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Fortuna: Wettskandal: Fortuna stellt sich vor ihre Spieler

VON GIANNI COSTA UND BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 27.11.2009 - 23:21

Am Tag danach gönnen sich Fortuna Düsseldorfs Verantwortliche einen kleinen Schuss Zufriedenheit. „Wir sind von Anfang an offensiv mit der Sache umgegangen”, sagt Peter Frymuth, der Vorstandsvorsitzende des Fußball-Zweitligisten, „und bis zum Abend ist es uns auch gelungen, sie inhaltlich auszufüllen.”

Die „Sache” ­ das ist die Vernehmung von Ben Abelski und Maximilian Schulze Niehues, zwei Spielern aus Fortunas zweiter Mannschaft, durch die Staatsanwaltschaft Bochum im Zuge der Wettskandal-Ermittlungen.

Mit der Ehrenerklärung, die beide Spieler am Donnerstagabend unterzeichneten und in der sie versicherten, niemals in Kontakt mit irgendeinem am Wettskandal Beteiligten gestanden zu haben, ist für Fortuna der Fall erledigt.

„Wir haben alles im kritischen Dialog mit den Spielern aufgearbeitet”, erklärt Frymuth. „Das war uns ganz wichtig, damit keine Spekulationen ins Kraut schießen.

Die nämlich sind immer das Gefährlichste in einer solchen Situation.” Inzwischen sickerte durch, dass offenbar ein abgehörtes Telefongespräch eines Bekannten Abelskis mit einem in den Wettskandal verwickelten Berliner Auslöser der Vernehmungen und Hausdurchsuchungen bei den Düsseldorfern war.

„Es sollen dort aber keine Namen genannt worden sein, sondern nur irgendwelche Zahlen”, berichtet Fortunas Manager Wolf Werner. „Wir haben das Thema in einer Intensität abgehandelt, die nicht mehr zu steigern war”, sagt Frymuth.

„Wie es jetzt weitergeht, ist Sache der Behörden.” Sportlich haben die Vernehmungen ­ als Zeugen, nicht als Beschuldigte, wie Fortuna betont ­ für die Spieler keine Folgen, sie bleiben voll im Trainings- und Spielbetrieb. Der 21-jährige Schulze Niehues wird allerdings nicht wie ursprünglich geplant als Ersatztorhüter mit der ersten Mannschaft zum morgigen Zweitligaspiel bei München 60 fliegen.

„Dabei geht es mir aber ausschließlich um die Psyche des Jungen”, sagt Trainer Norbert Meier. „Wir stehen voll hinter unseren Spielern.” Auf eine schnelle, endgültige Aufklärung wagt Meier kaum zu hoffen: „Wir haben doch gesehen, welcher Trubel bundesweit um die Osnabrücker Spieler gemacht wurde ­ und danach hat man nie wieder etwas gehört.”

In Niedersachsen hat sich Thomas Reichenberger zuletzt am vergangenen Wochenende Luft verschafft. Auf der „Lila-Weißen Nacht”, Pflichttermin für die Osnabrücker Schickeria, soll Reichenberger in diversen Fachgesprächen noch einmal vehement bestritten haben, in den Wettskandal verstrickt zu sein. Die Anschuldigungen sind massiv.

Der 35-Jährige, Ex-Bundesligaprofi unter anderem in Leverkusen und Frankfurt, ist zusammen mit seinen ehemaligen Mitspielern Thomas Cichon (mittlerweile beim südafrikanischen Verein Moroka Swallows) und Marcel Schuon (SV Sandhausen) in den Strudel der Ermittlungen geraten.

Partien des VfL Osnabrück in der vergangenen Saison der Zweiten Liga sollen manipuliert worden sein. Einzig bei Schuon wurden die Ermittlungsbehörden indes auch tatsächlich vorstellig und haben seine Wohnung durchsucht. Anwalt des 24-jährigen Verteidigers ist Siegfried Kauder, Bruder des CDU/CSU-Fraktionschefs im Deutschen Bundestag, Volker Kauder.

Der Jurist hat den Eindruck gewonnen, „da sitzt irgendwo eine fette Spinne in der Mitte eines Spinnennetzes, und ein, zwei Fußballspieler sind drin hängengeblieben”. Es ist ein Kriminalfall mit immer wieder neuen Wendungen. Allein in Deutschland sollen 32 Spiele von der 2. Bundesliga abwärts verschoben worden sein, europaweit rund 200 Partien.

Hier zu Lande steht besonders der frühere Bundesligist SSV Ulm im Visier der Fahnder.

Der Viertligist kündigte den Spielern Davor Kraljevic, Marijo Marinovic und Dinko Radojevic. Das bestätigte SSV-Manager Markus Lösch: „Laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft steht gegen diese drei Spieler ein Tatverdacht im Raum. Sie sollen in den Skandal involviert sein.”

Bei den drei verdächtigen Spielern des Süd-Regionalligisten soll es im Vorfeld Hausdurchsuchen gegeben haben. So sollen vier Regionalligaspiele des SSV Ulm aus der Endphase der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht stehen. Ebenfalls verdächtig ist ein Testspiel der Ulmer gegen Fenerbahce Istanbul (0:5) am 14. Juli.

Zu den verdächtigten Klubs gehört auch Regionalligist SC Verl. Dort sollen Tim Hagedorn und Patrick Neumann gemeinsame Sache mit der Wettmafia gemacht haben. Nun sind Unbekannte in das Büro von Präsident Peter Mankartz eingestiegen und suchten offenbar nach Unterlagen. „Das ist richtig”, sagte Mankartz. „Die Akten sind wild durchwühlt worden.”

Quelle: RP

 
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