Düsseldorf: Autobahn-Parkplätze überfüllt
VON SEBASTIAN RADERMACHER - zuletzt aktualisiert: 19.02.2011 - 09:36An deutschen Autobahnen gibt es für Lastwagen viel zu wenig Stellplätze. Lkw-Fahrer klagen über chaotische Zustände. Bis Ende 2010 wollte das Land NRW 800 neue Plätze schaffen – bislang ist aber erst rund ein Drittel fertiggestellt. Zurzeit wird an 29 Rastplätzen gebaut.
Rund 130 000 Kilometer fährt Thomas Ehlers pro Jahr mit seinem Lastwagen. Sein Zuhause in Ludwigshafen sieht der 47-jährige Fernfahrer meist nur am Wochenende. Unter der Woche ist der Lkw seine Heimat. Dort hat er alles, was er zum Leben braucht: Kühlschrank, Radio, Mini-Fernseher und ein Bett. Entspannung kommt nach Feierabend aber meist nicht auf. "Die Suche nach einem Parkplatz an den Rastplätzen ist die reinste Katastrophe", sagt Ehlers auf der Raststätte Hösel an der A 3, während er Mittagspause macht.
Auf Autohof ausweichen
Mittags sei es einfacher, einen Parkplatz zu finden. "Abends, ab 18 Uhr, ist aber Ende im Gelände – die Rastplätze sind restlos überfüllt", schimpft Ehlers. Er kennt Kollegen, die bereits mehrmals die vorgeschriebenen Lenkzeiten überschreiten mussten, weil sie schlichtweg keinen Platz fanden.
"Die Lastwagen parken sich gegenseitig zu, sie blockieren die Tankstellen und stehen teilweise sogar schon mit Warnblinklicht auf dem Standstreifen der Autobahn", berichtet der Fernfahrer. Auch sein Kollege Ulrich Reck (53) aus Mülheim an der Ruhr hat immer wieder große Probleme, abends eine Parkmöglichkeit zu finden. An einigen Tagen würde er auf einen Autohof ausweichen. "Bei Kosten von bis zu zehn Euro pro Nacht ist das aber keine Dauerlösung." Das Parkplatz-Problem für Lkw-Fahrer an Autobahnen ist bekannt. Das Land Nordrhein-Westfalen bleibt jedoch hinter den eigenen Ankündigungen zur Verbesserung der Situation zurück. Im August 2009 hatten die Verkehrsminister von Bund und Land, Wolfgang Tiefensee (SPD) und Lutz Lienenkämper (CDU), angekündigt, bis Ende 2010 800 neue Parkmöglichkeiten für Lastwagen zu schaffen. "Der Güterverkehr auf der Straße wird weiter zunehmen. Wir wollen die Parkplatzsituation für Lkw schnell verbessern", hatte Lienenkämper erklärt. Die Realität sieht heute anders aus: Tatsächlich seien bislang erst 282 zusätzliche Plätze geschaffen worden, berichtet Andreas Roth vom Landesbetrieb StraßenNRW. Bis Ende des Jahres sollten allerdings die restlichen 518 folgen. Das Bundesverkehrsministerium teilte mit, dass in NRW "in den Jahren 2008 bis 2010 insgesamt 600 Lkw-Parkstände für den Verkehr freigegeben" wurden.
Brennpunkte
Zurzeit wird an 29 Rastanlagen in Nordrhein-Westfalen gebaut. Die neuen Stellplätze würden überwiegend durch eine bessere Ausnutzung der bereits vorhandenen Flächen an den Raststätten gewonnen, erklärt Roth. "Brennpunkte" mit besonders hoher Parkplatznot für Lkw-Fahrer seien vor allem die Autobahnen A1 (Köln – Dortmund), A2 (Dortmund – Hannover), A3 (Oberhausen – Köln) und A 4 (Köln – Aachen). Aber auch an der A 40 (Richtung Holland), der A 45 Richtung Hessen und der A 61 Richtung Koblenz müssten die Lkw-Fahrer regelmäßig um freie Parkmöglichkeiten kämpfen.
Die meisten neuen Lkw-Parkplätze entstehen an der A 40 zwischen Kerken und Neukirchen-Vluyn. Kurz vor dem Grenzübergang nach Holland wird in beiden Fahrtrichtungen ein neuer Rastplatz gebaut. An der "Neufelder Heide" entstehen auf einer Fläche von rund 55 000 Quadratmetern 100 Plätze für Lastwagen, 40 für Autos und sechs behindertengerechte Parkflächen. Kosten: rund 2,4 Millionen Euro. Mitte März sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, berichtet Projektleiter Christoph Angenendt von StraßenNRW.
2025: Entspannung
Bis zum Jahr 2025 soll sich die Parksituation für Lastwagen in Nordrhein-Westfalen entspannen. Geplant ist, bis dahin insgesamt 5500 neue Stellflächen zu errichten, sagt Andreas Roth. Für Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat der Ausbau oberste Priorität. "Nur gut ausgeruhte Lkw-Fahrer sind sichere Lkw-Fahrer. Sie müssen die vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten einhalten", betont Ramsauer. "Das geht aber nur, wenn sie immer einen Parkplatz finden."
Lkw-Fahrer Thomas Ehlers geht nicht davon aus, dass sich die Situation deutlich verbessern wird. "Es wird zwar mehr Parkplätze geben, aber auch das Verkehrsaufkommen wird weiter zunehmen", meint der Fernfahrer. "Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren."
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