Fortuna: Weidemänner auf St. Pauli chancenlos
VON FALK JANNING - zuletzt aktualisiert: 12.05.2007 - 15:29Fortuna Düsseldorf verliert nach einem nur halbherzigen Auftritt beim Tabellenführer FC St. Pauli völlig verdient mit 0:2 (0:1) und gerät zunehmend in Abstiegsgefahr: Sollte Borussia Dortmund II am Sonntag ein Sieg gelingen, wären die Abstiegsplätze drei Spieltage vor Saisonende nur noch vier Zähler entfernt.
Den Gastgebern reichte in einer mäßigen und von vielen Fehlen geprägten Partie eine nur durchschnittliche, aber taktisch disziplinierte Leistung, um die Serie von zuletzt sechs Heimsiegen in Folge ohne Gegentor um einen weiteren Erfolg zu verlängern. Die Truppe von Holger Stanislawski war dabei optisch nicht besser. Aber sie stand in der Abwehr bombensicher und nutzte zwei von nur drei Möglichkeiten zu den beiden Treffern. Die Kiez-Truppe profitierte dabei von zwei krassen Schnitzern der Düsseldorfer Abwehr.
Die Verunsicherung war bei den Düsseldorfern förmlich spürbar und zog sich durch alle Mannschaftsteile. Auch Torsteher Kenneth Kronholm war davon nicht ausgenommen und zeigte wie in der Vorwoche Schwächen bei den Abschlägen. Bezeichnend waren die Fehler, die zu den Gegentreffern führten. Vor dem ersten Gegentor patzte Hamza Cakir, der das Leder nach einer Ecke im Zweikampf mit Thomas Meggle leichtfertig verlor.
Vor dem 0:2 verlängerte Innenverteidiger Oliver Barth einen weiten Freistoß der Hamburger unglücklich auf den in die Lücke startenden Marvin Braun. Der Paulianer lief ein paar Schritte und hatte völlig freistehend vor Kronholm keine Mühe, das Leder zum alles entscheidenden 2:0 zu verwandeln. Den Fortuna-Torsteher hatte zuvor der Mut zum Herauslaufen verlassen. Er machte zunächst den ersten Schritt, trat dann aber den Rückzug an.
Fortuna spielte im seit Wochen ausverkauften Stadion am Millerntor zwar ganz gefällig, gestattete den Hamburgern aus dem Spiel heraus keine einzige Torchance und zeigte im Mittelfeld einige gekonnte Kombinationen, doch im Angriff fehlte es erneut deutlich an Durchschlagskraft.
Für die Düsseldorfer sprang während der gesamten 90 Minuten lediglich eine echte Einschussmöglichkeit heraus: Ahmet Cebe hatte sich auf halbrechts durchgetankt und tauchte aus spitzem Winkel vor Patrik Borger auf. Statt den besser postierten Marcus Feinbier in der Mitte zu bedienen, versuchte Cebe den Pauli-Keeper zu tunneln und scheiterte dabei (56). Das wäre das 1:1 und die mögliche Wende gewesen.
Wenig später machte St. Pauli mit dem zweiten Treffer den Sack zu und verwaltete dann zur Freude der ausgelassenen Partygemeinde auf den Rängen souverän das Ergebnis. Das Spiel plätscherte bis zum Schlusspfiff ohne weitere große Höhepunkte dahin.
Für Fortunas Kicker war es der Beginn des Abstiegskampfes. Mindestens ein Sieg aus den verbleibenden drei Partien gegen den starken HSV II, beim direkten Konkurrenten Kiel und gegen Gladbach II fehlt den Weidemännern noch zum Klassenerhalt. Manager Wolf Werner gab sich dabei optimistisch: Einen Mangel an Nerven im Abstiegskampf befürchte er nicht. „Wir haben doch sehr gute Fußballer. Sie haben nur wieder einmal schlampig und ohne Zuordnung gespielt..“
Na dann sind die Fortuna-Fans ja beruhigt...
STATISTIK ZUM SPIEL
FC St. Pauli - Fortuna Düsseldorf 2:0 (1:0)
FC St. Pauli: 1 Patrik Borger - 24 Carsten Rothenbach, 14 Marcel Eger, 4 Fabio Morena, 3 Ian Paul Joy (79. Michél Mazingu-Dinzey) - 10 Thomas Meggle, 17 Fabian Boll - 12 Timo Schultz (62. Bruns), 13 Charles Takyi - 7 Marvin Braun, 9 Daniel Stendel (71. Ahmet Kuru). Auf der Bank: 31 Benmedikt Pliquett, 6 Michel Mazingui-Dinzey, 8 Florian Bruns, 18 Jan-Philipp Kalla, 23 Ahmet Kuru, 26 Morike Sako, 27 Jeton Arifi. Trainer: Holger Stanislawski.
Fortuna: 1 Kenneth Kronholm - 5 Henri Heeren, 6 Oliver Barth, 18 Erdal Eraslan, 16 David Krecidlo (46. Jörg Albertz) - 4 Robert Palikuca, Hamza Cakir, 30 Markus Anfang, Sebastian Kneißl (65. Denis Wolf), 15 Ahmet Cebe - 10 Marcus Feinbier. Auf der Bank: 33 Patrick Nettekoven, 13 Jens Langeneke, 8 Jörg Albertz, 14 Tim Kruse, 11 Denis Wolf, 19 Ivan Pusic, 20 Marcel Podszus. Trainer: Uwe Weidemann.
Zuschauer: 15.478.
Schiedsrichter: Claus Fischer (Hemer).
Gelb: T. Schultz, Takyi - Anfang, Cebe, Krecidlo, Cakir
Tore: 1:0 (29.) Thomas Meggle, 2:0 (70.) Marvin Braun.
STIMMEN ZUM SPIEL
Uwe Weidemann: “Drei Chancen, zwei Tore. So effektiv spielt ein Aufsteiger.“
Wolf Werner: „Wir produzieren zu wenig Torgefahr. Der Ball zirkuliert ganz wunderbar, aber es fehlt der krönende Abschluss. Bei den Gegentoren standen wir Spalier.“
Holger Stanislawski: "Es war ein schwaches Spiel mit vielen Fehlpässen. Es war ein Sieg der Disziplin und des Engagements. Für uns zählen nur die drei Punkte."
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