Fortuna: Verrückte Spielklasse auf der Zielgeraden
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 14.02.2008 - 00:43Im achten und letzten Lebensjahr der Fußball-Regionalliga Nord hatte noch niemand gegen den Ball getreten, Spieler und Fans räkelten sich noch im Sommerurlaub. Und dennoch war schon in diesen seligen Sommerwochen des Jahres 2007 den meisten interessierten Beobachtern klar, dass es keine ganz normale Saison werden würde.
Hauen und Stechen ist nun einmal programmiert, wenn man aus zwei Staffeln und 37 Klubs eine eingleisige Dritte Liga mit nur noch 20 Mannschaften bilden möchte.
Einen Tag vor dem Start in die zweite Saisonhälfte lässt sich sagen: Die Regionalliga Nord hat die Erwartungen vollauf erfüllt. Vielleicht hat es nicht ganz den irrwitzigen Kaufrausch auf dem Transfermarkt gegeben, den viele für die Winterpause vorausgesagt hatten. Die Furcht der Vereine, den sportlich wie wirtschaftlich so wichtigen zehnten Platz womöglich zu verpassen und somit in die Viertklassigkeit zu stürzen, hat jedoch frühzeitig andere klassische Panikreaktionen ausgelöst: Bereits im September entließ Dynamo Dresden seinen Chefcoach Norbert Meier. Trainerentlassungen in Wolfsburg, Lübeck und Magdeburg folgten.
Dennoch würde kaum jemand große Worte darüber verlieren, hätte nicht Fortuna Düsseldorf - ausgerechnet am närrischen 11.11. - eine neue Dimension der Fußball-Kuriositäten eröffnet. Die Düsseldorfer entließen, auf Platz drei stehend, ihren Trainer Uwe Weidemann - weil der Klubführung der gebotene Fußball nicht schön genug war. Tatsächlich dokumentierte Fortuna mit diesem Schritt eindeutig, dass das offiziell ausgegebene Saisonziel „sichere Qualifikation für die Dritte Liga“ nicht das Papier wert war, auf dem es geschrieben stand. Aufstieg und sonst nichts - so heißt es nun bei Fortuna.
Am ersten Spieltag 2008 erwartet das Team aus der Landeshauptstadt, inzwischen vom in Dresden geschassten Norbert Meier trainiert, am Samstag gleich Tabellenführer WuppertalerSV. Ein West-Derby mit Knalleffekt, denn der WSV toppte in der vergangenen Woche noch den Düsseldorfer Trainer-Wahnsinn. Chefcoach Wolfgang Jerat musste als Spitzenreiter gehen, nachdem er sich bereits fast die gesamte Hinrunde über mit dem allgewaltigen Klubchef Friedhelm Runge herzhaft gefetzt hatte.
Da fast zeitgleich Pavel Dotchev beim Tabellenzweiten Rot-Weiß Erfurt die Brocken hinwarf und nun lieber Zweitliga-Abstiegsaspirant Paderborn trainiert, gehen drei der sechs führenden Regionalliga-Teams mit neuen Übungsleitern auf die Zielgerade. Wenn jemand noch Zweifel am Grad der Verrücktheit dieser Liga hatte - sie dürften damit ausgeräumt sein.
Wenn der Sechste Düsseldorf am Samstag auf den Ersten Wuppertal (nun mit Trainer Wolfgang Frank) trifft, gibt es aber auch auf den Rängen Ungewöhnliches. Obwohl die Gastgeber mit Vorbereitungs-Siegen gegen die Erstligisten Bremen und Dortmund sowie Zweitliga-Spitzenreiter Mönchengladbach beste Werbung machten, werden sich in der Arena nur 15000 Zuschauer verlieren.
Schuld sind die Düsseldorfer selbst, genauer gesagt der unbelehrbare Teil ihres Anhangs. Der inszenierte am letzten Spieltag des alten Jahres in Essen ein Leuchtraketen-Feuerwerk, das der DFB mit der Zuschauerbegrenzung fürs WSV-Spiel bestrafte. Fortuna gehen so rund 200000 Euro Einnahme verloren - ein herber Rückschlag für den chronisch finanzschwachen Klub.
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