Fortuna: Arena: 2010 Umbau für Stehplätze?
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 28.09.2009 - 08:08Die Fans der Fortuna planen für das Spiel gegen Alemannia Aachen (Montag, 20.15 Uhr, Live-Ticker) eine Choreographie, mit der sie für Stehplätze werben. Zugleich tauchen neue Argumente in der Diskussion auf: Ohne Umbau leiden die Finanzen des Vereins und die Sicherheit im Stadion.
Wenn die Arena künftig Stehplätze haben sollte, dann fördert das nicht nur die Fußball-Kultur, sondern hat auch handfeste wirtschaftliche Vorteile. Das jedenfalls rechnet die Pro-Stehplatz-Initiative "Stonn op" vor: Ohne Umbau drohten unter Bundesliga-Bedingungen pro Saison rund 150 000 Euro Schaden in der Arena. Hinzu kämen finanzielle Ausfälle in Höhe von rund 900 000 Euro pro Spielzeit, weil nach der jetzigen Struktur des Gebäudes 6800 Plätze aus Sicherheitsgründen leer bleiben müssten.
Mit dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga war die Diskussion um von den Fans begehrte Stehplätze wieder aufgeflammt. Die Stadt, Eigentümerin der Schüssel, reagierte darauf und gab eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Das Ergebnis soll in Kürze vorliegen. Nach RP-Informationen kommen die Ingenieure darin zu dem Ergebnis, dass Stehplätze möglich sind – mit leichten statischen Nachbesserungen und deutlich erweiterten Fluchtschleusen. Grund: Auf eine Stehplatz-Tribüne passen etwa doppelt so viele Fans wie auf eine Sitzplatz-Tribüne.
Entscheidend im Stadtrat wird demnach die Kostenfrage sein. Den möglichen Investitionen stehen die beschriebenen Belastungen gegenüber. Bei den Bundesliga-Spielen von Bayer Leverkusen in der Düsseldorfer Arena hat sich gezeigt, was Fans gegnerischer Mannschaften auf Sitzplatztribünen anrichten.
Sie zertraten Sitzschalen und stiegen mit so vielen Leuten auf die Schienen, an denen die Sitzschalen befestigt sind, bis diese aus der Verankerungen brachen. Einige warfen die Schienen anschließend sogar noch vor die Tribünen. Die Kosten für solche Randale liegen nach Angaben von "Stonn op!" bei 8000 bis 10 000 Euro pro Begegnung, Fortuna bestreitet pro Saison mindestens 17 Heimspiele.
Zehn Prozent für Gäste-Fans
Zu diesen zusätzlichen Ausgaben kämen größere Einnahmeverluste wegen weiterer Sicherheitsvorschriften. Der Deutsche Fußball-Bund gibt den Profi-Klubs nämlich vor, etwa zehn Prozent der Plätze für Gäste-Fans vorzusehen und mit so genannten Sektortrennungen zu versehen, also Zäunen, eigenen Toiletten und Büdchen sowie eigenen Wegen zum und vom Stadion.
In der Esprit-Arena sind die knapp 5000 Plätze für Gäste-Fans auf dem unteren Teil der Nordtribüne reserviert. Diese bilden einen gemeinsamen Sektor mit dem Oberrang der Nordtribüne. Diese 6800 Plätze könnten unter Bundesliga-Bedingungen nicht mehr an Düsseldorfer Fans oder neutrale Zuschauer vergeben werden, weil sie mit den gegnerischen Anhängern zusammenstoßen könnten.
"Stonn op!" beziffert den Ausfall für die freibleibenden Plätze auf 800 000 bis 900 000 Euro pro Saison. Der Umbau des Gäste-Sektors erscheint nach den Argumenten der Fan-Initiative für die Zukunft der Fortuna unerlässlich und ließe die Maßnahmen für die Stehplätze leicht sowie kostengünstiger mit abwickeln.
Sollte sich der Stadtrat entschließen, den Umbau in den Haushalt 2010 aufzunehmen, würde er eine günstige Sondersituation vorfinden. Wegen der Fußball-WM in Südafrika ist die Sommerpause im kommenden Jahr gut doppelt so lang wie üblich. Damit ergäbe sich ein größeres Zeitfenster für die Arbeiten. "Diese Chance kommt so schnell nicht wieder. Wir hoffen deshalb, dass sich die Fraktionen im Stadtrat nach ihrem positiven Feedback noch in diesem Jahr für die Stehplätze entscheiden", sagt Karem Chelagou von "Stonn op!".
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