Fortuna: "Das Ziel ist erste Liga"
VON CHRISTIAN HERRENDORF UND HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 26.05.2009 - 07:49Künftig in der Zweiten Liga zu spielen, steigert vor allem die Attraktivität des Vereins für mögliche Sponsoren. Angeblich ist das Interesse neuer Unterstützer groß. Für den Aufstiegsbeauftragten Heinrich Pröpper ist sein Job noch lange nicht erledigt: "Das Ziel ist die Erste Liga!"
Arena: Die Betreiber des Düsseldorfer Stadions können fest mit zusätzlichen Einnahmen kalkulieren und auf noch mehr hoffen. Der neue Namensgeber Esprit hat einen gestaffelten Vertrag abgeschlossen und zahlt bei Zweit-Liga-Zugehörigkeit der Fortuna mehr. Nach RP-Informationen sind dies 100 000 Euro pro Jahr. Weitere Gelder sind aus verkauften Banden, vermieteten Logen und einem Sponsor für die Südtribüne möglich. Nach Angaben von Arena-Sprecher Rainer Schüler ist noch gut ein Drittel der Banden im Oberrang frei. Bei der Auslastung der VIP-Logen spricht Fortuna-Marketingchef Carsten Frank von "30 Prozent Luft nach oben". Gespräche mit dem Verein über potenzielle Abnehmer sollen noch in dieser Woche stattfinden. Vom Verein hätte man künftig auch gern eine höhere Miete. Aber diese Forderung müsse noch verhandelt werden, heißt es in Fortuna-Vorstandskreisen.
Dauerkarten-Preise
Haupttribüne Mitte 525/450
Haupttribüne neben der Mitte/ Gegentribüne Mitte 480/405
Haupt- und Gegentribüne auf Höhe des Torraums 375/300
Eckblöcke 247,50/180
Fanbereich Fortuna 165/120
Familienblöcke 180/120
Kinder unter zwölf Jahren in den ersten drei Kategorien 210
VIP-Karten 2250
Die Angaben gelten für die „Dauerkarte normal”, die zweite Zahl ist der ermäßigte Preis. Mitglieder zahlen 8 bis 35 Euro weniger pro Dauerkarte (außer VIP).
TV-Gelder: In der Dritten Liga hätte Fortuna nächste Saison 800 000 Euro aus der Fernsehvermarktung. In der Spielklasse darüber sind rund vier Millionen Euro zu erwarten, plus Gelder aus der Übertragung des DFB-Pokals (mindestens 110 000 Euro für die erste Runde).
Sponsoren: Auf die Verträge mit den beiden Hauptgeldgebern Stadtsparkasse und Stadtwerke hat der Aufstieg keinen Einfluss, die Verträge sind bis 2010 geschlossen. Im Hinblick auf neue Sponsoren heißt das Zauberwort Reichweite. Fortuna wird künftig jede Woche auf Premiere und im Deutschen Sport-Fernsehen zu sehen sein sowie in der Arena im Schnitt vor mehr Zuschauern auflaufen. "Das Sponsoring eines Zweitligisten ist kein Mäzenatentum, das kann ein Unternehmen mit einer echten Gegenleistung aufrechnen", sagt Marketingchef Frank. Entsprechend bestätigt er "Signale" aus der Wirtschaft, die nun trotz Finanzkrise ein Engagement bei Fortuna ernsthaft prüften. "Der Aufstieg ist ein Türöffner zu den einflussreichen Leuten in der Wirtschaft", bestätigt Carsten Deuster, Düsseldorfer Medienberater und Mitglied im Sponsoren-Pool "Club 95".
Vereinsimage: Als entscheidend in der künftigen Präsentation der Fortuna gilt zweierlei: Der Verein muss deutlich machen, dass er wieder auf nationaler Ebene agiert, künftig gegen Traditionsklubs wie 1860 München, Kaiserslautern, Duisburg, St. Pauli und Karlsruhe spielt. "Vor allem große Unternehmen haben sich aus der regionalen Werbung verabschiedet und setzen diese Ebene voraus", sagt Medienberater Deuster. Wichtig sei zudem, dass mögliche Sponsoren personelle Kontinuität im Aufsichtsrat erkennen.
Aufstiegsbeauftragter: Unter diesem etwas sperrigen Begriff arbeitet IDR-Chef Heinrich Pröpper im Aufsichtsrat des Vereins. Ist sein Job jetzt überflüssig? Pröpper lacht: "Das Ziel ist die Erste Liga!" Ansonsten bestätigt er die Aussagen von Marketing-Chef Carsten Frank: Es gebe großes Interesse potenzieller neuer Sponsoren. Pröpper warnt aber auch vor all zu viel Euphorie: "Uns werden jetzt nicht die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, die Industrie wird nicht ihr Füllhorn über uns ausschütten." Auf jeden Fall weiß er: Man brauche noch Geld. Er rechnet mit einem um rund vier Millionen anwachsenen Etat. Davon ließe sich die Hälfte aus den Einnahmen abdecken, der Rest müsse noch beschafft werden. Pröpper bestätigt seinen Ruf als Kaufmann, wenn er vorrechnet, dass Fußball ein wichtiger Standortfaktor ist. In Düsseldorf sei der Sport aber nur dann gut zu vermarkten, wenn die Qualität hoch sei. Pröpper: "Wir kennen doch das Düsseldorfer Publikum – viele kommen nur, wenn sie was Hochklassiges geboten bekommen."
Standortfaktor: Auch BBDO-Chef Andreas Trautmann hält den hochklassigen Fußball für einen wichtigen Standortfaktor. Der 42-jährige Werbemann, der gerade aus Hamburg an den Rhein zieht, kennt Düsseldorf und die Fortuna noch aus Bundesliga-Zeiten. Genau dahin müsse der Fußball einer Stadt wie Düsseldorf wieder, meint Trautmann. "In vielen Dingen sind wir Ersten Liga, nicht nur in der Werbung." Also müsse auch der Fußball dahin zurück. Das sei gut für den Standort. Aufstieg in die Zweite Liga – gut, aber nur ein Auftakt.
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