Fortuna: Wettmafia verzockte sich bei Fortunaspiel
VON GEORG AMEND UND GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 27.08.2010 - 08:04Im Internet-Videoportal Youtube finden sich gleich eine ganze Reihe lustiger Filmchen. Zu sehen sind darin tollpatschige Kerle, die auf mehr und minder skurrile Weise den Ball ins Tor stolpern. Man fängt herzhaft an zu lachen, wenn man so viel vermeintliche Talentfreiheit am Bildschirm bewundert.
Nun stellt sich heraus, dass die dort handelnden Personen vielleicht doch ziemlich viel von ihrem Handwerk verstehen. Manche haben sich womöglich für das Schauspiel bezahlen lassen.
Die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Bochum hat jetzt Anklage gegen zwei mutmaßliche Drahtzieher der sogenannten Wett-Mafia erhoben. Ab voraussichtlich Ende September müssen sich der 35-jährige Nürettin G. und der 55-jährige Tuna A. aus Mönchengladbach, der nach Informationen dieser Zeitung in Düsseldorf ein Wettbüro betrieben hat, verantworten. Bei einer Verurteilung drohen ihnen zwischen vier und sechs Jahren Haft. Sie sollen gemeinsame Sache unter anderem mit dem Berliner Ante Sapina gemacht haben, der auch schon bei dem Wettskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer zu den Strippenziehern gehörte.
Nun geht es um insgesamt 24 Fälle - zehn Fußballspiele in Deutschland und 14 weitere Partien in Slowenien, Ungarn und Belgien. Die Behörde hat sich offenbar nur auf einen kleinen Teil der untersuchten Spiele beschränkt, weit mehr stehen unter dem Verdacht, europaweit verschoben worden zu sein.
Nicht immer haben die geplanten Manipulationen in der Praxis funktioniert. Dazu zählt eine Partie mit Beteiligung von Fortuna Düsseldorf. In der Regionalliga am 22. April 2008 beim VfB Lübeck sollten eigentlich die Gäste gewinnen. Das hatte zumindest ein Gesandter der Angeklagten so mit Akteuren des VfB besprochen, die angeblich rund 10 000 Euro für ihre Dienste erhalten sollten. Die Kriminellen waren sich ihrer Sache sicher und setzten 50 000 Euro auf Düsseldorf. Der Plan ging indes nicht auf. Lübeck gewann mit 3:1. Dass diese Partie überhaupt in den Fokus der Ermittler geraten ist, überraschte Fortunas Vorstandsvorsitzenden Peter Frymuth. Er sei „kolossal erschrocken“, sagte Frymuth, fügte aber hinzu: „Man fühlt sich nicht richtig behandelt. Bei allem Verständnis für Ermittlungen - der Verein bräuchte auch Zeit, Dinge zu untersuchen.“ Denn so wisse er noch nicht einmal, in welchem Zusammenhang Fortuna in diesen Ermittlungen genannt werde. Ebenso fand Geschäftsführer Paul Jäger: „Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass wir nichts von der Staatsanwaltschaft erfahren.“
Auch wenn der Plan, das Spiel zu verschieben, nicht aufging, hatte die Bande bei anderen Begegnungen wohl mehr Erfolg. Dazu zählt nach RP-Informationen die Europa-League-Partie zwischen dem FC Basel und ZSKA Sofia am 5. November 2009. Bei einem Treffen in Kiew mit dem ukrainischen Schiedsrichter Oleg J. wurden die Spielregeln laut Anklageschrift klar festgelegt und ihm dafür ein fünfstelliger Betrag ausgezahlt. Demnach erging die Anweisung, in der ersten Halbzeit ein wenig kleinlicher zu pfeifen, um überhaupt keinen Spielfluss zu ermöglichen. Im zweiten Durchgang sollte der Schiedsrichter sich dafür zurückhalten, damit mindestens zwei Tore fallen. Basel gewann in Sofia mit 2:0. Der Gewinn soll bei 200 000 Euro gelegen haben.
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