Fortuna: Fortunas Defensive patzt
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 23.01.2011 - 22:40Im Berliner Olympiastadion zeigt Fortuna ungewohnte Schnitzer in der Hintermannschaft. Besonders Torhüter Michael Melka erlaubt sich reihenweise Fehler und begünstigt so den 4:2-Sieg von Hertha BSC.
Der optische Auftritt war imposant: 3000 Fortuna-Fans tauchten die Südwest-Ecke des Berliner Olympiastadions in leuchtendes Rot und Weiß. Das erste Gastspiel des Düsseldorfer Fußball-Zweitligisten bei Hertha BSC im dritten Jahrtausend hatte einen massiven Exodus aus der Landeshauptstadt ausgelöst – begünstigt natürlich durch ein Sonderflug-Angebot des Fortuna-Sponsors Air Berlin. Auch stimmlich kämpfte der Gäste-Anhang tapfer gegen die blau-weiße Übermacht an, sportlich taten es ihm die Spieler auf dem Platz gleich. Letztlich allerdings vergeblich: Der turmhohe Favorit siegte 4:2.
Wer weiß jedoch, wie das Spiel gelaufen wäre, wenn beide Mannschaften auf der vielleicht wichtigsten Position im Fußball gleichstark besetzt gewesen wären? So parierte Herthas Torhüter Maikel Aerts in der wichtigsten Phase der Partie gefährliche Schüsse von Sascha Dum und Thomas Bröker, während Fortunas Keeper Michael Melka serienweise patzte – der entscheidende Unterschied.
„Das sah nicht sehr glücklich aus“, sagte selbst Trainer Norbert Meier, sonst mit Einzelkritik sehr zurückhaltend, zu Melkas kapitalem Bock in der 51. Minute, als er Nikita Rukavytsyas harmlosen Schuss aus spitzem Winkel im Netz einschlagen ließ. „Ich muss mir das allerdings in Ruhe im Fernsehen ansehen“, fügte Meier an. Selbst da wird er aber keinen Entlastungsbeweis finden.
Auf den Feldspieler-Positionen konnte es sich absolut sehen lassen, was Fortuna den 36.162 Zuschauern anbot. Vor allem in der Offensive, die sich nicht einmal durch die Gelb-Rote Karte gegen Kapitän Andreas Lambertz entmutigen ließ. Die Gäste stürmten weiter, drückten mit Macht auf das 3:3. Norbert Meier unterstützte das mit mutigen Maßnahmen: Er beorderte für die Schlussphase Innenverteidiger Assani Lukimya in die Angriffsspitze, verschaffte dem dänischen Zugang Ken Ilsø sein Debüt. Der erneute Ausgleich aber wollte nicht fallen.
„Die Düsseldorfer waren sehr, sehr stark und immer brandgefährlich“, betonte Herthas Trainer Markus Babbel. „Am Ende hatten wir das Glück auf unserer Seite.“ Das Glück, aber auch ungewohnte Fortuna-Schnitzer in der Defensive. Auf diese spielte Meier besonders an, als er analysierte: „Wir müssen uns in den kommenden Spielen in der Defensive wieder stabilisieren. Das ist unser Grundkapital, darauf müssen wir uns verlassen, denn wir wollen schließlich in dieser Liga bleiben.“
Daran freilich dürfte nach der ansprechenden Vorstellung beim Ligakrösus, zu der Kapitän Andreas Lambertz neben seinem Feldverweis auch zwei Treffer beisteuerte, bei aller Vorsicht kaum jemand ernsthaft zweifeln.
Hertha BSC Berlin - Fortuna 4:2 (1:1)
Hertha: Aerts - Lell, Hubnik, Neumann, Lewan Kobiaschwilli - Perdedaj (85. Morales) - Rukavytsya (89. Nico Schulz), Raffael, Ronny (74. Waleri Domowtschiski) - Lasogga, Ramos. - Trainer: Babbel.
Düsseldorf: Melka - Schwertfeger, Lukimya-Mulongoti, Langeneke, van den Bergh - Bodzek (65. Dum), Oliver Fink (83. Ilsö) - Zoundi (46. Ranisav Jovanovic), Rösler, Lambertz - Bröker. - Trainer: Meier
Schiedsrichter: Babak Rafati (Hannover)
Tore: 0:1 Lambertz (21.), 1:1 Ramos (29.), 2:1 Rukavytsya (51.), 2: 2 Lambertz (68.), 3:2 Lasogga (77.), 4:2 Ramos (90.+4)
Zuschauer: 36.162
Gelb-Rote Karte: Lambertz nach wiederholtem Foulspiel (84.)
Gelbe Karten: Perdedaj (3) - van den Bergh (2), Langeneke (7)
Torschüsse: 15:12
Ecken: 7:5
Ballbesitz: 56:44 Prozent
Fouls: 13:23
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