Fortuna: "Jetzt heißt es: Butter bei die Fische"
zuletzt aktualisiert: 18.06.2010 - 08:00Wolf Werner, Vorstandsmitglied und Manager des Fußball-Zweitligisten Fortuna, über den Vorbereitungsstart am Montag, seine Erwartungen an die Zugänge, verregnete Urlaube und die Weltmeisterschaft in Südafrika.
Herr Werner, auch ein Manager und Vorstandsmitglied eines Zweitligisten braucht mal Urlaub. Bei Ihnen waren es ganze fünf Tage – konnten Sie die wenigstens genießen?
Wolf Werner Es geht. Wir waren in unserem Haus in Wilhelmshaven, und dort hat es an dreien der fünf Tage in Strömen geregnet. Aber das kannte ich ja schon aus Österreich.
Was haben Sie dort gemacht?
Werner Ich habe mir einige Länderspiele von Mannschaften angesehen, die nicht an der WM teilnehmen, aber in Österreich im Trainingslager waren. Ich wollte mal schauen, ob jemand für Fortuna dabei ist.
Sind Sie fündig geworden?
Werner Wissen Sie, das ist gar nicht so einfach heutzutage. Berti Vogts zum Beispiel war mit Aserbaidschan dort. Er hat eine Mannschaft mit talentierten Jungs, aber die könnten Fortuna nicht sofort weiterhelfen. Und bei Mazedonien war einer dabei, aber der hat dann einen Fünf-Jahres-Vertrag bei Dynamo Kiew unterschrieben. Wir müssen erst mal so weit sein, dass wir einen solchen Transfer besser vorbereiten können, das geht nicht so schnell.
Am Montag um 14 Uhr geht es wieder los bei Fortuna, Norbert Meier bittet zum Trainingsauftakt. Spüren Sie Vorfreude?
Werner Es ist wie jedes Jahr: Ich freue mich auf die alten Gesichter, mit denen wir sehr erfolgreich waren, aber auch auf die neuen. Eine Blutauffrischung im Kader tut beiden Seiten gut. Und die Pause war diesmal wirklich lang genug.
Für Sie hätte sie also getrost etwas kürzer sein dürfen?
Werner Ja, aber vor allem für unseren Trainer. Er wurde schon ganz nervös. Und ausgerechnet jetzt hat er Probleme nach einer Zahn-OP. Aber das wird bis Montag wieder.
Fortuna hat bereits sechs Spieler neu verpflichtet, mehr als zum selben Zeitpunkt der Vorsaison. Mit wem von ihnen planen Sie als feste Größe, wer ist ein Wechsel auf die Zukunft?
Werner Es ist klar, dass wir mit den Spielern, die wir aus der Zweiten Liga geholt haben, mehr vorhaben. Von Sandor Torghelle hoffen wir schon, dass er eine Stammspieler-Position besetzt, und bei Thomas Bröker und Sascha Dum gilt dies ebenso. Von allen erhoffen wir uns aber auch noch eine Steigerung.
Und die Spieler, die aus der Dritten Liga kamen?
Werner Assani Lukimya-Mulongoti und Thiago Rockenbach da Silva waren in der Dritten Liga herausragend. Jetzt heißt es für sie: Butter bei die Fische! Wie der junge Maximilian Beister, den wir vom Hamburger SV II ausgeliehen haben, bekommen sie die Chance, sich in einer höheren Liga zu beweisen.
Auf welchen Positionen möchten Sie Fortuna jetzt noch verstärken?
Werner Wir suchen noch einen Innenverteidiger, einen "Sechser" für das Mittelfeld und einen Stürmer. Am besten gestandene Leute mit einer gewissen Vita. Soll heißen, die sich in der Zweiten Liga oder einen entsprechenden Spielklasse im Ausland bewährt haben.
Haben Sie schon einen oder mehrere Kandidaten im Visier?
Werner Es gab Gespräche mit zwei Innenverteidigern. Diese Jungs würden einen absoluten Konkurrenzkampf mit Lukimya und Jens Langeneke versprechen, aber die Sache ist noch offen.
Welchen Zeitrahmen haben Sie sich für Transfers gesetzt?
Werner Wir machen keine Hektik. Viele Bundesliga-Klubs haben noch gar nicht entschieden, was sie mit ihrem Kader anfangen. Es kann bis Ende Juli dauern, aber auch schnell gehen – wir schlagen zu, wenn sich die Gelegenheit bietet. Und ein Transfer muss natürlich in unseren finanziellen Rahmen passen. Den halten wir unbedingt ein.
Torsten Oehrl, den Fortuna in der Vorsaison von Werder Bremen ausgeliehen hatte, hat im FC Augsburg einen neuen Arbeitgeber gefunden, der nur knapp den Erstliga-Aufstieg verpasst hat. Hat Sie das überrascht?
Werner Einerseits schon ein wenig. Auf der anderen Seite war ich vorgewarnt. Ich hatte bei Augsburgs Manager Andreas Rettig wegen einer Trainings- und Gastspielerlaubnis für Sandor Torghelle angefragt – das schreiben die Regularien der DFL vor. Im Gegenzug fragte Rettig bei meinem Vorstandskollegen Paul Jäger wegen einer solchen Erlaubnis für Torsten Oehrl an.
Abschließend muss in diesen Tagen eine Frage zur WM kommen. Wie hat das Turnier Ihnen bisher gefallen?
Werner Um ehrlich zu sein, fand ich es sportlich bislang etwas enttäuschend. Ich habe den Eindruck, als ob alle Großen sagen: Erst mal locker durch die Vorrunde kommen, dann zeigen wir, was wir können.
Und die deutsche Nationalelf?
Werner Sie und die Argentinier haben im Grunde als einzige Mannschaften vernünftige Spiele abgeliefert. Die Euphorie hierzulande betrachte ich mit etwas Skepsis. Hätten die Australier einen besseren Torhüter im Kasten gehabt, wäre es nicht so einfach geworden.
Bernd Jolitz führte das Gespräch.
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