erstellt am: 24.7.2010
Nur vom Feinsten
Audi A8
Von Carlheinz Tüllmann
Audi A8 / Baujahr 2010
Das Premiumprodukt Audi A8 glänzt mit Spitzentechnik für Fahrkomfort und
Sicherheit. Auch kleinere Modelle aus Ingolstadt
werden zeitversetzt davon profitieren.
Bilder
Karosserie
Nur kein Neid! Die Zeiten, in denen die automobile Oberklasse wie Dickschiffe mit arrogantem Gehabe (von protzendem Blech bis zu Schicki-Insassen) über die Promenaden kreuzte, sind längst vorbei. Die erste panzerähnliche S-Klasse von Mercedes, der wuchtige 7er aus München – alles der Schlankheitskur einer Understatement-Gesellschaft zum Opfer gefallen. Ein Audi mit 5,14 Meter Länge und 372 PS unter der Haube, das Premiumprodukt aus Ingolstadt, die Spitzenklasse für Manager, Durchhaltepolitiker und Filmpromis fällt im Alltagsstraßenverkehr nicht mehr auf. Ein A8 – na und?
Andererseits: Die Konstrukteure dieser Topserie haben es meisterlich verstanden, Luxus in gefällige Form zu gießen. Da rollen (Testwagenpreis) 115.000 Euro so ganz nebenbei im Stadtverkehr mit oder rauschen – schon spektakulärer – auf der linken Autobahnspur an der Mittelklasse vorbei. Der A8 plustert sich nicht mit prallen Konturen auf, er neigt auch nicht zu Selbstdarstellerattitüden wie Spoiler, Schürzen oder Tuningschnickschnack. Nur der massige Kühlergrill mit seinem Leuchtenband in den üppigen LED-Scheinwerfern lässt im Rückspiegel des Vorausfahrenden aufmerken: Da setzt first class zum Überholen an.
Fahrleistung
Der Achtzylinder tritt zwar erstaunlich behäbig an, aber einmal tief Luft geholt, geht’s druckvoll, dennoch sanft durch die Fahrstufen der neuen Achtgang-Automatik. Wer’s rasanter mag, wechselt im Drive-Select-Menü von Komfort auf Dynamik und erlebt prickelnd jenseits von 230 km/h die (laut Audi) „sportlichste Limousine dieser Klasse“– handlich, spursicher und der Konsumanzeige bei mehr als 20 Liter Super plus.
Das Schönste am Audi A8 aus Normalverbrauchersicht: Für die Ingolstädter Topversion wurde eine Supertechnik entwickelt, die in angepasstem Maß bald auch in den volkstümlicheren Modellen bis hinunter zum A1 stecken wird.
Komfort / Bedienung
In dieser Klasse wird gern vom „Chauffeursauto“ gesprochen. Was wohl so nicht mehr stimmt. Denn wie sonst sind die Vordersitze mit Super-Wohlgefühl-Funktionen (Massage, Lendenwirbelstützen, Oberschenkelauflage) ausgestattet, während der Fond für eine solch lange Limousine vergleichsweise schmächtig ausfällt? Eindeutiger ist die Abgrenzung zum Familienauto: Liter-Mineralwasser-Flaschen haben keinen Platz, die Cupholder (vulgär: Becherhalter) reichen nicht für Eltern mit Anhang.
Ausstattung
Wie’s drinnen aussieht, ist ansonsten Chefsache. Auf Anhieb alles vom Feinsten. Hochwertigste Materialien von der wie ein Flügel ausgebreiteten Instrumententafel – sie gehört zu dem Edelsten, was deutscher Automobilbau zu bieten hat – bis zu den Ablagen im Fond. Die Anordnung der Bedienelemente und ihre Handhabung sind tadellos. Hightech vermittelt das Mediazentrum mit Touchbedienfläche, auf der die Navigationsziele statt per Drehknopf einzugeben mit dem Finger aufgeschrieben werden. Sicherheits-Spitzenleistung garantieren Tote-Winkel-Überwachung, ein Nachtsichtsystem, das Fußgänger erfasst, Verkehrsschilderkennung (mitunter unkorrekt) und ein Tempomat, der bei einem drohenden Auffahrunfall eine Vollbremsung vornimmt.
Bewertung
Charme: ++++
Spaßfaktor: +++++
Wohlgefühl: +++++
Stärken: Luxus-Fahrkomfort
Schwächen: Teures Zubehör
Auf einen Blick
| Hubraum |
4163 ccm |
| Leistung |
273 / 372 kW/Ps |
| max. Geschwindigkeit |
250 km/h |
| Beschleunigung |
5,7 sek. |
| Länge/Breite/Höhe |
5140 / 1940 / 1460 mm |
| Radstand |
2990 mm |
| Kofferraum |
510 l |
| Testverbrauch |
13,1 l S |
| CO2-Ausstoß |
219 g/km |
| Preis |
ab 89.300 EUR |