Fortuna: Dresden hofft auf den Befreiungsschlag
VON FALK JANNING - zuletzt aktualisiert: 14.11.2008 - 11:36Die Gegensätze könnten größer kaum sein. Am 7. November 1973 schrieb Dynamo Dresden im Europapokal der Landesmeister gegen den FC Bayern München Fußballgeschichte, machte sein bestes und berühmtestes Spiel.
Die vielleicht stärkste Mannschaft der DDR spielte im Achtelfinal-Rückspiel 3:3 gegen Beckenbauer & Co. und schrammte nur haarscharf am Einzug in die nächste Runde vorbei. 35 Jahre und ein paar Tage später kämpft die Mannschaft am Samstag im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorfs ums nackte Überleben in der 3. Liga.
Aktueller Trainer ist der frühere Ajax-Profi Ruud Kaiser. Der Niederländer löste im Sommer 2008 einen gewissen „Ede“ Geyer ab, der in der legendären Partie gegen den späteren Europapokal-Sieger als Verteidiger Gegenspieler des zweifachen Torschützen Uli Hoeneß war.
Kaiser (48), zuletzt Jugendtrainer des FC Chelsea, gilt als ruhiger und sachlicher Vertreter seiner Zunft, als großer Kenner des Nachwuchsfußballs in Deutschland. Er ist in Dresden nicht angetreten, um für schnellen Erfolg zu sorgen. Er arbeitet nachhaltig und setzt auf die Jugend. Für die erste Saison hat er sich einen Platz im Mittelfeld vorgenommen, in der nächsten Saison (dann mit der schmucken neuen Arena) soll die Mannschaft unter die ersten Fünf kommen.
Der Niederländer steht nach dem Weggang von Trainer Geyer für einen personellen Umbruch. Insgesamt 16 Spieler sind nach der vergangenen Spielzeit weggegangen. Darunter so erfahrene Recken wie Ulich, Votava, Hauser und Penksa.
Keeper Axel Keller bildet mit Abwehrchef Thomas Hübener, Kapitän Sebastian Pelzer, Mittelfeld-Motor Maik Wagefeld (beide fehlen gegen Fortuna) und Goalgetter Halil Savran die Achse der Leistungsträger im Dynamo-Spiel.
Bislang hat Kaiser nur sehr mäßigen Erfolg. Die Mannschaft kämpft gegen den Abstieg. Vor allem in der Offensive hakt es. Dynamo agiert im Sturm bislang ohne Ideen und Durchsetzungsvermögen. Zwölf Tore hat die Truppe erst erzielt und stellt damit den zweitschwächsten Angriff der Liga (nur Aalen ist mit zehn Toren aus 14 Spielen noch schwächer). Savran, der in der Vor-Saison in der Oberliga für Tennis-Borussia Berlin 31 Tore in 29 Spielen erzielte, mangelt es - wie der gesamten Mannschaft - bislang vor allem an Selbstvertrauen. Savran und Dobry erzielten beide bislang je drei Treffer.
Am Mittwochabend machte die Elf durch einen 1:0-Erfolg in einem Nachholspiel beim SV Werder II immerhin ein bisschen Boden gut und landeten nach fünf sieglosen Partien in Folge für den ersten Sieg. Der Vorsprung zu den Abstiegsrängen wuchs auf fünf Punkte, die Last ist aber keinesfalls weg.
Kaiser steht aber immer noch mit dem Rücken zur Wand, hat als Tabellen-13. lediglich 16 Punkte aus 14 Spielen geholt. Fortuna-Trainer Norbert Meier war im vergangenen Jahr in Dresden entlassen worden, als er nach zehn Spieltagen mit seiner Mannschaft auf Rang elf stand und zwölf Punkte gesammelt hatte.
Die Dresdner können gegen Fortuna trotz des Erfolges in Bremen keinesfalls befreiter aufspielen. Kaiser hofft, dass durch den Dreier von Bremen die Blockade in den Köpfen der Spieler weg ist und fordert positiv Denken. Ein weiterer Erfolg wäre vielleicht der ersehnte Befreiungsschlag. Verzichten müssen die Schwarz-Gelben aber weiterhin auf Kapitän Pelzer nach seinem doppelten Bänderanriss im Sprunggelenk sowie auf ihren Sechser Wagefeld, der wegen der fünften gelben Karte gesperrt ist.
Trotz der schwarz-gelben Tristesse wird es im Stadion während der Partie gegen Fortuna hoch hergehen. Auch nach dem 0:3-Debakel gegen den SC Paderborn hatten tausende Fans auch noch lange nach dem Abpfiff gefeiert. Andere äußerten ihren Unmut unter der Woche, indem sie in der Nacht auf dem Trainingsplatz Gräber schaufelten und elf Holzkreuze in Form der taktischen Aufstellung aufstellten.
Die zu erwartenden 600 Düsseldorfer Fans müssen sich um ihre Sicherheit keine Sorgen machen: Wie zuletzt in Berlin geleitet die Polizei die Fanbusse von der Autobahn direkt auf das Stadion-Gelände.
Die Spiele der Dresdner:
FC Rot-Weiß Erfurt - Dynamo Dresden 0:1 (0:1)
Dynamo Dresden - Kickers Emden 1:2 (0:1)
FC Bayern München II - Dynamo Dresden 1:0 (1:0)
Dynamo Dresden - VfB Stuttgart II 1:0 (0:0)
Kickers Offenbach - Dynamo Dresden 2:2 (1:0)
Dynamo Dresden - 1. FC Union Berlin 0:1 (0:0)
Wuppertaler SV Borussia - Dynamo Dresden 1:0 (1:0)
Dynamo Dresden - Wacker Burghausen 3:1 (1:1)
Dynamo Dresden - Eintracht Braunschweig 1:1 (1:1)
FC Carl Zeiss Jena - Dynamo Dresden 0:0 (0:0)
Dynamo Dresden - VfR Aalen 1:1 (0:0)
Dynamo Dresden - SC Paderborn 07 0:3 (0:2)
Stuttgarter Kickers - Dynamo Dresden 2:1 (1:1)
SV Werder Bremen II - Dynamo Dresden 0:1 (0:0)
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