Fortuna: Ausschreitungen beim 0:0 in Essen
VON FALK JANNING - zuletzt aktualisiert: 08.12.2007 - 16:02Fortuna Düsseldorf kommt im letzten Spiel des Jahres bei Rot-Weiss Essen zu einem höchst schmeichelhaften Unentschieden, verteidigt mit Mann und Maus ein 0:0 und Tabellenplatz fünf. Auf der anderen Seite verpassten die zehntplatzierten Gastgeber die Möglichkeit, durch einen Sieg an den Düsseldorfern vorbeizuziehen.
Die Fortunen hatten vor den Augen von Trainer-Kandidat Wolfgang Wolf und Ex-Coach Uwe Weidemann diesmal das, was sie in der Vorwoche beim 0:1 gegen Union Berlin so schmerzlich vermisst hatten: Das Glück auf ihrer Seite - und davon mehr als reichlich. Denn dreimal trafen die Essener nur das Aluminium des Düsseldorfer Tores und hatten noch fünf weitere beste Einschussmöglichkeiten.
Torwart Michael Melka und seine Nebenleute überstanden aber alle diese brenzligen Situationen wie durch ein Wunder unbeschadet.
Auf der anderen Seite sahen die Besucher keine einzige Düsseldorfer Groß-Chance. Allenfalls ein Freistoß von Markus Anfang verdiente mit Wohlwollen das Prädikat "halbe Einschuss-Möglichkeit". Anfangs Freistoß war abgefälscht worden und tropfte einen Meter neben das Essener Gehäuse ins Aus; Daniel Masuch im Essener Tor war schon in die andere Ecke unterwegs und wäre machtlos gewesen.
Die Essener schossen sich nach holprigem Beginn warm und beherrschten Fortuna nach Belieben, weil die Düsseldorfer durch leichte Abspielfehler immer wieder in gefährliche Konter liefen. Vor Melkas Kasten spielten sich dann zum Teil dramatische Szenen ab. Im ersten Durchgang besaß die Heimelf binnen 15 Minuten jeweils nach Kontern vier Hundertprozentige. Rolf-Christel Guie-Mien hatte die erste Chance: Er platzierte eine Moritz-Stoppelkampf-Flanke mit einem wuchtigen Kopfball nur knapp drüber (20.).
Als der sehr auffällig agierende Jozef Kotula Stoppelkamp schickte, hatten die Essener Fans den Torschrei schon auf den Lippen, aber der Schuss des Mittelfeldspielers klatschte nur an den Pfosten. Und auch der Nachschuss von Käpt'n Michael Lorenz prallte an die Latte des Gästegehäuses (23.).
Wenig später scheitern David Czyszczon und Mario Klinger aus dem Gewühl im Fünf-Meter-Raum heraus, weil sie Fabian Hergesell und Michael Melka anschießen (25.). Stoppelkamp hatte schließlich eine weitere Großchance auf dem Fuß, doch nach einem Pass von Kotula tritt er das Leder aus 18 Metern erneut nur an den linken Pfosten. Melka hatte sich vergeblich nach dem Ball gestreckt (35.).
In der zweiten Halbzeit eines höchstens mäßigen Kicks standen die Fortunen in der Abwehr besser und konzentrierten sich ausschließlich auf Verteidigung des torlosen Remis. Die Essener reagierten streckenweise ratlos, fanden kein Mittel gegen das Abwehr-Bollwerk und lieferten sich mit ihrem Gegner ein Fehlpass-Festival. Chancen hatte die Heim-Mannschaft dennoch. Die vorletzte vereitelte Michael Melka mit einer Glanztat: Einen fulminanten 25-Meter-Schuss Guié-Miens kratzte der Tormann Düsseldorfs kurz vor Schluss mit den Fingerspitzen aus dem Winkel.
