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Interview mit Markus Anfang: „Wollte etwas zurückgeben“

VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 25.01.2007 - 07:32

Markus Anfang (32), Mittelfeldregisseur von Fortuna, spricht im Trainingslager über Tiefpunkte in seiner Karriere, Ängste und sein ganz persönliches Verhältnis zum 1. FC Köln. Das Interview führte Bernd Jolitz.

Markus Anfang kann in Babelsberg nicht spielen.  Foto: rpo, Falk Janning
Markus Anfang kann in Babelsberg nicht spielen. Foto: rpo, Falk Janning

Herr Anfang, das ist jetzt Ihre Chance für ein Outing. Sie sind waschechter Kölner - also ist Fortunas Regisseur ein FC-Fan?

Anfang (lacht): Nein, aus dem Outing wird nichts. Ich bin keiner.

Ein gebürtiger Kölner, der im Schatten des Doms aufwächst und Fußballer wird, war nie FC-Fan?

Anfang: Nein, wirklich nicht. Vielleicht, weil mein Vater auch nie einer war. Ich war, glaube ich, nur dreimal beim FC.

Für welchen Klub schlug Ihr Herz?

Anfang: Als Kind für keinen bestimmten. Heute habe ich zu Fortuna die emotionalste Verbindung.

Info
Testspiel: Am Sonntag, 4. Februar, 14.30 Uhr, gastiert Fortuna bei Hessen Kassel im Aue-Stadion.

Was sollen Sie auch anderes sagen...

Anfang: Ganz ehrlich. Ich bin bei Fortuna groß geworden, ich habe mich hier immer sauwohl gefühlt. Selbst, als ich vier Jahre in Österreich beim FC Tirol spielte, habe ich den Kontakt nie abreißen lassen.

Waren Sie nicht sauer, als Fortuna Sie vor einem Jahrzehnt vergraulte?

Anfang: Nicht auf den Verein, schon gar nicht auf die Fans. Damals war Frank Mill Manager, und in dessen Konzept kam ich nicht mehr vor. Buchstäblich nicht. Mill sagte zu mir nach dem Abstieg, du willst doch bestimmt sowieso weg. Wollte ich zwar nicht, dachte mir aber, okay, dann ist das eben so.

War das, in Anbetracht Ihrer Gefühle für den Klub, der Tiefpunkt Ihrer Karriere?

Anfang: Nein, der kam viel später. In Kaiserslautern, wo ich suspendiert wurde. Das traf mich völlig unvorbereitet, war gänzlich zu Unrecht. Mario Basler hatte einigen Journalisten kritische Dinge über den damaligen Trainer Eric Gerets erzählt. Und nur weil ein paar andere Spieler und ich denselben Manager hatten wie Mario Basler, wurden wir nach und nach alle aus dem Verein geschmissen. Das ist alles etwas blöd gelaufen.

Aber Sie fanden doch in Cottbus schnell einen neuen Job?

Anfang: Das war es ja gerade! Am vierten Tag nach meiner Unterschrift in Cottbus hat der FCK Gerets gefeuert, und Kurt Jara wurde Trainer. Jara, mit dem ich in Österreich zwei meiner drei Meistertitel geholt hatte. Er rief mich gleich an, aber da war es zu spät. Ich saß in Cottbus, meine Frau und meine Kinder in der Pfalz. Das hat mich mitgenommen. Ich war nicht in der Lage, mich auf Fußball zu konzentrieren. Bei Energie war dann ja schnell wieder Schluss.

Warum haben Sie nicht damals bei Ihrer alten Liebe Fortuna angeklopft?

Anfang: Das habe ich! Ich nahm Kontakt nach Düsseldorf auf, aber Ex-Manager Thomas Berthold wollte mich nicht. Er holte stattdessen den Argentinier Pasini.

Über den Umweg MSV Duisburg hat’s ja doch noch geklappt.

Anfang: Zum Glück, aber ganz reibungslos ging das nicht. Der MSV plante nicht mehr mit mir, obwohl ich noch ein Jahr Vertrag hatte. Aber er wollte mich lieber nach Haching oder Koblenz verkaufen.

Weil das finanziell für Duisburg deutlich lukrativer gewesen wäre?

Anfang: Klar. Aber ich habe dem MSV die Pistole auf die Brust gesetzt. Entweder ihr lasst mich zu Fortuna Düsseldorf, oder ihr werdet mich nicht los, habe ich gesagt. Ich wollte Fortuna unbedingt noch etwas zurückgeben.

Hatten Sie keine Angst vor den großen Erwartungen, die die Fans an Ihre Rückkehr knüpften?

Anfang: Nein, ich sehe das wirklich als positiven Druck. Die Düsseldorfer haben mich vor zehn Jahren gemocht, ich habe mich einfach auf sie gefreut. Und ich habe schnell festgestellt, dass ich da verdammt richtig lag.

Sie sind jetzt 32. Wo wollen Sie mit Fortuna noch hin?

Anfang: So hoch es geht. Warten wir’s einfach ab. Ich habe einen Vertrag bis 2008. Aber ich setze mich gern schon früher mit dem Verein zusammen. Wie gesagt: Ich fühle mich sauwohl hier.


 
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