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Interview mit Sven Brux vom FC St. Pauli: Gedanken zur alternativen Fanszene

zuletzt aktualisiert: 04.01.2010 - 14:54

Immer dort, wo von Fan-Aktionen die Rede ist, stolpert man über die "alternative Fanszene". Sven Brux hat diese in den 80er Jahren beim FC St. Pauli mit geprägt. Heute ist er Organisatorischer Leiter des Vereins und beschreibt die "alternative Fanszene" aus seiner Sicht.

Sven Brux kommt aus der Fanszene des FC St. Pauli und ist nun Organisatorischer Leiter im Verein. Foto: privat

Vor einigen Wochen war Sven Brux in Düsseldorf zu Gast. Das Fanprojekt und unser Fanbeauftragter David Kurr hatten ihn eingeladen, damit er seine Einschätzung der alternativen Fanszene abgeben kann. In der Winterpause hat er sich Zeit genommen, um auch mir Frage und Antwort zu stehen.

Wie würdest du die "alternative Fanszene" definieren?

Sven Brux: Als der Begriff erstmals auftauchte, waren damit zweifellos jene Fans gemeint, die sich gegen den seinerzeit vorherrschenden Fan-Mainstream aus Rechtsradikalismus, Gewalt und dummem Suff aussprachen und entsprechend agierten. Die also zusätzliche Elemente wie (Selbst-) Ironie, Anti-Rassismus u.v.m. in die Fanszene einbrachten. Ob diese Leute heute noch immer alternativ sind oder wiederum einen neuen Mainstream bilden, sollen aber andere entscheiden.

Wann, wie und warum hat sich die alternative Fanszene gebildet?

Brux: Die ersten Anzeichen für gab es Mitte oder Ende der 80er Jahre beim FC St. Pauli, als sich im bewussten Gegensatz zum HSV viele Leute Gedanken darüber machten, dass es auch einen Fußball und eine Fanszene geben könnte, gar müsste, die ohne die damals gängigen und fast ausschließlich negativ besetzten Stereotypen auskommt. Sie gründeten die erste moderne Fanzeitung, den „Millerntor Roar!“, wuchsen und gediehen und waren Ansporn und positives Beispiel für viele ähnliche Gruppen bei anderen Vereinen.

Was kann sich die Szene auf die Fahnen schreiben?

Brux: Ich denke, wir haben dieser "alternativen Fanszene" durch deren Aktionen und Kampagnen, vor allem in den 90ern, zu verdanken, dass es in Deutschland überhaupt noch Stehplätze gibt, der Rechtsradikalismus in den Stadien weitgehend nicht mehr mit dem früherer Jahrzehnte zu vergleichen ist und dass die Mitsprachemöglichkeiten in den Vereinen und Verbänden erheblich angewachsen sind. Wo steht die Fanszene Deutschland?

Brux: Die Fanszenen in Deutschland werden fast überall von den Ultras beherrscht und von diesen repräsentiert. Da hat es einen Kulturwechsel gegeben, den man zu akzeptieren hat. Gut läuft: Es ist in den Stadien meist bunter und lauter als früher, wenngleich dies oft mit dem eigentlichen Spiel nicht mehr viel zu tun hat. Schlecht läuft, dass offensichtlich so manche Ultraszene ihre immer größeren Gruppen nicht mehr im Griff hat und gewaltaffine Teilgruppen immer mehr die Oberhand gewinnen. Wie geht die Entwicklung weiter?

Brux: Wenn die Fanszenen dieses Gewaltproblem nicht selbst in den Griff bekommen, dann werden die Hardliner in den Sicherheitsorganen die Oberhand gewinnen. Die dann folgenden Maßnahmen werden den Fußball weit über die Ultraszene hinaus nachhaltig verändern. Erste Vorschläge wurden ja bereits auf der Innenministerkonferenz in Bremen gemacht (Ausschluss von Gästefans, Abschaffung der Stehplätze etc.). Den traurigen Rest kann sich jeder selbst ausmalen ...

Das Interview führte Jennifer Töpperwein.

Quelle: jt

 
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