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Fortuna: 1:0! Unglaublich, aber wahr

VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 22.01.2010 - 19:54

Die Vorgeschichte des Zweitligaspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Union Berlin war reichlich skurril. So viele verschiedene Ergebnisse sind im Fußball möglich ­– scheinbar jedoch nicht, wenn diese beiden Klubs aufeinandertreffen.

Die bis Freitag letzten sechs Duelle endeten allesamt 1:0, fünfmal für die Berliner, nur einmal für die Düsseldorfer. Nun gab es die denkwürdige Fortsetzung, mit einem verdienten, wenn auch hart umkämpften 1:0-Sieg der Fortuna. Unglaublich, aber wahr.

Trainer Norbert Meier hat freilich nach eigenem Bekunden "mit solchen Statistiken nichts am Hut". Er hatte jedoch genau das enge Spiel erwartet, das die 25.300 Zuschauer schließlich auch zu sehen bekamen. "Gegen Union ging es immer Spitz auf Knopf", sagte der Coach. "Wie beim 1:0 für Union im Hinspiel, aber da waren die Berliner eben eine Spur abgezockter als wir. Ich denke aber, dass wir seitdem einiges dazugelernt haben."

Jener Lerneffekt äußerte sich in der Anfangsphase mit druckvollen Angriffen und einigen klaren Chancen. Wie bei Sebastian Heidingers herrlichem Schlenzer ans Lattenkreuz schon nach drei Minuten etwa, oder bei Marco Christs Schuss wenig später, als Union-Keeper Jan Glinker sich ganz lang machen musste.

Info

Hallo Herr Lambertz! Glückwunsch zum Sieg! War der verdient?

Lambertz: Auf jeden Fall. Wir hatten den Pfostenschuss von Heidinger, den verschossenen Elfmeter... Dagegen haben wir auf der anderen Seite kaum was zugelassen.

Und zum Spiel?

Lambertz: Es war ein sehr intensives Spiel, sehr schnell, sehr kraftraubend.

Am Ende fehlte dann etwas die Kraft...

Lambertz: Wir sind an unsere Grenzen gegangen, alle haben mitgezogen. Einige litten in der letzten Viertelstunde an Krämpfen. Bei mir selbst haben beide Wadenmuskeln zugemacht. Da war es sinnvoll, dass ein frischer Mann kam. Jetzt sind wir glücklich. Ich gehe jetzt nur noch schlafen.

Je länger die Partie dauerte, desto besser fanden die Gäste hinein. Zunächst musste Michael Ratajczak einen gefährlichen Kopfball von Torjäger John Jairo Mosquera meistern, dann zog Paul Thomik nur um Zentimeter vorbei.

Meier muss jedoch in der Pause den Finger auf die soeben aufbrechende Wunde gelegt haben, denn seine Mannschaft präsentierte sich fortan wieder so couragiert wie in der Anfangsphase. Der Lohn stellte sich schnell ein, in Form eines präzisen Kopfballs von Innenverteidiger Anderson. Der Brasilianer setzte den Ball nach einer Freistoßflanke des wiedergenesenen Regisseurs Marco Christ unhaltbar ins Netz und stürzte die Arena damit in ein Stimmungshoch.

"Wir haben überhaupt keinen Grund, an vermindertem Selbstvertrauen zu leiden", ­ mit diesem Satz hatte Meier seine Truppe nach den beiden zuletzt sieglosen Auswärtsspielen in Rostock (1:2) und Paderborn (1:1) ins Rennen geschickt. Und die Gastgeber erinnerten sich nun offenbar an diese Marschrichtung, wurden trotz des zunehmend verzweifelteren Berliner Offensivdrangs nicht nervös.

Eine frühzeitige Entscheidung gelang den Rot-Weißen dennoch nicht, und dabei hatte der ansonsten starke Jens Langeneke die beste aller Torchancen. Sein Strafstoß, nach einem Foul an Johannes van den Bergh verhängt, krachte an den Pfosten. So blieb es bei der rekordverdächtigen 1:0-Serie, wenn auch diesmal endlich wieder zugunsten der Düsseldorfer. Ein Unentschieden stand ja ohnehin nicht auf dem Plan ­- ein solches hat es zwischen den Traditionsklubs nie gegeben.

Bitter für Fortuna, dass dem Verein erneut eine hohe Geldstrafe ins Haus steht. Wieder einmal deswegen, weil sich ein ­ wenn auch nur kleiner ­ Teil seiner Anhängerschar nicht zu benehmen weiß. In der 19. Minute wurde der Berliner Torsten Mattuschka von einem aus dem Fanblock geworfenen Feuerzeug getroffen. Die Strafe des DFB für das Abbrennen von Feuerwerkskörpern vor einer Woche in Paderborn steht noch aus –­ nun wird sie mit Sicherheit erheblich aufgestockt.


Fortuna - Union Berlin 1:0

Düsseldorf: Ratajczak - Weber, Anderson, Langeneke, van den Bergh - Lambertz (84. Sieger), Costa, Christ (69. Fink), Heidinger - Jovanovic (77. Oehrl), Harnik. - Trainer: Meier

Berlin: Glinker - Thomik, Rauw, Göhlert, Kohlmann - Younga-Mouhani (77. Dogan), Peitz - Ede (58. Sahin), Mattuschka (77. Benyamina), Parensen - Mosquera. - Trainer: Neuhaus

Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)

Tor: 1:0 Anderson (51.)

Zuschauer: 25.300

Gelbe Karten: Heidinger, Weber (4), Christ (4) - Mosquera (3), Peitz (2)

Bes. Vorkommnis: Langeneke schießt Foulelfmeter an den Pfosten (76.)


 
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