Fortuna Düsseldorf: Volle Power gegen den Liga-Krösus
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 13.02.2012 - 12:00Düsseldorf (RPO). Eine Entscheidung über den Aufstieg in die Bundesliga fällt heute Abend noch nicht. Wohl aber könnten im Duell der Düsseldorfer Fortuna mit Eintracht Frankfurt (20.15 Uhr/Live-Ticker) wichtige Weichen gestellt werden. Im Hinspiel hatte Norbert Meiers Mannschaft den großen Favoriten aus Hessen am Rande einer Niederlage.
Der Theaterdonner aus Frankfurt ist verhallt, heute Abend wird endlich der Vorhang aufgezogen: Scheinwerfer an für das Gipfeltreffen der 2. Bundesliga zwischen Fortuna Düsseldorf und Eintracht Frankfurt! Natürlich wird heute in der Stockumer Arena noch keine Entscheidung darüber fallen, wer am 6. Mai den Aufstieg ins deutsche Oberhaus feiern darf und wer am Ende leer ausgeht. Es ist aber genau die Sorte Spiel, in der man sich genug Selbstvertrauen für den gesamten, langen Liga- Endspurt holen kann.
Ginge es allein nach den Zahlen, hätte Fortuna gegen den Krösus der Spielklasse überhaupt nichts zu bestellen. 7,5 Millionen Euro beträgt der Jahresetat der Düsseldorfer, Bundesliga-Absteiger Eintracht wurde zu Saisonbeginn auf etwa 19 Millionen geschätzt. Diese Zahl dürfte sich inzwischen allerdings noch weiter nach oben verändert haben, denn die Hessen haben im Laufe der Vorrunde den früheren Gladbacher Mo Idrissou, in der Winterpause dann noch die Erstliga-Profi s Martin Amedick (Kaiserslautern) und Heiko Butscher (Freiburg) nachverpfl ichtet. Trotz des Abgangs von Torjäger Theofanis Gekas in die Türkei hat sich somit das Zahlenniveau weiter angehoben.
Geld schießt noch keine Tore
Fortunas Glück bei dieser Rechnung ist: Noch schießt Geld keine Tore. Oder anders gesagt: Gerade in der Zweiten Liga hat sich, zumindest im direkten Duell, schon häufiger der "Underdog" gegen den Favoriten durchgesetzt.
Im Hinspiel wäre es schon fast so weit gewesen, als die Mannschaft von Trainer Norbert Meier nach dem Ausgleich durch Maximilian Beisters Linksschuss dem Sieg näher war als die Eintracht. Einige unglückliche Entscheidungen des Ingolstädter Schiedsrichters Robert Hartmann, der den Düsseldorfern nach Fouls von Gordon Schildenfeld an Thomas Bröker sowie Anderson an Beister zwei klare Elfmeter verweigerte, kosteten den groß auftrumpfenden Außenseiter den verdienten Erfolg, so dass es beim 1:1 blieb.
Interessant, dass nun im Vorfeld der Partie ausgerechnet Frankfurts Trainer Armin Veh eine öffentliche Diskussion darüber anzettelte, dass Fortuna angeblich etliche Elfmeter herausschinde und überhaupt zu theatralisch agiere. Er wünsche sich einen guten Schiedsrichter für diese Partie, was seinen – insgesamt sehr gelassen reagierenden – Düsseldorfer Amtskollegen Meier nur zu der Replik anregte: "Ich wünsche mir eigentlich immer einen guten Schiedsrichter." Nicht überliefert ist, ob Veh einen jener – in dieser Saison mehrfach anzutreffenden – Referees meint, der bei Frankfurter Ligapartien bis zu 96 Minuten spielen lässt, ehe der Eintracht ein entscheidender Treffer gelingt.
Doch ganz gleich, wie die Partie ausgeht – die Fortuna- Euphorie in Düsseldorf wird auch hinterher noch leben. Sie ist gewachsen aus der bitteren Zeit, als die Düsseldorfer in den Niederungen der Viertklassigkeit herumkrebsten und gegen die Zweitvertretungen ihrer Nachbarklubs um Punkte spielen mussten: MSV Duisburg II, Borussia Mönchengladbach II, 1. FC Köln II und Bayer Leverkusen II. Damals gründete sich eine neue, ausgesprochen treue Fanszene, die heute den Kern der Anhängerschaft in der Arena bildet.
"Der Aufstieg ist kein Muss"
Der Schulterschluss zwischen diesen treuen Fans und der Mannschaft ist so eng, dass er auch kleinere Krisen – wie in der vergangenen Saison erlebt – überdauert. Dennoch ist in der Landeshauptstadt der Hunger nach Erfolgen, die Sehnsucht nach einer Rückkehr in die Bundesliga groß. 1997 kickte Fortuna zum bislang letzten Male in der Eliteklasse. Fünfzehn Jahre später soll der Sprung nun wieder gelingen.
"Der Aufstieg ist kein Muss“, betont der Vorstandsvorsitzende Peter Frymuth, und im Gegensatz zum heutigen Gegner könnte Fortuna ein weiteres Jahr in der Zweiten Liga wirtschaftlich bestens überstehen. Gerade das ist jedoch ein dickes Plus im Aufstiegskampf: Die Düsseldorfer haben den Spaß am attraktiven Offensivfußball Marke Norbert Meier, den Druck haben die anderen. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um in der entscheidenden Phase der Saison die Nase vorn zu haben. Heute Abend gegen Liga-Krösus Eintracht Frankfurt kann der Grundstein dazu gelegt werden.
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