erstellt am: 3.7.2010
Mit Luftmütze
Mercedes E-Klasse Cabrio
Von Annette Bosetti
Mercedes E-Klasse Cabrio / Baujahr 2010
Das neue viersitzige E-Klasse Cabrio von Mercedes hat reichlich Technik an Bord, die im Ernstfall Leben retten kann.
Bilder
Karosserie
Vor einer Panne schützt die edelste Marke nicht. Wenn auch, wie im Falle von Mercedes, einst die Werbung suggerierte, dass das gar nicht passieren könne. Nun ist der Reifen platt. Das fast neue Testcabrio ist von der Autobahn noch brav bis vor die heimische Einfahrt gerollt, Mittwochabend, 21.30 Uhr, am Tag vorm Feiertag. Kein Ersatzreifen, aber die Rund-um-die-Uhr-Notfallnummer des Autoherstellers, der vier Jahre Mobilitätsgarantie gibt. Die Niederlassung Aachen ist schnell informiert, der diensthabende Meister sagt, dass die Reifen des schmucken E-Klasse-Flitzers leider nicht am Lager sind. Man werde sich bemühen.
Abschleppwagen, Ersatzfahrzeug – alles rollt an innerhalb der nächsten Stunde. Anderntags frühmorgens der Anruf: „Sie können Ihr Fahrzeug abholen, wir haben den Reifen aus Köln kommen lassen und aufgezogen.“ Was für ein enormer Aufwand für eine an sich harmlose Reifenpanne, doch perfekt gelöst für den Kunden – trotz Feiertag.
Fahrleistung
Das nach vielen Jahren neuentwickelte Cabrio der E-Klasse trumpft mit mehr Platz und Spitzen-Technik auf. Eine Motorpalette von vier Benzinern und drei Dieseln steht zur Verfügung, Topmodell ist der E 500 (V 8, 5,5 Liter Hubraum, 71.519 Euro) – als einziger ohne „BlueEfficiency“-Label. Das Testfahrzeug war ein angemessen sparsamer Diesel mit 231 PS, der bei aller Güte und Durchzugskraft so schön leise brummelt, dass niemand mehr fragt, ob Diesel und Cabrio überhaupt zusammenpassen.
Komfort / Bedienung
Endlich gibt’s ein Cabrio für vier Personen – nur dürfen die vorne sitzenden Menschen nicht zu groß sein, sonst ist im Fond die Beinfreiheit weg. Großgewachsene spüren auch nicht wirklich viel von der neuartigen Luftmütze, die Windverwirbelungen bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h mindern soll. Dieses „Aircap“, das von hinten mit Automatikschott und von vorne mit Minispoiler über der Frontscheibe agiert, schützt nicht vor steifem Hals. Da muss man schon den „Airscarf“ dazuschalten, der saunawarm in den Nacken bläst (zusammen 1250 Euro).
Ausstattung
Innovative Technik bietet die E-Klasse schon seit 2009 an, Abstandsregler im Tempomat etwa, die das Auto wie von Geisterhand abbremsen. Am Ende meint man, jedes Extra sei unentbehrlich. Vor allem das pädagogisch hochwirksame Anti-Auffahr-Warnsignal im Display, ein Zubehör, das in jedes Auto gehörte. Nur im Cabrio ist es unnötig, weil man beim Offenfahren der Luxusklasse auf Straßen jenseits der Hektik noch automobile Hochkultur genießen will.
Ärgerlich zudem, dass man heutzutage besondere Reifen an besonderen Autos kaum noch selbst wechseln kann, weil man meist gar keinen Ersatzreifen mehr dabei hat. Im Kofferraumboden des E-Klasse-Cabrios ist immerhin Platz für ein Notrad (Aufpreis 83 Euro) vorgesehen, doch damit kommt man nur bis zur nächsten Werkstatt.
Auf einen Blick
| Hubraum |
2987 ccm |
| Leistung |
170 / 231 kW/Ps |
| max. Geschwindigkeit |
250 km/h |
| Beschleunigung |
7 sek. |
| Länge/Breite/Höhe |
4700 / 1790 / 1400 mm |
| Radstand |
2760 mm |
| Kofferraum |
300 - 390 l |
| Testverbrauch |
8,5 - 9,3 l D |
| CO2-Ausstoß |
189 g/km |
| Preis |
ab 54.621 EUR |
Fazit
Charme: ++++
Spaßfaktor: ++++
Wohlgefühl: ++++
Stärken: hohe passive Sicherheit, Sieben-Gang-Automatik
Schwächen: schlechte Sicht nach hinten, schwergängige Türen