Fortuna: Eine Zeitreise mit Fortuna im Herzen
VON FALK JANNING - zuletzt aktualisiert: 03.09.2010 - 08:18In diesem Raum schießen jedem Fortuna-Fan unweigerlich die Tränen der Rührung in die Augen, hier hält jeder Anhänger den Atem an und ist sprachlos: Bernd Bremer hat ein Zimmer in seinem Haus während der vergangenen 15 Jahre mit einer so phantastischen Sammlung an Devotionalien bestückt, dass die Bezeichnung „Fortuna-Museum“ nicht übertrieben ist.
Der Raum atmet Fußballgeschichte. Er ist bis zur Decke gefüllt mit Gegenständen, die aus 115 Jahren Vereinsgeschichte erzählen. Da liegt die Eintrittskarte vom Meisterschafts-Endspiel aus dem Jahre 1933 neben der Gold-Medaille, die die Düsseldorfer nach ihrem Finalsieg bekamen. Auch das Ticket vom verlorenen Pokalfinale 1938 - ebenfalls gegen Schalke - hat Bremer erstanden, es ist nur zwei mal fünf Zentimeter klein.
Insgesamt 2300 verschiedene Eintrittskarten hat der Sammler bislang zusammengetragen. Seit dem Jahre 1966 hat er sie fast alle, es fehlen lediglich die Tickets von acht Pflichtspielen. In den Regalen stapeln sich 1400 Programmhefte, 150 verschiedene Nadeln der Rot-Weißen und 180 Fortuna-Trikots. Die jüngste Errungenschaft: Claus Costa schenkte ihm das neonfarbene vom Cottbus-Spiel.
Wer hat gewusst, dass die Fortuna im Mai 1954 in Milwaukee gegen Borussia Dortmund spielte? Der Sammler kann es beweisen: Er hat die Eintrittskarte davon. Zwei Tage später trafen die Düsseldorfer in Kanada auf die Toronto Ulster. Davon zeugt ein Programmheft.
Zuweilen profitiert er davon, dass die Fußballklubs kein Interesse an Historischem haben. „Das hat in den Vereinen im hektischen Tagesgeschäft einfach keinen Platz“, sagt Bremer. Unglaublich aber wahr: Die Wimpel, die Fortuna in den 50er Jahren bei einer Reise durch Ghana von den Gastgebern überreicht bekam, entdeckte der Sammler durch puren Zufall auf dem Trödelmarkt am Großmarkt.
Der Witwe von Paul Janes kaufte er vor Jahren für 1500 Mark den Nachlass der Fortuna-Legende ab. Sie hatte zwar zuerst Fortuna gefragt, doch die hatte kein Interesse. Eine sechsstellige Summe hat er schon in seine Sammlung gesteckt, vermutet er. Der ideelle Wert ist ungleich größer. Niemals würde er irgendetwas abgeben.
„Ich muss alles haben, was mit Fortuna zu tun hat“, sagt der Vater von vier Kindern, der sich jedes Fortuna-Spiel ansieht. Das letzte, das er verpasst hat, war am 10. März 2007 das 2:2 in Magdeburg. In der 53. Minute wurde sein jüngster Spross Alexander geboren. „Ich habe ihm verziehen, dass er ausgerechnet an diesem Tag das Licht der Welt erblicken wollte“, sagt Bremer mit einem Augenzwinkern.
Seine Familie, die viel Verständnis aufbringt, hat er „Fortunafamily“ getauft. Und so lautet auch seine Homepage: www.fortunafamily.de
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