Fortuna: 1:1 ist wohl zu wenig
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 18.05.2008 - 23:59Fortuna machte beim 1:1 in Braunschweig ein Klassespiel, vergaß nur das Toreschießen. Oberhausen hat nun im Aufstiegskampf die klar besseren Karten.
Unter anderen Umständen wäre dieses Spiel eine Party in Rot und Weiß wert gewesen. 1:1 bei der Mannschaft, die als der ganz große Favorit in die letzte Saison der Fußball-Regionalliga Nord gegangen war, zudem eine kämpferisch großartige Leistung gezeigt. Fortuna hätte rundum zufrieden sein können wenn da nicht dieser merkwürdige Saisonverlauf gewesen wäre.
Eintracht Braunschweig nämlich ist nicht mehr der große Favorit, sondern eine Mannschaft, die verzweifelt um den Einzug in die neue Dritte Liga kämpft. Und Fortuna hätte angesichts des gestrigen 4:1-Sieges von Rot-Weiß Oberhausen in Babelsberg schon drei Punkte bei den Niedersachsen gebraucht, um sich „echte” Chancen auf den Aufstieg in die 2.\x0fBundesliga zu erhalten. Vier Punkte Rückstand sind es nun, dazu ist die Tordifferenz der Düsseldorfer um 15\x0fTreffer schlechter als die von RWO. Wenn Oberhausen am kommenden Samstag gegen das jenseits von Gut und Böse platzierte Rot-Weiß Erfurt gewinnt, sind Fortunas Aufstiegsträume beendet.
Dennoch: So richtig traurig war im rot-weißen Tross nur Wolf Werner. „Es ärgert mich, dass wir große Chancen liegengelassen haben”, sagte der Manager. Stimmt schon. Die Gäste waren trotz der stimmgewaltigen Kulisse im Eintracht-Stadion das klar bessere Team, was auch Braunschweigs neuer Trainer Torsten Lieberknecht freimütig zugab. „Wir haben gegen eine bärenstarke Düsseldorfer Mannschaft gespielt”, meinte der Ex-Profi, der nach dem Rücktritt von Benno Möhlmann erstmals auf der Bank saß. „Fortunas spielerischer Leichtigkeit hatten wir nur Kampfkraft entgegenzusetzen.”
Und Chancen hatte die Truppe von Trainer Norbert Meier auch, die größte durch den eingewechselten Christian Erwig in der Schlussminute. „Christian ist ganz fertig, dass er den nicht gemacht hat”, berichtete Meier hinterher. „Aber es nutzt jetzt nichts, nach Schuldigen zu suchen. Weder bei dieser Chance noch beim 1:0 für die Eintracht.” Da war Torhüter Michael Ratajczak, für den sich Meier am Abend vor dem Spiel „aus dem Bauch heraus” entschieden hatte, einem Freistoß von Benjamin Fuchs sehr unglücklich entgegengelaufen. Dafür parierte „Rata” anschließend zweimal glänzend Torhüterschicksal.
„Wir werden weiter kämpfen und kein bisschen nachgeben”, kündigte der Trainer an; Axel Lawarées Ausgleich lässt die Hoffnung noch ein bisschen weiterleben. Das Spiel in Braunschweig sei eines der besten gewesen, das er von Fortuna gesehen habe, ergänzte Meier. „Wir hatten keinen Ausfall, haben Dominanz gezeigt. Der Beifall unserer Zuschauer beweist das doch.”
STIMMEN ZUM SPIEL (gesammelt von Gernot Speck)
Torhüter Michael Ratajczak: „Der Trainer hat Michael Melka und mich am Samstag nach dem Frühstück zu sich geholt und die Torwart-Entscheidung erklärt. Zum Gegentor: Ich habe die falsche Entscheidung getroffen, das kann passieren. Danach habe ich aber die eine oder andere Situation entschärft.”
Torschütze Axel Lawarée: „Die Möglichkeit, zu gewinnen, war da. Ich bin enttäuscht. Jetzt sind noch sechs Punkte zu vergeben. Im Fußball ist alles möglich.”
Allrounder Ahmet Cebe: „Vielleicht ist der Punkt am Ende ja doch noch viel wert, wenn wir gegen Babelsberg gewinnen.”
Manager Wolf Werner: „Braunschweig hatte richtig Angst, der Druck aufs Tor hat bei uns gefehlt. Das war sicher auch ein Kräfteproblem.”
Innenverteidiger Robert Palikuca: „Es war ein richtig geiles Spiel. Ich fand uns einen Tick besser. Unser Traum geht weiter! Wir haben 100 Prozent kämpferisch überzeugt. Es wäre falsch, jetzt den Kopf hängen zu lassen. Gegen Babelsberg müssen wir nun unsere Hausaufgaben machen.”
Kapitän Andreas Lambertz: „Ich kann mich kaum bewegen, ein Braunschweiger ist mir ins Kreuz gesprungen. Wir hatten zwischendurch ein paar Partien, in denen wir zu kämpfen verpasst haben. Mit dem Emden-Sieg haben wir den Schalter umgelegt. Ich glaube noch an den Traum.”
Regisseur Marco Christ: „Wir brauchen uns nichts vorzuwerfen. Solange rechnerisch alles möglich ist, werden wir alles dran setzen.”
Defensivakteur Jens Langeneke: „Das Unentschieden ist absolut zu wenig für uns. So ein Spiel muss man gewinnen. Wir benötigen derbe Schützenhilfe.”
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