Fortuna: Fortuna verschenkt den Sieg
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 24.08.2008 - 23:59Das 0:0 gegen die Spielvereinigung Unterhaching war für Fortuna eine Enttäuschung. Den verletzten Torjäger Axel Lawarée konnten seine Kollegen nicht annähernd ersetzen.
Die wichtigste Szene der Partie ereignet sich um 13.38 Uhr. Mit anderen Worten: 22 Minuten, bevor Schiedsrichter Peter Gagelmann das Drittliga-Fußballspiel Fortuna gegen Unterhaching überhaupt anpfeift. Axel Lawarée läuft sich warm, ein Stück entfernt von seinen Düsseldorfer Teamkollegen, bleibt dann stehen, schüttelt den Kopf. Traurig geht der Stürmer zu Co-Trainer Uwe Klein, sagt: „Es geht nicht.”
Eine Nervenwurzelreizung, die sich beim Aufwärmen mit einem stechenden Schmerz, der in den Oberschenkel ausstrahlt, wieder bemerkbar macht, verhindert den Einsatz des Torjägers. Und sie verhindert damit einen Sieg der Fortuna, die ohne Lawarée ihr erdrückendes Übergewicht an Möglichkeiten nicht nutzt. 0:0 heißt es am Ende. Ein schlechter Witz bei einem Chancenverhältnis von 8:2.
Und doch hätte sich die Truppe von Trainer Norbert Meier nicht einmal beklagen dürfen, wenn sie sogar 0:1 verloren hätte. Nur zweimal kommt Unterhaching in 90 Minuten gefährlich vor Michael Melkas Tor doch beim zweiten Mal, Sekunden vor Schluss, muss der Düsseldorfer Keeper bei Tobias Schweinsteigers Konter beinahe Unmögliches vollbringen. Nicht auszudenken, hätte der große, mit Talent aber nicht so reich beschenkte Bruder des Münchner Nationalspielers hier die Nerven behalten.
Norbert Meiers Fazit fällt nüchtern aus. „Natürlich können wir mit diesem Ergebnis nicht zufrieden sein”, sagt der Coach. „Die Mannschaft war sehr bemüht, aber in der ersten Hälfte musst du bei solchen Möglichkeiten einfach zuschlagen, gnadenlos.” Dessen ist sich auch sein Hachinger Gegenüber bewusst. „Oft darf man auswärts nicht so auftreten wie wir in der der ersten Halbzeit”, analysiert der frühere Kölner Profi Ralph Hasenhüttl. „Aus welchen Gründen auch immer waren wir gar nicht auf dem Platz. Mit dem 0:0 sind wir heute sehr gut weggekommen.”
Worte, die durchaus Anerkennung für Fortuna ausdrücken. Worte aber auch, für die sie sich nichts kaufen kann. Schon gar nicht den Stürmer, den sie am Samstag so dringend benötigt hätte. Kenan Sahin ist dieser Stürmer nicht, denn ansonsten hätte er mindestens eine seiner vier glasklaren Chancen nutzen müssen. Für Deniz Kadah, der Lawarée so kurzfristig ersetzte, findet Meier eine aufmunternde Formulierung: „Er hat viele Bälle mit dem Kopf gut verlängert, war sehr bemüht.” Über Sahin sagt er nichts. Aber er nimmt ihn nach einer Stunde vom Platz.
Der neu verpflichtete Bruno Custos gibt wenig später noch sein Debüt, aber von diesem Nachmittag bleibt letztlich nur in Erinnerung, dass Fortuna zwei Punkte verschenkt hat. Nur 10.454 Zuschauer haben das live mitbekommen - die zweite Enttäuschung an diesem 23. August 2008.
STIMMEN ZUM SPIEL (gesammelt von Gernot Speck)
Ersatzkapitän Jens Langeneke: „Es wäre mehr drin gewesen. Das Chancenverhältnis spricht eine klare Sprache.”
Offensivkraft Ahmet Cebe: „In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt, in der zweiten etwas weniger gebracht. 90 Minuten lang kann man nicht so wie wir in den ersten 20 spielen.”
Stürmer Christian Erwig: „Ich stand nicht unter Druck, weil ich ja nichts mehr zu verlieren habe. Ich war schon davon ausgegangen zu spielen, als Axel Lawarée ausfiel. Das letzte längere Gespräch mit dem Trainer hatte ich am Anfang der Saison.”
Mittelfeldspieler Olivier Caillas: „Der Schiri hat schon sehr kleinlich gepfiffen. Aber ich kann mich ohnehin kaum an ein Spiel erinnern, in dem ich mal nicht gefährdet war. Generell verstehen sich die Schiris und ich uns schon. Manchmal gehe ich sogar mit einem Schiri einen trinken.”
Innenverteidiger Hamza Cakir: „Klar ist Axel Lawarée ein erfahrener Spieler, aber wir haben auch andere gute Leute. Mit meiner Verletzung hatte ich keine Probleme.”
Der verletzte Stürmer Axel Lawarée: „Jetzt werde ich erst mal behandelt und hoffe, schnell wieder fit zu werden.”
„Spontan-Stürmer” Deniz Kadah: „Eigentlich will ich meine eigene Leistung nicht beurteilen, aber ich hätte mehr machen müssen.”
Torhüter Michael Melka: „Dieses Spiel hätten wir im vergangenen Jahr noch verloren.”
Regisseur Marco Christ: „In der zweiten Hälfte hat der Schiri das Spiel kaputt gepfiffen.”
Zugang Bruno Custos: „Seit November hatte ich in Unterhaching keine Chance mehr, Trainer Hasenhüttl hat ein paar Akteure auf die Seite gelegt. Mein Einstand hier war okay. Die Mannschaft will aufsteigen, das will ich auch.”
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