Fortuna: Zoundi – der lächelnde Fortune
VON BERND JOLITZ AUS OLIVA NOVA/SPANIEN - zuletzt aktualisiert: 04.01.2011 - 07:52Der Mann aus Burkina Faso hat ein Markenzeichen. Der Zweitliga-Fußballer lächelt fast immer – egal, wo man ihn trifft. Der 28-Jährige ist aber alles andere als ein leichtfertiger Mensch, wie er im Trainingslager in Spanien verrät.
Das Lächeln ist sein Markenzeichen. Wo immer man Patrick Zoundi auch trifft: Stets trägt Fortunas Mittelfeldspieler ein Lächeln im Gesicht. "Das liegt daran, dass ich immer Spaß habe, wenn ich Fußball spielen darf", erklärt der 28-Jährige. "Fußball macht mich einfach glücklich." Und das gilt selbst an den härteren Tagen im Leben eines Profis, etwa während der Schinderei im Trainingslager.
Jetzt sollte aber niemand den Fehler machen, Zoundi als eher leichtfertigen Menschen abzustempeln. Das Gegenteil ist der Fall. Der Nationalspieler Burkina Fasos macht sich tiefe Gedanken über das Leben, und im Gegensatz zu vielen Kollegen hat er auch keine Playstation mit nach Oliva Nova gebracht. "So etwas besitze ich überhaupt nicht", sagt er. Statt zum Controller greift er lieber zum Buch, und dann muss es sogar schwere Kost sein. "Seichte Literatur lenkt mich nur vom normalen Leben ab", erklärt er. "Am liebsten lese ich Albert Camus, aber ich mag Philosophie im Allgemeinen sehr gern. Sie bringt mich weiter im Leben." Und natürlich lächelt er bei diesen Worten.
Geburtstag 19. Juli 1982
Geburtsort Koudougou (Burkina Faso, Westafrika)
Letzte Vereine Panserraikos Serres, Asteras Tripolis, Ethnikos Asteras, Asteras Tripolis (alle Griechenland), KSC Lokeren (Belgien), Ethinkos Asteras, Planète Champion Ouagadougou (Burkina Faso)
Spiele/Tore Seit Sommer 2009 absolvierte er 34 Zweitliga-Partien für Fortuna und schoss zwei Tore.
Seine Mitspieler akzeptieren ihn so, wie er sei, berichtet Zoundi. "Ich komme gut mit den Jungs klar, mit einigen unternehme ich auch privat gern etwas." Mit dem "Langen" etwa, wie er Torhüter Michael Melka – selbstverständlich lächelnd – nennt, mit Sándor Torghelle, Assani Lukimya-Mulongoti oder Marcel Gaus. "Assani und Gausi holen mich auch manchmal zu Hause in Stockum ab, wenn es zu kalt ist", erzählt er. Zu kalt? "Ja, zum Training eben. Manchmal ist es mir einfach zu kalt, mit der Straßenbahn dorthin zu fahren." Und ein Auto hat Zoundi nur daheim in Burkina Faso: "In Düsseldorf würde ich nie Auto fahren. Viel zu viel Stress, zum Beispiel bei der Parkplatzsuche, viel zu viele Regeln."
Das ist aber schon alles, was ihm an Düsseldorf missfällt. "Die Stadt ist sehr angenehm, zudem wohnt mein bester Freund Anderson Faluyi hier, der für Turu in der Niederrheinliga spielt. Und unsere Fans sind große Klasse", betont er. "Die letzte Humba mit ihnen habe ich auf Deutsch doch gut hinbekommen, oder?" Bei dieser Erinnerung wird aus dem Lächeln ein Lachanfall – denn im Grunde ist Perfektionist Zoundi mit seinem Deutsch noch nicht zufrieden. Er nimmt Privatstunden, will genau so gut sein wie schon jetzt auf Englisch – obwohl er diese Sprache auch erst vor ein paar Jahren als Autodidakt lernte, als er in Griechenland spielte.
Dass Fortunas Fans ihn zu ihrem Liebling erklärt haben, jede Ballberührung in sämtlichen Stadien der Zweiten Liga lautstark feiern, freue ihn sehr, versichert Zoundi. Eine Garantie dafür, dass er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag verlängern wird, ist das jedoch nicht. "Um so etwas kümmert sich ausschließlich mein Manager", sagt er. "Mein Ding ist das Fußball spielen. Wenn ich über Verträge diskutiere, verliere ich meine Ziele aus den Augen."
Und das darf einem Menschen, der so viel über das Leben nachdenkt, nie passieren.
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