Fortuna: Mit Aufstiegschancen
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 15.01.2010 - 09:40Anderthalb Jahrzehnte sind ins Land gegangen, seit Fortuna Düsseldorf sich eine rauschende Doppelfeier bescherte. Pünktlich zum 100-jährigen Bestehen sicherte sich der Klub aus der Landeshauptstadt im Juni 1995 den Aufstieg in die Erste Fußball-Bundesliga.
Dass es anschließend schnell wieder bergab ging und Fortuna zwischenzeitlich sogar in der Viertklassigkeit landete, ahnte im Jubeltaumel von Chemnitz niemand.
Im Frühjahr 2010 könnte es wieder eine solche Doppelfeier geben - allerdings rund 400 Kilometer weiter nördlich. Diesmal wird der FC St. Pauli runde 100, am 15. Mai genau, und auch der mittlerweile salonfähig gewordene frühere Kiez-Klub könnte sich selbst mit dem Aufstieg in die Erste Liga beschenken. Derzeit sind die Hamburger Zweiter in der Zweiten Bundesliga, sechs Punkte hinter dem souveränen Tabellenführer 1.FC Kaiserslautern, immerhin aber auch drei vor dem Dritten Bielefeld.
Mit Lautern und Pauli sind die beiden großen Aufstiegsfavoriten genannt - aber die Liste der Kandidaten ist damit noch lange nicht komplett. Auch der MSV Duisburg steht darauf, der sich unter seinem neuen Trainer Milan Sasic langsam wieder herangepirscht hat an die Spitzenplätze. Wenn es am Sonntag mit dem Heimspiel gegen Abstiegskandidat FSV Frankfurt wieder losgeht, dann soll die große Aufholjagd beginnen.
Sasic’ Vorgänger Peter Neururer hatte die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen können. Unter anderem, weil das Verletzungspech die „Zebras“ arg heimsuchte - aber auch, weil der MSV den Weggang seines kamerunischen Torjägers Dorge Kouemaha nie recht verkraften konnte. Der Ex-Schalker Sören Larsen und - nach seiner Genesung - der frühere Münchner Sandro Wagner sollen das ändern.
Bereits am Freitag startet ein alter Westrivale der Duisburger in Paderborn in die Rückrunde: Fortuna Düsseldorf. Beinahe wie im Rausch sind die Rot-Weißen durch das Jahr 2009 geschwebt. Im Mai war der Wiederaufstieg ins deutsche Fußball-Unterhaus gelungen, vor mehr als 50.000 Zuschauern im ausverkauften letzten Drittligaspiel gegen Werder Bremen II. Es folgte eine Hinserie, die alle Erwartungen übertraf.
Vorübergehend führte Trainer Norbert Meier seine Truppe sogar auf den Relegationsplatz drei, doch selbst das Abrutschen auf Rang vier nach der 1:2-Niederlage im Rostocker Schnee schmälerte den Fortuna-Hype kein Stück.
„Wir wollen die Euphorie auch gar nicht bremsen“, sagt Meier. „Die Fans dürfen träumen, die Medien auch.“ Womit er zwischen den Zeilen sagt: Trainer und Spieler dürfen es nicht. Jedenfalls nicht öffentlich. Auffällig ist jedoch, dass Fortuna nach dem Aufstieg nie das Ziel „Klassenerhalt“ ausgab. Und Manager Wolf Werner sagt sogar: „Ich habe noch nie etwas von Minimalzielen gehalten.“
Dass die Düsseldorfer am Donnerstag Torsten Oehrl von der Ersatzbank des Erstligisten Bremen bis zum Saisonende ausliehen, ist ebenfalls ein klares Indiz dafür, dass Fortuna mindestens dort bleiben möchte, wo sie jetzt steht. Für Alemannia Aachen gilt das sicher nicht: Der ehemalige Aufstiegsfavorit ist als Elfter die Enttäuschung der Saison.
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