Fortuna: Land unter - Fans sauer
VON BERND JOLITZ UND GERNOT SPECK - zuletzt aktualisiert: 06.04.2008 - 23:54Nicht einmal zwei Stunden vor dem geplanten Spielbeginn wurde die Regionalliga-Partie von Fortuna beim VfB Lübeck abgesagt. Fußball spielen war auf der Seenplatte der Lohmühle nicht möglich, aber die späte Entscheidung verärgerte die vergeblich angereisten Anhänger.
Fortuna-Fan Dirk Gerbrecht geriet ganz schön ins Grübeln. Zwei Stunden vor dem geplanten Anpfiff von Düsseldorfs Regionalliga-Partie beim VfB Lübeck näherte er sich am Samstag schnellen Schrittes dem Lohmühlen-Stadion zusammen mit seinem Sohn Sebastian. Doch immer mehr Menschen kamen ihnen entgegen. Unerklärlich eigentlich. Um exakt 12.04 Uhr lieferte Schiedsrichter Marek Preuß aus Hamburg höchstpersönlich die Begründung: „Die Begegnung ist abgesagt. Es haben sich nach dem stundenlangen Regen knöcheltiefe Pfützen auf dem Rasen gebildet. Das Verletzungsrisiko für die Akteure ist zu groß.”
Gerbrecht und die weiteren rund 200 bis zu diesem Zeitpunkt angereisten Düsseldorfer Anhänger überzeugte das wenig: „Die Nachricht kommt viel zu spät. Zum Nachholtermin unter der Woche kann ich dann meinen Sohn sicherlich nicht mitnehmen.” Im Gespräch ist Mittwoch, 23. April. Am Samstag trösteten sich die Gerbrechts mit einheimischen Spezialitäten: „Wir gehen jetzt erstmal Marzipan kaufen.”
Während sich die ersten Zuschauer wieder auf dem Heimweg machten, trudelten immer mehr Fußballhungrige ein - um alsbald kehrt zu machen. Fortunas Akteuren selbst war zu dem Zeitpunkt die Nachricht längst zu Ohren gekommen. Co-Trainer Uwe Klein hatte sich bereits frühzeitig vom Mannschaftshotel in Travemünde Richtung Lohmühle aufgemacht. Denn bereits seit zehn Uhr war der einstige Rasen in einen rund 100 mal 65 Meter großen Swimmingpool verwandelt.
„Wir haben den Schiedsrichter direkt angerufen, damit er früher nach Lübeck kommt”, berichtete Lübecks Geschäftsführer Jürgen Springer. So gab der Unparteiische noch mehr Gas in seinem silbergrauen Audi, traf um 11.45 Uhr ein und kurz danach seine Entscheidung. Sehr zum Unmut von Andreas Hintz vom Fanklub „Fortuna Treu”. Der hatte eine Bussonderfahrt organisiert: „Sogar mit Übernachtung! 31 Anhänger sind dabei. Und das Hotel in Lübeck ist lange bezahlt. Ich bin sauer.” Nicht nur er.
Kurioserweise wusste Fortunas Akteur Ahmet Cebe vom Spielausfall früher als sein ehemaliger Mannschaftskollege und heutige Lübecker Giuseppe „Pino” Canale: „Plötzlich ruft mich Ahmet an und erzählt mir, dass die Partie abgesagt sei. Da war ich baff.” Dabei bereitete sich Canale sogar im Stadion auf die Partie vor, während Cebe derweil noch Kilometer entfernt im Hotel saß. „Schade, ich hätte gern gegen meinen Ex-Klub gespielt”, sagte der Belgier. „Gestern haben wir noch auf dem Platz trainiert, die Verhältnisse waren überragend.”
Seine Trainingskleidung durfte er aber doch noch anziehen, denn VfB-Trainer Uwe Fuchs schickte seine Kicker bei Lübecker Schnürlregen auf einen Nebenplatz zum Sondertraining. Währenddessen fuhr Fortunas Mannschaftsbus vor, um Zeugwart Aleks Spengler samt den bereits zusammengepackten Klamotten einzuladen. Dann ging es heim.
„Durch die Spielabsage kommen wir wieder aus dem Rhythmus”, sagte Düsseldorfs Trainer Norbert Meier. So muss er sich auf eine weitere „englische Woche” einstellen. Am Dienstag bereits steigt das Niederrhein-Pokalfinale gegen Essen (19.30 Uhr, MSV-Arena Duisburg), am Sonntag (14 Uhr, LTU-Arena) empfängt sein Team in der Regionalliga Rot-Weiß Oberhausen.
Da Lübeck am Freitag, 18. April, sein Meisterschaftsspiel gegen Dortmund II austrägt, zudem am Mittwoch, 30. April, ebenfalls eine Pokalaufgabe vor der Brust hat, bleibt als nächstmöglicher Nachholtermin lediglich Mittwoch, 23. April. Dirk Gerbrecht wird vielleicht dabei sein, sein Sohn schlechterdings nicht - am nächsten Tag ist Schule.
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