welle" der Popgruppe Juli aus dem Programm genommen hatten.