Fortuna: Die Sportwelt-Historie
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 09.08.2008 - 09:16Warnende Stimmen gab es schon 1999 genug. Etwa die des Geschäftsführers Paul Jäger, oder die des damaligen Marketingchefs Fortunas, Michael Welling. Diese beiden, aber auch viele im Umfeld des Vereins wollten nach dem Abstieg aus der 2.Bundesliga lieber auf einen kleineren, selbstfinanzierten Etat setzen anstatt das schnelle Geld der Sportwelt anzunehmen.
Die Klubführung um Helge Achenbach und Heinz Heßling aber glaubte, den Stein der Weisen gefunden zu haben. Die Millionen, die Michael Kölmel als Gegenleistung für den Erwerb vieler Marketingrechte in die Klubkasse spülte, schienen den Wiederaufstieg garantieren zu können. Fortuna jedoch verpulverte das Geld innerhalb weniger Jahre. Spieler wurden gekauft, an deren Namen sich kaum noch jemand erinnert, Trainer Aleksandar Ristic durfte eine dritte, teure Amtszeit antreten und scheiterte furios.
Die Millionen waren weg, dafür war ein horrender Schuldenberg entstanden, der den Verein lähmte. Viele potentielle Sponsoren wurden dadurch abgeschreckt, dass niemand genau wusste, wie viel Fortuna von jedem eingenommen Euro denn überhaupt behalten durfte. Andere nutzten die komplizierte Lage schlicht als Ausrede.
Seit der Amtszeit des Vorstands um Michael Steffes-holländer herrschte zwischen Verein und Sportwelt im Grunde ein kalter Krieg. Kölmel und sein Unternehmen wurden öffentlich dargestellt wie Handlanger von Luzifer persönlich. Die Millionen jedoch hatten unfähige Fortuna-Funktionäre verbraten, nicht Kölmel. Wenn der Unternehmer es darauf angelegt hätte, hätte er Fortuna mehrfach in die Insolvenz führen können.
Mit Tricks wie der Ausbuchung der Sportwelt-Schulden aus der jährlichen Bilanz schaffte es der Verein, der Überschuldung zu entgehen und Saison für Saison aufs Neue die Lizenz zu erhalten. Mit der Einigung vom Donnerstagabend ist Fortuna nun nicht mehr auf diese Balanceakte angewiesen. Der Verein kann seine Zukunft wieder selbst planen, auch wenn er noch lange für die Sünden der Vergangenheit zahlen muss.
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