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Fortuna: Als in Erfurt die Welt einstürzte

VON FALK JANNING - zuletzt aktualisiert: 22.12.2008 - 20:25

Es war diese unbeschreiblichen Minuten Mitte der ersten Halbzeit in Erfurt, die vielen Fortuna-Fans beim Gedanken daran noch heute die Gänsehaut den Rücken hochfahren lässt.

Die Rot-Weiß-Anhänger lagen sich in den Armen, weinten Tränen der Freude, ballten die Fäuste und schrieen ihre Glückseligkeit in den warmen Frühlingshimmel. Endlich war es so weit. Nach so vielen bitteren Jahren enttäuschter Hoffnung: Fortunas Aufstieg in Liga zwei war förmlich spürbar.

Die eigene Mannschaft führte an jenem letzten Spieltag der Saison 2008/09 mit 2:0 bei Rot-Weiß Erfurt. Allein das reichte aber nicht zum Düsseldorfer Aufstieg: Voraussetzung war, dass Rot-Weiß Oberhausen gleichzeitig bei Union Berlin patzte. Und genau das schien zu passieren. Plötzlich ging nämlich ein Aufschrei ging durch die 6000 Köpfe zählende Fanschar aus Düsseldorf. Es hieß, Rot-Weiß Oberhausen liege in Berlin zurück.

Hoffen, zittern, bangen, jubeln, weinen, feuern - Fortunas Fans am 31. Mai in Erfurt. Foto: rpo, Falk Janning

Doch der Schein trog. Eine Welt stürzte ein. Alle Hoffnung brach in sich zusammen, tiefer Frust löste den Höhenflug binnen Sekundenbruchteilen ab. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Schreckensmeldung: Nicht Union hatte in Berlin getroffen, sondern der Konkurrent RWO. Schnell verloschen alle Träume. Für einige Minuten machte sich sprachloses Entsetzen unter der treuen und extrem leidensfähigen Fanschar breit. Wie erstarrt und mit offenem Mund stand das Fußball-Volk minutenlang im Block und stierte vor sich hin.

Aber es fand seine gute Laune schließlich wieder, genoss das gute Wetter, hatte Spaß an lebensfrohem Gesang und feierte die Mannschaft am Schluss für einen versöhnlichen Saisonendspurt - mit fünf Siegen und einem Remis in Folge.

Das extreme Stimmungs-Auf und -Ab in Erfurt spiegelte innerhalb weniger Augenblicke die ganze Saison wieder. Es hatte grandiose Höhen und ebenso bittere und tiefe Abstürze gegeben. Fortuna hatte beispielsweise den späteren Aufsteiger RWO mit 3:0 zerlegt, dann aber ebenso katastrophale Vorstellungen in Lübeck (1:3) und Ahlen (1:5) gezeigt. Verspielt wurde das Erreichen der zum Aufstieg berechtigenden beiden vorderen Plätze der Regionalliga Nord unter anderem durch die unnötigen Niederlagen daheim gegen Magdeburg (0:2) und eben in Lübeck.

Das Spiel bei Eintracht Braunschweig bot am drittletzten Spieltag noch einmal eine gute Chance, doch trotz einer guten Leistung reichte es am Ende nur zu einem Remis.

Abseits des Rasens hat der extrem emotionale Ausbruch der Düsseldorfer auf eindrucksvolle Weise angedeutet, welche Gefühls-Detonation die Stadt erschüttern würde, wenn der Aufstieg tatsächlich eines Tages einmal gelingen sollte...


 
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