Fortuna: Fortuna wählt ihre Zukunft
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 30.04.2008 - 07:52Am heutigen Mittwoch Abend bestimmen die Mitglieder Fortunas den neuen Aufsichtsrat. Die Wiederwahl des Gremiums-Vorsitzenden, Oberbürgermeister Joachim Erwin, gilt als sicher. Reiner Calmund sprang am Dienstag doch noch ab.
Wenigstens einmal in dieser Woche wird die sportliche Talfahrt Fortunas nur eine Nebenrolle spielen. Heute um 19 Uhr beginnt die Mitgliederversammlung (RP ONLINE hält Sie aktuell auf dem Laufenden) des Fußball-Regionalligisten - und dann stehen in der Aula der Heinrich-Heine-Gesamtschule die Wahlen zum Aufsichtsrat und natürlich die wirtschaftliche Lage des Klubs im Vordergrund.
Im Endspurt der Vorbereitungen bewies Reiner Calmund wieder einmal, dass er sich auf den Umgang mit Nahrungsmitteln versteht. Diesmal nach dem Motto „rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“: Am Dienstag um 14.46 Uhr ließ sich der frühere Manager des Bundesligisten Bayer Leverkusen doch noch von der Kandidatenliste für den Aufsichtsrat streichen.
„Ich hatte zwar zugesagt, mich im Notfall weiter zur Verfügung zu stellen“, sagte Calmund gestern der RP. „Als ich heute aber feststellte, dass es auch ohne mich neun Kandidaten für fünf Plätze gab, war dieser Notfall ja nicht mehr gegeben.“
Klare Favoriten bei den Wahlen sind Oberbürgermeister Joachim Erwin (derzeit Vorsitzender des Gremiums), Ex-LTU-Chef Jürgen Marbach und Dagmar Starke von der Fan-Organisation Supporters Club. Marcel Kronenberg und Michael Hahn als amtierende Mitglieder wetteifern mit neuen Kandidaten wie Wolfgang Stach oder Christoph Peters um die übrigen Plätze.
Zwei weitere Bewerber haben sich in erster Linie auf die Fahnen geschrieben, das hochbrisante Thema Sportwelt endlich in vernünftige Bahnen zu lenken: Rechtsanwalt Reinhold Ernst und Diplom-Kaufmann Ralf Wihr. Letzterer hat sein Programm sogar auf eine eigene Homepage (www.ralf-wihr.de) gestellt, verweist auf seine durchaus positiven Erfahrungen mit Sportwelt-Boss Michael Kölmel aus seiner Zeit als Marketingleiter bei Waldhof Mannheim: „Wenn man vernünftig miteinander umgeht, ist bei Kölmel etwas zu machen.“
In dieser Hinsicht verspricht sich der Wahlausschuss vor allem von Anwalt Ernst sehr viel - kein Wunder angesichts von mehr als sieben Millionen Euro, die Fortuna der Sportwelt schuldig ist.
Ob diese Summe, ebenso wie der um 1,5 Millionen Euro angestiegene Aufwand für die Lizenzabteilung (jetzt 5,5 Millionen), heute ausführlich genug zur Sprache kommt? Sascha Dücker, früherer Aufsichtsrats-Kandidat, bezweifelt es. „Wir werden wie immer drei Phänomene erleben“, meint Dücker. „Zuerst wird der Versammlungsleiter jeden Kritiker, der sich zu Wort meldet, als profilsüchtig bezeichnen, dann werden die älteren Herren in den ersten Reihen murren, man solle endlich mit der Meckerei aufhören. Nach diesem Silberrücken-Phänomen werden dann unliebsame Anträge ans Ende der Sitzung gedrängt - wenn alle nach Hause wollen…“
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