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Fortuna: Anti-Randale-Plan der Polizei

VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 03.06.2009 - 07:47

Vor dem ersten Zweitliga-Spiel Anfang August will der Polizeipräsident ein Konzept vorlegen, das Ausschreitungen wie nach dem Fortuna-Aufstieg unterbindet. Die Kripo bearbeitet 36 Anzeigen. Auch gegen Beamte wird ermittelt.

Ausschreitungen dieser Größenordnung hatte es zuletzt nach dem Aufsteigsspiel zwischen Fortuna und Werder Bremen II vor rund einem Jahr gegeben.  Foto: Youtube-Screenshot
Ausschreitungen dieser Größenordnung hatte es zuletzt nach dem Aufsteigsspiel zwischen Fortuna und Werder Bremen II vor rund einem Jahr gegeben. Foto: Youtube-Screenshot

Im Polizeipräsidium arbeitet eine Expertengruppe an einem neuen Sicherheitskonzept für die kommenden Bundesligaspiele in der Arena. Polizeipräsident Herbert Schenkelberg hat gestern bekräftigt, dass man an Vorschlägen feile und rechtzeitig vor dem ersten Spiel Anfang August bereit sein werde.

Die Polizei wird, so ein Polizei-Sprecher, initiativ werden und die anderen Beteiligten mit ins Boot holen – also das Rathaus mit der Ordnungsbehörde, die Rheinbahn, die Fortuna, Altstadtwirte und Feuerwehr. Außerdem will man mit dem Fortuna-Vorstand sprechen und auch die Verantwortlichen in den Parteien kontaktieren.

Derzeit ist man aber noch dabei, die Ereignisse nach dem Aufstiegsspiel in der Altstadt zu analysieren. Immer noch werden Fakten zusammengetragen, und die auswärtigen Polizeiverbände, die hier im Einsatz waren, sind aufgefordert worden, das zu schildern, was sie in der Nacht nach dem Fortuna-Aufstiegsspiel hier erlebt oder getan haben. NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP) hat bei der Düsseldorfer Behörde einen Bericht über die Ereignisse angefordert und verlangt Vorschläge, wie man künftig vorgeht.

An dem Abend hatte es in der Altstadt bis dahin nie erlebte Gewaltausbrüche gegeben. Polizisten wurden mit Flaschen beworfen, bespuckt, mehrfach flogen Bengalische Feuer. Ein Einsatzwagen ging in Flammen auf, über 20 Polizisten wurden verletzt. Auf der anderen Seite jedoch gab es auch Verletzte durch – wie Zeugen behaupten – allzu brutal vorgehende Polizisten. In mehreren Fällen wurden Unbeteiligte zu Boden geworfen, geschlagen oder mit Pfefferspray verletzt. Der RP liegen einige Briefe von Altstadtbesuchern vor, die an diesem Abend zufällig in die Randale gerieten und sich von der Polizei regelrecht angegriffen und misshandelt fühlten.

Aufgrund dieser Ereignisse gibt es inzwischen sechs Anzeigen gegen Polizisten. Diese Vorwürfe werden in einem speziellen Kommissariat, das solche Fälle grundsätzlich behandelt, überprüft.

Die Polizei hat außerdem eine fünfköpfige Ermittlungskommission eingerichtet, die 36 Anzeigen bearbeitet. 15 davon wegen gefährlicher Körperverletzung, acht wegen Landfriedensbruchs, fünf wegen Beleidigung, zwei wegen Sachbeschädigung, einmal wegen Brandstiftung, zwei wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz, und einer, der zum Mord an Polizisten aufrief, muss sich wegen Volksverhetzung verantworten. Die Fakten dazu werden nach und nach der Staatsanwaltschaft überlassen, die so genannte beschleunigte Verfahren anstrebt – die Strafe soll auf dem Fuße folgen. Bei der Staatsanwaltschaft wurde eigens für diese Verfahren eine Dezernentin freigestellt. Sie steht seit einigen Tagen in dauerndem Kontakt mit der Polizei.

Bei der Rheinbahn tagt heute ein Expertengruppe zum Thema "Transport von Fußballzuschauern". Die Rheinbahn hatte ebenfalls gelitten: Bis zu 15 Bahnen standen an dem Abend zeitweise still, weil Randalierer Notbremsen gezogen oder während der Fahrt Türen gewaltsam geöffnet hatten. Da dies auch im U-Bahntunnel geschah, war man kurz davor, den Fahrbetrieb einzustellen, da die Sicherheit nicht mehr zu gewährleisten war, hieß es bei der Rheinbahn. In der Konsequenz drohte man sogar damit, den Transport bei solchen Spielen künftig abzulehnen. Die Rheinbahn will dringend einen "Runden Tisch" aller Beteiligten – und den notfalls selbst anbieten.

Dem ist der Polizei-Chef heute zuvorgekommen, indem er ankündigte, selbst diese Runde zu initiieren. Die Rheinbahn hat sich in den letzten Tagen bei Verkehrsunternehmen anderer Bundesligastädte nach deren Erfahrungen erkundigt. Rheinbahnsprecher Georg Schumacher sagte gestern, einige dieser Betriebe hätten Hilfe angeboten, nachdem sie von den Düsseldorfer Ereignissen hörten.

Quelle: RP

 
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