NRW: Der Einbruch-Atlas
VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 16.12.2009 - 10:12Nach jahrelangem Rückgang ist die Zahl der Wohnungseinbrüche wieder gestiegen. Besonders im Dezember sind vermehrt Banden aus dem südosteuropäischen Ausland unterwegs. Die dunkle Jahreszeit erleichtert ihnen ihr Handwerk.
Mit dem 2. Dezember dieses Jahres wird die Düsseldorferin Ursula R. (60) ihr Leben lang unliebsame Erinnerungen verbringen. „Ich war nachmittags weggefahren und kehrte gegen 19.15 Uhr nach Hause zurück“, berichtet die Gerresheimerin. „Als ich die Haustür aufschloss, wunderte ich mich, dass Gegenstände aus dem Garten im Flur stand en. Dann fielen mir offenstehende Schranktüren und Schubladen auf.“
Als sie ins Wohnzimmer kam, wusste sie, was geschehen war: „Ein Einbrecher hatte vermutlich mit einem Holzpfahl ein Loch in die Terrassentür geschlagen und hatte so die Tür öffnen können. Er hatte Bargeld, mehrere Handtaschen und zwei goldene Kaffeelöffel erbeutet.
Tipps gegen Einbrecher
Vier Sicherheits-Experten werden am Donnerstag, 17. Dezmeber, zwischen 14 und 15 Uhr am Telefon Fragen zur Vorbeugung von Einbruch-Diebstählen beantworten.
Zwei Beamte der Kriminalpolizei und zwei Fachleute von Versicherungen geben dann im Rahmen einer Telefonaktion der Rheinischen Post Tipps, wie Sie Ihr Haus schützen können. Die Telefonnummer wird am Donnerstag in der Rheinischen Post veröffentlicht.
Am schlimmsten war für Roswitha Gerber aber der Verlust ihres erst zwei Monate alten Laptops: „Da waren geschäftliche Daten drauf, von denen ich kein Back-up hatte.“ Etwa zehn Mal pro Tag nehmen die Kollegen von Kriminalhauptkommissar Dieter Töpfer (52) derzeit Anzeigen von Düsseldorfern entgegen, die Opfer eines Einbruchs geworden sind.
Die dunkle Jahreszeit ist für die Gangster Hochsaison. Zwei Drittel aller Einbrüche ereignen sich in Deutschland zwischen Oktober und März. „Zum Ende des Jahres werden wir wohl deutlich über 2000 Einbrüche haben“, sagt der Kriminalist voraus.
Das wäre ein erneuter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Da lag die Zahl bei 1950. Damals schon war die Zahl im Vergleich zu 2007 um rund 300 in die Höhe geschnellt. Auch landesweit steigen die Einbruchszahlen. Von 2007 auf 2008 verzeichnet die Kriminalstatistik einen Anstieg um 1,6 Prozent.
Damit hat sich ein Trend jahrelang rückläufiger Einbruchszahlen umgekehrt. In den 90er Jahren war die Polizei umorganisiert worden. Die damalige sozialdemokratische Landesregierung wollte eine bürgernahe Polizei und vergab die Bekämpfung des Einbruchdiebstahls an lokale Kommissariate. Die zeigten sich rasch mit der Bekämpfung häufig überortlich agierender Tätergruppen überfordert.
Die Folge: Bis zum Jahr 2002 stieg die Zahl der Einbrüche in der Landeshauptstadt auf 2075 Einbrüche. Die Aufklärungsquote sank auf acht Prozent. Erst als die Düsseldorfer Polizei die Bekämpfung der Einbruchskriminalität wieder in die Hände eines Kommissariats gab, sanken die Deliktzahlen, während die Aufklärungsquote auf 16 Prozent stieg. Auch in anderen Städten, die ihre Polizeiarbeit nach dem Düsseldorfer Modell umorganisierte, gelangen ähnliche Erfolge.
Inzwischen hat sich die positive Entwicklung in der Landeshauptstadt wieder umgekehrt. Fachleute sehen dafür mehrere Gründe. Zu den „klassischen Täterländern“ wie Albanien, Jugoslawien und Rumänien sind inzwischen weitere Staaten wie Moldawien oder Georgien hinzugekommen. „Täter aus solchen Ländern schreckt das Risiko, möglicherweise ein Jahr in einem deutschen Gefängnis verbringen zu müssen, nicht besonders“, sagt Töpfer.
Gerade in den vergangenen Wochen seien zunehmend Angehörige aus Südosteuropa stammender Banden vor dem Fahndungsdruck italienischer Behörden nach Deutschland ausgewichen. Zwar handele es sich bei der Mehrzahl der Täter um junge Männer, doch würden für bestimmte Einbruchsmethoden auch gezielt Kinder eingesetzt.
In den Wochen vor Weihnachten bekommt es die Polizei vor allem mit so genannten Dämmerungseinbrüchen zu tun. Tatzeit: zwischen 15.30 und 20 Uhr. Die Dunkelheit bietet für die Gangster gleich mehrere Vorteile: Sie können ihre Taten unerkannt begehen und schnell wieder flüchten. Vor allem aber sehen sie in einer Siedlung sofort, wo keine Lichter brennen. „Solche Häuser“, sagt Harald Nöh, „werden eher ausgeguckt als beleuchtete Wohnungen.“
Der Schaden bei einem Einbruch beträgt durchschnittlich etwa 4000 Euro. Den materiellen Verlust trägt in der Regel eine Versicherung. Viel schlimmer ist für die Opfer oft die traumatische Erfahrung, der Verlust des Sicherheitsgefühls in den eigenen vier Wänden. Einbruchsopfer Ursula R.: „Nach dem Einbruch bin ich zu Hause bei jedem Geräusch zusammengezuckt. Nachts habe ich sogar leere Dosen hinter der Tür gestapelt, damit ich höre, wenn jemand reinkommt.“ Sie will jetzt zusätzliche Schlösser anbringen – und das Licht anlassen.
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