Düsseldorf - Frankfurt 1:1: Umstrittener Foul-Elfmeter rettet Fortuna
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 13.02.2012 - 22:10Düsseldorf (RP). Ein lange Zeit enttäuschendes Spitzenspiel der 2. Bundesliga endete mit einem Finale furioso. Mit einem Elfmeter in der Nachspielzeit glich Jens Langeneke für Fortuna Düsseldorf zum 1:1 gegen Eintracht Frankfurt aus – ausgerechnet mit einem Foulelfmeter, nachdem Eintracht-Trainer Armin Veh eine Woche lang gegen die angebliche "Fallsucht“ der Düsseldorfer gewettert hatte.
Linienrichter Jan Hendrik Salver zeigte ein Foul von Anderson am eingewechselten Düsseldorfer Timo Furuholm an, nachdem Schiedsrichter Felix Brych zunächst hatte weiterspielen lassen. Es blieb beim 1:1, das Fortuna die Tabellenführung rettete – und es gab noch einen handfesten Eklat. Fortunas Sascha Rösler, Vehs Hauptziel dieser Woche, lief provozierend auf den Coach zu, sah dafür Gelb-Rot. Veh, der völlig unbeherrscht zurückkeilte, wurde zu Recht auf die Tribüne geschickt.
Frankfurter Fans brennen Feuerwerk ab
Es war das reinste Feuerwerk – allerdings nur im Fanblock der Frankfurter Eintracht. Dort schienen so einige vergessen zu haben, dass Silvester bereits einige Wochen her ist, und zündeten bengalische Feuer, Kanonenschläge und Rauchbomben, was das Zeug hielt. Brych wartete deshalb fünf Minuten mit dem Anpfiff, was freilich immer noch nicht genügte, um die Rauchschwaden aus der Arena abziehen zu lassen. Nun rächte sich der gute Wille, den der Münchner Referee den Zuschauern entgegengebracht hatte: Brych gestattete, das Stadiondach geschlossen zu lassen, damit die Kälte draußen blieb. Dafür blieb der Qualm drinnen.
Hallo Herr Langeneke! Glückwunsch zu dem Punktgewinn.! Geht das 1:1 in Ordnung?
Jens Langeneke Für uns ist das Unentschieden wegen des späten Ausgleichs glücklich. Insgesamt ist es aber leistungsgerecht. Unmittelbar vor dem 0:1 hatten wir auch eine Riesenchance.
War der Elfmeter berechtigt?
Langeneke: Dazu kann ich nichts sagen, den habe ich noch nicht im Fernsehen gesehen.
Wie finden Sie, dass Sascha Rösler jubelnd vor die Frankfurter Bank gerutscht ist?
Langeneke: Auch das habe ich nicht gesehen. Anders betrachtet: Ich finde es nicht in Ordnung, dass der Frankfurter Trainer vor dem Spiel, so eine Stimmung gegen Sascha gemacht hat, so derbe gegen ihn vorgeht. Dass es für Sascha nun so teuer wird und er nach der Roten Karte nun erst einmal gesperrt ist, ist die Kehrseite der Medaille. Aber ich mache Sascha überhaupt keinen Vorwurf für die Aktion.
Auf ein fußballerisches Feuerwerk auf dem Rasen warteten die Besucher 45 Minuten lang vergeblich. Die Eintracht zeigte eine Viertelstunde lang die klarere Spielanlage, während Fortuna es immer wieder mit langen Bällen probierte – nur ist das überhaupt nicht ihr Spiel. Je länger die Partie dauerte, desto mehr verschwanden jedoch auch diese kleinen Unterschiede, weil nun auch das Spielniveau der Gäste verflachte.
Die Folge war ein zähes Stück Fußball, was der Düsseldorfer Cheftrainer Norbert Meier irgendwie schon ein bisschen befürchtet hatte. "Ich freue mich sehr auf dieses Spiel", hatte der 53-Jährige vorab gesagt, "ich hoffe nur, dass es auch hält, was wir alle uns davon versprechen. Das ist ja bei sogenannten Spitzenspielen leider nicht immer der Fall."
Ein wahres Wort. In der Arena herrschte mehr und mehr Langeweile, nur unterbrochen von jeweils einer dürftigen Torchance auf jeder Seite. Zunächst rauschten Alex Meier und Karim Matmour einträchtig an einer Benjamin-Köhler-Flanke vorbei, kurz darauf ließ ein Zuspiel von Sascha Dum plötzlich Maximilian Beister frei vor Entracht-Keeper Oka Nikolov auftauchen. Das war’s aber auch schon in Hälfte eins, weil beide Mannschaften im übergroßen Respekt voreinander erstarrten.
Wesentliches änderte sich daran auch nach dem Wechsel nicht. Weite Teile des Geschehens spielten sich auf etwa 40 Meter Breite im Mittelfeld ab, konzentrierte und vor allem mutige Angriffe blieben die Ausnahme. Matmour scheiterte mit einer guten Chance an Fortuna-Schlussmann Michael Ratajczak, Adam Matuschyk mit einem Kracher aus der Distanz an Nikolov.
Einer der ganz seltenen genialen Momente des Abends leitete dann das Finale ein. Meier hatte ihn, als er mit gütiger Hilfe der Düsseldorfer Deckung Köhler freispielte. Der Mittelfeldmann traf zum 0:1 und damit hinein ins rheinische Fußball-Herz. Der späte Ausgleich rettete die Stimmung des Anhangs, die Frankfurter machten da weiter, wo sie vor der Partie aufgehört hatten – mit Knallkörpern und Bengalos.
Statistik
Düsseldorf: Ratajczak - Levels, Lukimya-Mulongoti, Langeneke, Dum - Matuschyk (72. Ilsö), Bodzek (82. Furuholm) - Bröker (81. Ranisav Jovanovic), Oliver Fink - Beister, Rösler. - Trainer: Meier
Frankfurt: Nikolov - Jung, Anderson, Schildenfeld, Butscher - Rode, Lehmann - Matmour, Meier, Köhler (81. Kittel) - Hoffer (83. Idrissou). - Trainer: Veh
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München) Tore: 0:1 Köhler (69.), 1:1 Langeneke (90.+1, Elfmeter)
Zuschauer: 41.213
Gelb-Rote Karten: Rösler (90.+3)
Gelbe Karten: Köhler (4), Schildenfeld (3), Matmour (3)
Torschüsse: 19:14
Ecken: 5:2
Ballbesitz: 52:48 Prozent
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