Fortuna: Fortuna muss zum Bielefeld-Bezwinger
VON FALK JANNING - zuletzt aktualisiert: 26.11.2009 - 13:15Das Interesse der Düsseldorfer Fußball-Fans an der Partie beim TSV 1860 am Sonntag in der Allianz-Arena ist riesengroß. Bis zu 3000 fahren mit. Die Plätze im Gäste-Block waren bereits vor drei Wochen im Nu vergriffen.
Die euphorisierten Rot-Weiß-Fans hoffen in München auf eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte ihrer Mannschaft, die dann eine Woche später vor großer Kulisse zum Tabellen-Zweiten Arminia Bielefeld aufschließen könnte.
Fortuna steht in München aber vor einer hohen Hürde, denn der 15. gilt als stärker als dies der aktuelle Tabellenrang aussagt. Die mit großen Ambitionen gestarteten Löwen sind schwer einzuschätzen. Die Truppe steckt zwar mitten im Abstiegskampf, sie hat in der vergangenen Woche aber überraschend den ersten Schritt zu einer Wende gemacht. Ausgerechnet beim Tabellenführer Bielefeld gelang der Mannschaft des Ex-Arminen Ewald Lienen ein befreiend wirkender 1:0-Erfolg.
Wohin die Reise der Löwen aber wirklich geht, das wird erst die nächste Partie gegen Fortuna zeigen. Das Führungs-Trio der Heim-Mannschaft mit Manager Miki Stevic, Trainer Ewald Lienen und Geschäftsführer Manfred Stoffers hatte vor der Saison die Losung ausgegeben, dass das sechste Jahr in der 2. Liga (nach dem Bundesligaabstieg 2004) die Mannschaft wieder nach oben führen soll. Dahinter steckt mehr als die Idee, dass ein Aufstieg zum 150. Geburtstag des Vereins gerade richtig käme.
Vielmehr gibt es massive wirtschaftliche Zwänge: Der Verein ist aufgrund der hohen finanziellen Belastungen in der Allianz-Arena zur Rückkehr in die Bundesliga verdammt. Auch die Erwartungshaltung bei den Fans ist nach den vielen Enttäuschungen der vergangenen Jahre sehr groß. Vor zehn Jahren erreichte der Club einen vierten Platz in der Bundesliga und spielte im Europapokal mit. Seitdem ging es stetig bergab. Ein Abstieg in die 3. Liga hätte wohl die Insolvenz zur Folge.
Die anhaltende sportliche Erfolglosigkeit sorgt in Giesing für Ratlosigkeit. Denn vom Papier her gehört das Team zu den besten der Liga. Manager Stevic hat seit seinem Amtsantritt im Februar 2009 (damals löste er Stefan Reuter ab) viel versucht, eine Menge Personal ausgetauscht – ohne Erfolg. Damals war die Mannschaft mit Trainer Marco Kurz Tabellen-Elfter, zwei Trainer (Uwe Wolf, Ewald Lienen) und viele Spieler später steht sie noch vier Plätze schlechter.
Niemand kann das Auftreten der Lienen-Schützlinge erklären, die durch gegenseitige Schuldzuweisungen immer noch unsicherer werden. Akteure wie Stefan Aigner, Kapitän Benny Lauth, Radhouane Felhi, Innenverteidiger Antonio Rukavina, Mate Ghvinianidze und Kenny Cooper haben es nicht in ihre angedachten Rollen geschafft und hinken ihrer Normalform hinterher. Manager und Trainer beklagen fehlende Leidenschaft und mangelnden Einsatz.
Der 1:0-Erfolg in Bielefeld soll die Wende gebracht haben. Vor der Partie hatte 1860 drei Niederlagen in Folge kassiert und war bis dahin mehr als acht Monate lang ohne Auswärtssieg. Auch der Trainer steht in der Schusslinie. Er wird für seine ständigen Formationswechsel und Rotationen kritisiert, die für Unordnung sorgen.
In Ostwestfalen brachte ihn das nicht davon ab, die Elf erneut auf drei Positionen zu verändern. Diesmal mit Erfolg. Unter anderem zauberte er einen Akteur aus dem Hut, den er bis dahin noch nicht gebracht hatte: Der 21jährige Brasilianer Marcos Antonio agierte im linken Mittelfeld. Überraschend durfte auch der zuletzt nicht mehr berücksichtigte Sascha Rösler wieder von Beginn an ran.
Fehlen wird gegen Fortuna neben den Langzeitverletzten Daniel Bierofka (Rücken- und Adduktoren-OP) und Florin Lovin der Stürmer Kenny Cooper. Der US-amerikanische Nationalspieler, der bereits bei Manchester United unter Vertrag gestanden hatte, war vor der Saison vom FC Dallas zu den Sechzigern gewechselt. Er machte die ersten zwölf Ligaspiele mit und erzielte zwei Tore. Im Training erlitt er einen Anriss des Innenbandes.
Fortunas Bilanz gegen den TSV 1860
Beide Mannschaften trafen in der 2. Liga noch nie aufeinander.
In der Bundesliga gab es vier Düsseldorfer Siege und sechs Niederlagen. Hier alle Spiele:
22.10.1966: 1860 - Fortuna 3:0 (2:0). Tore: 1:0 Rudolf Zeiser (28.), 2:0 Hans Rebele (43.), 3:0 Hans Küppers (89.).
01.04.1967: Fortuna - 1860 0:1 (0:0). Tor: 0:1 Wilfried Kohlars (52.).
22.10.1977: 1860 - Fortuna 0:1 (0:1). Tor: 0:1 Hubert Schmitz (6.).
11.03.1978: Fortuna - 1860 2:0 (0:0). Tore: 1:0 Egon Köhnen (69.), 2:0 Klaus Allofs (82.).
15.09.1979: Fortuna - 1860 4:0 (2:0). Tore: 1:0 Rüdiger Wenzel (4.), 2:0 Klaus Allofs (23.), 3:0 Thomas Allofs (56.), 4:0 Rüdiger Wenzel (72.).
01.03.1980: 1860 - Fortuna 2:0 (0:0). Tore: 1:0 Horst Wohlers (60.), 2:0 Erhard Hofeditz (79.).
25.10.1980: 1860 - Fortuna 4:3 (0:3). Tore: 0:1 Amand Theis (7.), 0:2 Klaus Allofs (16.), 0:3 Klaus Allofs (32.), 1:3 Rudi Völler (49.), 2:3 Horst Wohlers (56.), 3:3 Rudi Völler (62.), 4:3 Rudi Völler (78.).
11.04.1981: Fortuna - 1860 2:1 (1:1). Tore: 1:0 Hubert Schmitz (17.), 1:1 Herbert Scheller (27.), 2:1 Thomas Allofs (64.).
30.09.1995: 1860 - Fortuna 2:1. Tore: 0:1 Darko Drazic (10.), 1:1 Bernhard Winkler (36., Foulelfmeter), 2:1 Olaf Bodden (75.). (1:1).
31.03.1996: Fortuna - 1860 1:1 (0:0). Tore: 1:0 Raffael Tonello (57.), 1:1 Bernhard Winkler (58.).
28.08.1996: Fortuna - 1860 0:0 (0:0).
08.03.1997: 1860 - Fortuna 3:0 (0:0). Tore: 1:0 Manfred Bender (52.), 2:0 Harald Cerny (84.), 3:0 Bernhard Winkler (90.).
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