Fortuna: Palikuca reißt Fortuna mit
VON BERND JOLITZ UND GERNOT SPECK - zuletzt aktualisiert: 08.05.2008 - 23:59Innenverteidiger Robert Palikuca war die Symbolfigur für den Umschwung beim 2:1 in Emden. Dieser Sieg ist jedoch nur etwas wert, wenn die Düsseldorfer gegen Wolfsburg nachlegen - und Konstanz sind die Kicker bislang schuldig geblieben.
Die Regionalliga Nord ist die verrückteste Fußball-Liga Deutschlands - und Fortuna ist derzeit ihr verrücktester Verein. Wie soll man sich diese Achterbahnfahrt innerhalb von gerade einmal zwei Wochen nur erklären? Blutleer und intern zerstritten beim 1:3 in Lübeck und beim 1:5 in Ahlen, eiskalt in der Chancenverwertung beim 4:0 gegen Dortmund, mitreißend kämpfend dann beim 2:1 in Emden.
Sicher: Bei beiden Siegen bot Fortuna spielerisch keine umwerfende Vorstellung. Sie warf aber Qualitäten in die Waagschale, die man ihr nach den unsäglichen Pleiten zuvor einfach nicht zutrauen konnte.
„Fußball zu spielen war hier schlichtweg nicht möglich“, sagte Trainer Norbert Meier nach den hochemotionalen 90 Minuten von Emden. „Aber das sind alles Dinge, die wir vorher gewusst haben…“ Dinge wie die ungewöhnliche Bewässerungs-Technik der Kickers, die aus dem knüppelharten Geläuf des Embdena-Stadions ein sumpfähnliches Feuchtgebiet gezaubert hatten. Seltsamerweise nur auf beiden Außenbahnen, während die Mitte (über die die Kickers fast ausschließlich zu spielen pflegen) schön fest blieb. Die offizielle Version - ein geplatzter Schlauch - kam in Fortuna-Kreisen in etwa so glaubwürdig an wie das Märchen vom Froschkönig.
Sollten die Emder tatsächlich bewusst am Wasserhahn gedreht haben, um den gern schnell über außen kombinierenden Düsseldorfern die Lust zu nehmen, so ging dieser Schuss nach hinten los. Das Schlammwaten ließ die Gastgeber immer müder werden, während Fortuna von Minute zu Minute mehr Druck machte. „Wir haben uns gewehrt“, sagte Meier. Exakt - und das war der entscheidende Unterschied zu den Vorwochen.
Symbolfigur für den Umschwung war Robert Palikuca. Nicht nur, weil der Innenverteidiger mit einem herrlichen Kopfball fünf Minuten vor dem Ende den Siegtreffer erzielte. Mehr noch, weil „Pali“ die Mannschaft zur Halbzeit förmlich wachschrie, seine Kollegen auch auf dem Platz permanent antrieb. „Ich wusste, dass wir das Ding noch drehen“, versicherte der 29-Jährige. „Emden ist eine Scheißtruppe, hat nur provoziert. Es kann nicht sein, dass man so ein Spiel gewinnt.“
Fortuna hat dank Palikucas Treffer wieder alle Möglichkeiten. Allerdings nur, wenn der große Fight von Emden keine Eintagsfliege war. Fällt sie am Samstag (14 Uhr, LTU-Arena) gegen Wolfsburg II in die Verfassung von Lübeck und Ahlen zurück, droht selbst gegen das Schlusslicht Böses. Den Beweis, konstant an einem Strang ziehen zu können, haben Fortunas Spieler noch nicht erbracht.
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