Fortuna: Fortuna punktet, Lienen tobt
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 29.11.2009 - 22:12Wer Fortuna abschreibt, ist selbst schuld. Selbst ein 0:2-Rückstand nach einer bis dahin durchwachsenen Vorstellung ist in der Saison 2009/2010 der 2. Fußball-Bundesliga noch keine Garantie für eine Niederlage - wie das verdiente 2:2 gestern beim TSV 1860 München bewies.
Das Feuer, das die vorangegangenen Fortuna-Partien gerade auf fremden Plätzen ausgezeichnet hatte, ging dem Spiel am Sonntag jedoch über weite Strecken ab. Die "Löwen" agierten zwar meist so, wie es ihr Tabellenplatz vermuten ließ: nervös, ja beinahe ängstlich.
Doch gerade, als Fortuna das erkannt zu haben und den Schalter auf Position "Angriff" umzulegen schien, schlugen die Münchner völlig überraschend doch zu. Alexander Ludwig benutzte die Fortunen Oliver Fink, Claus Costa und Johannes van den Bergh als Slalomstangen und schlenzte zum 1:0 ein.
Kozo Yuki, der in der Innenverteidigung sein Debüt in der ersten Mannschaft gab, musste sich dabei nichts vorwerfen lassen: Als der 30-jährige Japaner sich Ludwig endlich entgegenstellen konnte, hatte der sich schon längst freie Bahn verschafft. Am 2:0 nach der zweiten Münchner Chance der Begegnung traf Yuki ebenfalls keine Schuld, denn hier patzte Christian Weber, der Torben Hoffmann entwischen ließ.
Kurz-Interview mit Präsident Peter Frymuth:
Hallo Herr Frymuth, was sagen Sie zum Spiel?
Frymuth: "Die Mannschaft hat wieder einmal gezeigt, dass sie einen Rückstand aufholen kann. Sonst war es immer ein 0:1, diesmal ein 0:2. Sie hat in der 2. Halbzeit die Akzente gezeigt, die in der ersten gefehlt haben.
Ist das Ergebnis gerecht?
Frymuth: "Ja, auf jeden Fall. Mit dem 2:2 sind wir zufrieden. Bis auf Jene, die noch gerne das 3:2 von Lumpi gesehen hätten."
Hat Norbert Meier heute den Punkt geholt?
Frymuth: "Er hat mit der Aufstellung von Kozo als Innenverteidiger und mit den Einwechslungen alles richtig gemacht."
Und doch machte sich der Mut des Fortuna-Trainers Norbert Meier zu unerwarteten Lösungen wieder einmal bezahlt. Durch den guten Yuki, aber auch durch Patrick Zoundi, der nach seiner Einwechslung mit einem prächtigen Volleyschuss das 2:2 erzielte. Drei Minuten zuvor war die Szene passiert, die 60-Trainer Ewald Lienen später so ausrasten ließ.
Schiedsrichter Daniel Siebert entschied nach einem Zweikampf, bei dem Andreas Lambertz zu Boden ging, auf Freistoß und den versenkte Ranisav Jovanovic zum 2:1. "Ein Unding, dass wir das noch abgeben", polterte Lienen und machte Referee wie Gegner zu Sündenböcken.
"Düsseldorf hat diesen Punkt nicht verdient." Bei dieser exklusiven Analyse beruhigte es den Coach auch nicht, dass Lambertz hinterher freimütig zugab, nicht berührt worden zu sein: "Das ist das Verlogenste, was ich je gehört habe, das hätte er auf dem Platz sagen sollen." Die Frage, ob Lienen selbst während seiner Profizeit so edel gehandelt hätte, blieb unbeantwortet.
Sein Kollege Norbert Meier sah das Ganze verständlicherweise viel gelassener. "Aber der Freistoß war doch schön geschossen, oder?" sagte der Fortuna-Coach augenzwinkernd. Bis zur 70. Minute sei er nicht zufrieden gewesen, "auch wenn es bis dahin schon Phasen gab, in denen München nicht aus der eigenen Hälfte kam. Aber wenn man als Aufsteiger hier einen Rückstand aufholt, ist das ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung der Mannschaft."
STATISTIK:
München: Kiraly - Rukavina, Ghwinianidse, Hoffmann, Holebas - Ignjovski, Ludwig - Pappas (86. Biancucchi) , Antonio (59. Kaiser) - Lauth, Rösler (74. Mlapa). - Trainer: Lienen
Düsseldorf: Ratajczak - Weber, Yuki, Langeneke, van den Bergh - Costa - Fink (54. Zoundi), Caillas (64. Heidinger), Lambertz - Jovanovic, Harnik (88. Sieger). - Trainer: Meier
Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)
Tore: 1:0 Ludwig (36.), 2:0 Hoffmann (63.), 2:1 Jovanovic (70. ), 2:2 Zoundi (73.)
Zuschauer: 22.400
Beste Spieler: Lauth, Ludwig - Zoundi, Lambertz
Gelbe Karten: Ludwig, Pappas (2) - Caillas, Costa (4)
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