Fortuna: Spitzenvereine müssen nacharbeiten
VON MATTHIAS ROSCHER, ANDRE SCHAHIDI UND JÖRN TÜFFERS - zuletzt aktualisiert: 19.02.2009 - 09:52Im Beirat der Sportagentur gab es keine Klarheit darüber, wie die Stadt den klammen Sportlern helfen kann. Friedrich G. Conzen (CDU) übt Kritik an Fortuna-Spielern, die den Ball „lustlos über den Rasen schieben“. Günter Karen-Jungen (Grüne) forderte vor dem Treffen externe Prüfer.
Dienstag traten die Fußballer von Fortuna, die Eishockey-Cracks der DEG Metro Stars, die Basketballer der Giants und die Handballer der HSG zur ersten Etappe an. Wie viele sie auf dem Weg zur dauerhaften Absicherung ihrer finanziellen Lage noch zurücklegen müssen, war Dienstagabend unklar. Mittwoch will Oberbürgermeister Dirk Elbers bekanntgeben, ob und wenn ja, mit welchen Finanzspritzen die Topvereine rechnen können. Ein Teilnehmer bezeichnete die Gespräche als „konstruktiv und atmosphärisch okay“.
Die politisch Verantwortlichen haben die Erwartungen hoch aufgehängt. Wie hoch, zeigt eine Aussage von CDU-Fraktionschef Friedrich G. Conzen von gestern. Für ihn, der in Düsseldorf seit jeher zu den sportlich Interessierten gehört, sind manche Konstruktionen in der Vereinsstruktur der Fortuna schlichtweg nicht zu durchschauen. Folglich fordert Conzen „Klarheit bis in die untersten Gliederungen“, ehe er seine Hand dafür hebt, dass dem Proficlub unter die Arme gegriffen wird.
„Ich erwarte tragfähige Konzepte, die bei wohlwollender Prüfung dauerhaft Bestand haben“, sagt Conzen. Abgesehen davon, dass solche Selbstverständlichkeiten für ihn in der Vergangenheit offensichtlich zu kurz gekommen sind, gibt es für den CDU-Politiker in wirtschaftlich schlechten Zeiten auch eine moralische Komponente: „Auch in unserer Stadt verlieren viele Menschen ihre Arbeitsplätze. Da habe ich keine Lust mehr, dass ich montags hören oder lesen muss, wie lustlos die Kicker wieder mal den Ball über den Rasen geschoben haben.“
Schon im Vorfeld der gestrigen Beiratssitzung hatte auch Oberbürgermeister Dirk Elbers klargestellt, dass die Fortuna mit der gewünschten Bürgschaft in Höhe von 800.000 Euro keinesfalls rechnen kann.
Einen ähnlich schweren Stand hat die DEG, die mit der Stadt über den Verkauf von LED-Panels für Werbezwecke und einer Mietpreisreduzierung für den ISS Dome ins Geschäft kommen will.
Die Rede ist von einer knappen Million Euro. Elbers und Conzen wollen sich die Verantwortung für den Zuschauerrückgang des Eishockey-Vereins nicht in die Schuhe schieben lassen.
Nicht die bisher fehlende Straßenbahnverbindung zum Dome habe daran Schuld, sondern eher die unverständliche Liga-Entscheidung, nach der kein Verein mehr ab- oder aufsteigen könne. „Das nimmt den Spielen auf Dauer die Spannung“, sagen beide.
Auch FDP-Sportpolitikerin Monika Lehmhaus lehnte es vor der Beiratssitzung der Sportagentur ab, den Spitzenclubs einen Blankoscheck auszustellen. Zum einen müsse die Stadt selber den Gürtel engel schnallen und Investitionen genau abwägen. Zum anderen vermisst sie klare Aussagen der Verantwortlichen bei den Vereinen zum Breitensport und zur Jugendarbeit.
„Ich habe etwas gegen Starallüren beispielsweise bei Fußballern. Die meinen, es sei damit getan, ihren Fans Autogramme zu geben. Ich finde, sie müssen der Stadt etwas zurückgeben.“ Ihrer Ansicht nach sind die Topvereine in der Stadt zu wenig präsent.
Die Grünen wollen Sicherheiten von Fortuna, den Metro Stars, Giants und HSG. Günter Karen-Jungen wollte deshalb einer Finanzspritze nur dann zustimmen, wenn externe Wirtschaftsprüfer die Vereinsaktivitäten durchleuchten. „Wir fordern absolute Transparenz“, sagte der Sportexperte der Grünen vor der vierstündigen Sitzung. Wenn es denn Geld von der Stadt gebe, könne dies nur sein, um kurzfristig Lücken zu schließen. Dies dürfe nicht über diese Saison hinaus gehen.
Die Vertreter der Sportvereine haben sich gestern in seltener Geschlossenheit einen Maulkorb auferlegt. Nach der Berichterstattung der vergangenen Tage befürchten sie, dass weitere Äußerungen zu Finanzproblemen dazu führen können, dass ihnen die Politik den Geldhahn zudreht.
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