Fortuna: Fortuna feiert mit Bier und Tränen
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 25.05.2009 - 11:43Nach dem 1:0-Sieg gegen Werder Bremens Zweitvertretung kehren die Düsseldorfer Fußballer in die Zweite Bundesliga zurück. 50095 Zuschauer in der ausverkauften LTU-Arena sorgten für große Emotionen. In der neuen Spielklasse setzt der Klub auf Kontinuität.
Auf der Anzeigetafel der LTU-Arena schlägt die Spielzeit auf 90:00 um. Ranisav Jovanovic, Stürmer des Noch-Drittligisten Fortuna Düsseldorf, läuft auf Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus zu. Der Serbe mit Geburtsort Berlin faltet die Hände wie zum Gebet, bittet die Hannoveranerin um den Abpfiff. Es steht 1:0 für Fortuna im letzten Saisonspiel, ein Spielstand, der den Klub geradewegs in die Zweite Fußball-Bundesliga zurückbefördern würde.
Jovanovic weicht Steinhaus nicht mehr von der Seite, redet unaufhörlich mit flehenden Gesten auf sie ein. Um 15.16 Uhr hat sie ein Einsehen, nach nicht einmal einer Minute Nachspielzeit. Fortuna ist in der Zweiten Liga, nach zehn bitteren Jahren in der Dritt- und Viertklassigkeit.
Der Rest ist ein Jubelsturm, mit einem Großteil der 50095 Zuschauer auf dem Rasen der ausverkauften Arena. Düsseldorf feiert den Aufstieg mit unbeschreiblichen Emotionen. Bier, Sekt und Tränen fließen - und obwohl im Stadion alles friedlich bleibt, gibt es hinterher 40Verletzte, unter anderem durch Treppenstürze.
Die Spieler lassen sich kurz auf dem Rasen herzen, feiern dann in der Kabine die erste Etappe einer langen Ballnacht. Irgendwann taucht Jovanovic wieder aus der Kabine auf, und das Erste, was man von dem Serben sieht, ist eine qualmende Zigarre vom Ausmaß einer mittleren Litfaßsäule. „So wie Bibi habe ich schon lange keine Frau mehr angefleht“, sagt er breit grinsend über seine Episode mit der Unparteiischen. „Sonst mache ich das nur bei meiner Freundin, wenn ich gut Wetter machen muss.“
Feiern, bis der Arzt kommt. So geht es allen Fortunen an diesem langen Samstag. Die Zeit bis zum großen Empfang am Düsseldorfer Rathaus vertreiben sich Spieler, Trainer und Offizielle mit dem Besuch der Fanparty, mit dem Champions Dinner im Arena-Hotel (unter diesem Titel tut man’s in Düsseldorf nicht), schließlich mit Tanz und Trank in der Discothek „Nachtresidenz“. Dass der Sieg gegen die Bremer nicht gerade das spielerische Highlight der Saison war und der entscheidende Treffer durch eine missglückte Flanke von Marco Christ entstand, die sich hinter dem verdutzten Torhüter Sebastian Mielitz ins Netz senkte, interessiert schon lange niemanden mehr.
„Ich bin einfach nur stolz auf die Jungs“, sagt der belgische Stürmer Axel Lawarée, mit 35 Jahren und Champions-League-Erfahrung aus seiner Zeit bei Rapid Wien der routinierteste Fortune. Sein Trainer sieht es genauso. Die Tränen, die der sonst so kühle Hamburger bei den Umarmungen mit seinen Schützlingen vergießt, beweisen es. Der Vorstandsvorsitzende Peter Frymuth hat nicht so nah am Wasser gebaut, aber große Worte findet er dennoch: „Es ist ein historischer Tag für uns, ein fantastisches Finale. 30 Jahre nach dem Europapokal-Endspiel gegen Barcelona war das ein weiterer Schritt nach vorn.“
Zwei Tage lang „ertrinkt Düsseldorf im Altbier“, wie Pilsfreund Meier anmerkt. Schon heute aber geht es weiter mit der Planung für die Zweite Liga. Viel Spielraum gibt es nicht, denn Frymuth betont: „Wir bleiben definitiv bei unserer defensiven Finanzpolitik.“ Und da 16 Spieler einen Vertrag für die neue Saison besitzen, können kaum mehr als sechs Zugänge hinzukommen. Auch bei Trainerstab und Management setzt Fortuna auf Kontinuität. Mit Meier war die Klubführung sich schon lange über ein weiteres Vertragsjahr einig, nach dem Aufstieg verkündet Frymuth, dass auch Meiers Assistenten und Manager Wolf Werner weiter für Fortuna arbeiten werden.
Schon jetzt scheint sicher, dass die mageren Besucherzahlen früherer Jahre so bald nicht zurückkehren werden. 15000 Vordrucke zur Dauerkarten-Bestellung hatten die Verantwortlichen mit zur Feier am Rathaus gebracht - die Fans rissen sie ihnen aus den Händen.
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