Und in der 85. Minute rettete Heidinger nach einem Freistoß von Guie-Mien für seinen schon geschlagenen Keeper mit dem Kopf auf der Torlinie.
Fortunas Spiel krankte deutlich am Fehlen der verletzten und erkrankten Mittelfeldspieler Marco Christ und Andreas Lambertz. Trainer Werner hatte die Manschaft gegenüber der Vorwoche auf drei Positionen verändern müssen, Erwig und Anfang für Christ und Lambertz gebracht, Cebe für Kastrati in die Startelf berufen. Der Coach musste Anfang aber nach 60 Minuten wieder hinaus nehmen, da er keine Kraft für 90 Minuten besaß, das Spiel komplett an ihm vorbei lief.
Das Derby vor rund 20.000 Besuchern (offiziell waren es nur etwa 13.000) stand zwischenzeitlich vor dem Abbruch, weil im Fortuna-Block Leuchtraketen und bengalische Feuer gezündet wurden. Der souveräne Bundesliga-Schiedsrichter Stefan Lupp unterbrach die Partie zweimal und schickte die Mannschaften in der 75. Minute schließlich für zehn Minuten vom Platz.
Das Spiel brachte er nach der kurzen Unterbrechung doch noch zu Ende. Harald Meyer von der DFB-Sicherheitskommission, der das Geschehen vor Ort beobachtete, äußerte sich milde: "Das waren keine Fortuna-Fans sondern Straftäter", sagte er. Fortuna-Vorstand Paul Jäger sieht nicht die Gefahr einer Platzsperre gegen Düsseldorf. "Wir sind in dieser Saison doch noch völlig unbelastet und keine Wiederholungstäter."
Das wäre allerdings ein Schickssalschlag, wenn Fortuna das nächste Punktspiel vor leeren Rängen spielen müsste, denn dann kommt es zum Kassenschlager gegen Wuppertal.
STATISTIK ZUM SPIEL
Rot-Weiss Essen - Fortuna 0:0
Rot-Weiss Essen: 1 Daniel Masuch - 21 Michael Lorenz, 25 Daniel Sereinig, 4 David Czyszczon, 22 Niklas Andersen, 19 Moritz Stoppelkamp (70. Uzun), 2 Tim Erfen (76. Kazior), 6 Mario Klinger, 17 Tim Gorschlüter, 7 Jozef Kotula, 10 Rolf-Christel Guie-Mien. Auf der Bank: 20 Sören Pierson, 9 André Schei Lindbaek, 14 Vincent Wagner, 16 Rafael Kazior, 26 Emrah Uzun, 29 Turgul Aydin, 31 Tayfun Cakiroglu. Trainer: Heiko Bonan
Fortuna: 1 Michael Melka - 16 David Krecidlo, 6 Jens Langeneke, 21 Hamza Cakir, 24 Fabian Hergesell - 31 Olivier de Cock, 3 Claus Costa - 10 Markus Anfang (60. Klimczok), 15 Ahmed Cebe (60. Heidinger) - 9 Christian Erwig, 25 Axel Lawaree. Auf der Bank: 12 Michael Ratajczak, 23 Marek Klimczok, 4 Robert Palikuca, 13 Adrian Spier, 11 Sebastian Heidinger, 14 Oliver Hampel, 20 Bekim Kastrati. Trainer: Wolf Werner.
Zuschauer: 13.056.
Schiedsrichter: Lupp (Zossen).
Gelbe Karten: Michael Lorenz - Ahmed Cebe
STIMMEN ZUM SPIEL
Wolf Werner: "Es ist nur gerecht, dass wir auch mal Glück haben."
Heiko Bonan: "Wenn es mit Gerechtigkeit zugegangen wäre, dann hätten wir hier heute 3:0 gewonnen. In der Rückrunde werden wir noch einmal angreifen "
Jens Langeneke: "Jetzt brauchen wir einen neuen Trainer, der uns mal so richtig in den Arsch tritt."
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