Fortuna: Gewinner „Welli“, Verlierer Christ
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 01.09.2010 - 08:05Bei der 1:2-Niederlage gegen Hertha BSC kämpften Fortunas Fußballer leidenschaftlich, machten aber viel zu viele Fehler. Während sich Torschütze Wellington ein Sonderlob des Trainers verdiente, wurde Regisseur Marco Christ zur Pause wegen schwacher Leistung ausgewechselt.
Wer ein wichtiges Auswärtsspiel 2:1 gewinnt, der windet dem unterlegenen Gegner gern ein paar verbale Kränze. André Mijatovic etwa, der Kapitän von Hertha BSC: „Ich habe schon vorher gesagt, dass es in Düsseldorf unser schwierigstes Spiel der Saison wird. Ich bin glücklich, dass wir es gewonnen haben.“ Oder der Trainer der Berliner, Markus Babbel: „Wir waren nicht die bessere Mannschaft, haben das 0:1 aus dem Nichts gemacht. Fortuna kam richtig stark auf.“
Schöne Worte, für die sich der Düsseldorfer Fußball-Zweitligist leider nichts kaufen kann. Schon gar keinen neuen Defensivspieler - dabei zeigten diverse Schnitzer in der Deckung, dass dies sehr wünschenswert gewesen wäre. Gut, dass gestern wenigstens Abwehrchef Jens Langeneke seinen Vertrag vorzeitig bis 2012 verlängerte. Er allein kann die Lücken, die letztlich entscheidend für Fortunas unnötige Niederlage waren, jedoch auch nicht schließen.
Die Probleme in den hinteren Regionen bilden nicht die einzige Baustelle für Trainer Norbert Meier. Eine weitere tut sich dort auf, wo alle Sorgen längst erledigt schienen - namentlich bei Regisseur Marco Christ. Der Franke war schon einmal das Sorgenkind, während der Aufstiegssaison 2008/09. Christ fand lange seine Form nicht, Meier warf ihn aus der Stammelf. Der hochtalentierte Techniker fühlte sich von allen Seiten ungerecht behandelt, was Monate später - Christ war dank seiner glänzenden Leistungen in der Rückrunde längst zum Aufstiegshelden avanciert - zu einer Brandrede seines Kumpels Robert Palikuca bei der Aufstiegsfeier führte. Tenor: Die Medien hätten Christ großes Unrecht getan.
Die aktuelle Situation ähnelt der damaligen frappierend. Wieder bleibt Marco Christ Lichtjahre hinter seinen Möglichkeiten zurück, wieder zieht er sich den Zorn seines Trainers zu. Auf die Frage, ob er den 29-Jährigen zur Pause gegen Hertha aus Verletzungsgründen ausgewechselt habe, antwortete Meier einsilbig: „Nein.“ Nachfragen konterte der Trainer schmallippig: „Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ Ohne Namen zu nennen, verteilte er aber einen deutlichen Seitenhieb: „Nicht alle haben so gespielt, wie ich mir das vorstelle.“
Ein Teamkollege Christs nutzte das Hertha-Spiel dagegen dazu, über seinen Schatten zu springen. Da wurde auch sein Trainer gleich gesprächiger: „Wellington hat enorm viel gearbeitet. Ich glaube, er kommt langsam.“ In der Tat bot der Brasilianer, zur Pause für den erneut völlig neben der Spur fahrenden Sándor Torghelle eingewechselt, seine bisher beste Leistung im Düsseldorfer Trikot. „Ein Sensations-Tor“, kommentierte Babbel staunend, und Meier ergänzte: „Der Treffer zum 1:2 ist richtig gut für Wellingtons Psyche und sein Selbstvertrauen.“
Die Partie als Ganzes analysierte der Düsseldorfer Coach zurückhaltend. „Die Mannschaft hat nach der Pause eine Reaktion gezeigt“, meinte er. „Aber ich warne davor zu sagen: Jetzt ist wieder alles gut. Wir haben verloren - das ist letztlich das, was bleibt.“
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