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Fortuna: Fortuna trifft das Tor nicht

VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 01.09.2008 - 09:41

Fußball-Drittligist Fortuna unterlag trotz guter Möglichkeiten beim SV Sandhausen 0:2. Angreifer Kenan Sahin patzte vorn und hinten. Damit zog er sich den Zorn von Manager Wolf Werner zu.

Wolf Werner nahm kein Blatt vor den Mund. „Wenn man solche tausendprozentigen Torchancen hat wie wir, dann muss man sie einfach nutzen”, sagte der Manager des Fußball-Drittligisten Fortuna mit betonter Ruhe. „Man hat deutlich gesehen, dass uns im Angriff die Alternativen fehlen. Wenn man den Ball aus fünf Metern Entfernung nicht über die Linie bekommt, darf man sich nicht Stürmer nennen.”

Heftige Kritik, die sich in erster Linie an eine Adresse richtete: Kenan Sahin. Wie schon beim torlosen Unentschieden gegen die Spielvereinigung Unterhaching eine Woche zuvor nutzte der Angreifer auch beim SV Sandhausen beste Möglichkeiten nicht. Diesmal freilich waren die Folgen noch schlimmer. Fortuna unterlag unnötigerweise mit 0:2 und verpasste den Sprung auf die Aufstiegsplätze.

Auch Trainer Norbert Meier haderte mit den vergebenen Chancen, warnte aber: „Wir wollen jetzt nicht einzelne Spieler dafür verantwortlich machen.” Natürlich nicht Kenan Sahin allein, möchte man ergänzen ­ es fällt allerdings angesichts der fehlenden Selbstkritik des 23-Jährigen schwer, ihn in Schutz zu nehmen. Zudem stand der Deutsch-Türke auch noch in der vorentscheidenden Szene der Partie am nächsten bei Christian Beisel, sprang jedoch nicht mit hoch, als dieser nach Alf Mintzels Freistoßflanke seine Kopfballchance suchte.

„Standards gehören nun einmal dazu”, fasste Meier knapp zusammen. Treffend, resultierte doch auch das 2:0 der Sandhäuser aus einem (diesmal direkt verwandelten und unberechtigten) Freistoß. „Dafür haben wir ja auch unsere Zuordnung bei Standardsituationen. Trotzdem kann da immer mal was passieren.” So wie gestern zum Beispiel.

Meier wollte die Partie beim SV Sandhausen, der im Jahr 1977 Fortunas unterlegener Gegner im Finale um die Deutsche Amateur-Meisterschaft gewesen war, dennoch nicht in Bausch und Bogen verdammen. „Über weite Strecken haben wir das Spielgeschehen kontrolliert”, meinte der Coach. „Der Unterschied war nur, dass Sandhausen seine wenigen Möglichkeiten ausgenutzt hat.”

Und genau danach hatte es vor der Pause nun wirklich nicht ausgesehen. Da überließen die Gastgeber Fortuna weitgehend das Feld, wagten selbst kaum Aktionen. „Ich habe meinen Spielern zur Pause gesagt, sie sollten den Mut nicht verlieren”, berichtete SVS-Trainer Gerd Dais. Sein Gegenüber Norbert Meier nahm diesen Ball sehr gern auf: „Dieses Zitat meines Kollegen sagt doch alles über die erste Hälfte.”

Was sich aber in den zweiten 45 Minuten abspielte, sagte dafür alles über die gegenwärtige Verfassung Fortunas. Sie bestimmt zumeist das Spiel, macht sehr viel Druck, holt zahlreiche Möglichkeiten heraus ­ aber sie trifft das Tor nicht. Da nutzte auch dem als Stürmer aufgebotenen Ahmet Cebe das berechtigte Trainerlob nichts.


STIMMEN ZUM SPIEL (gesammelt von Malte Bredesen)

Stürmer Ahmet Cebe: „Schon wieder so ein Mist. Wenn wir das Tor gemacht hätten, dann wäre das hier ganz anders gelaufen. Aber zum Offensivspiel gehört die ganze Mannschaft. Sandhausen ist auch nicht überragend. Bei Standards muss man am Mann sein, konzentriert sein. Dann kassierst du solche Gegentore nicht.”

Stürmer Kenan Sahin: „Auch in der vergangenen Woche hatte ich gute Chancen. Da herrscht bei mir jetzt Enttäuschung pur. Die Kritik an mir ist normal. Damit kann ich umgehen, ich bin Profi. Es war heiß, wir haben verloren und dann noch die drei Stunden Rückfahrt ­ ein wirklich toller Tag.”

Defensivabräumer Stephan Sieger: „Natürlich hatte ich mir in meiner alten Heimat einen Sieg gewünscht. Je länger das Spiel dauerte, umso mehr hat Sandhausen aufgemacht. Wir waren nicht zwingend genug.”

Stürmer Marcel Gaus, der 40 Sekunden nach Einwechslung Gelb sah: „Eine dumme Aktion. Bei meiner ersten Szene bekomme ich gleich Gelb, habe den Gegner gar nicht gesehen.”

Zuschauer Axel Bellinghausen, Ex-Fortune, heute Kapitän des 1. FC Kaiserslautern: „Beide Mannschaften haben das Tempo gut gehalten. Es fehlte die letzte Konsequenz. Bezeichnend, dass die Gegentore aus Standards fielen, denn Sandhausen hatte aus dem Spiel heraus ja keine Chance. Man kann aber sehen, dass Fortuna in der Liga zwangsläufig noch eine gute Rolle spielen wird.”

Innenverteidiger Hamza Cakir: „Wir hatten selbst genug Chancen. Man darf aber jetzt nicht nur auf Kenan Sahin einschlagen, er braucht unsere Hilfe, hat Pech gehabt.”

Gelb-Rot-Sünder Fabian Hergesell: „Wenn man die Leistung des Schiedsrichters über 90 Minuten betrachtet, dann war meine Gelb-Rote Karte sicherlich übertrieben. Es ist Bestrafung genug, dass wir jetzt zwei Wochen Spielpause haben.”

Quelle: RP

 
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