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Ehemaliger US-Präsident zu Gast in der Landeshauptstadt: 10.000 bei Bill Clinton

VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 16.11.2008 - 22:08

Düsseldorf (RPO). Mitten in der Finanzkrise haben der Finanzdienstleister AWD und Focus Money im ISS Dome „Deutschlands größten Erfolgskongress” veranstaltet. Dort erklärte der frühere US-Präsident Bill Clinton, warum das Leben vor den Erfolg manchmal die Niederlage setzt - am Beispiel seiner Frau Hillary.

 Foto: RP/ Andreas Bretz
Foto: RP/ Andreas Bretz

Was genau ist eigentlich persönlicher Erfolg? Macht? Geld? „Wenn ich manchmal mitten in der Nacht nach Hause komme, in meinen Heimatstaat Arkansas, und ich die Freunde treffen kann, mit denen ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin, weiß ich: Diese Menschen würden mich genauso mögen, wenn ich nichts anderes täte als an der Tankstelle Benzin zu verkaufen”, sagt der 62-Jährige, der zwei Amtszeiten lang Präsident der Vereinigten Staaten war. Und wann immer er zu einem Klassentreffen gehe, seien die Unglücklichsten dort nicht diejenigen, die einmal gescheitert seien. Es seien die, die niemals etwas versucht hätten.

Das ist Balsam auf die Seelen der 10.000 Teilnehmer, die sich zu „Deutschlands größtem Erfolgs-Kongress” des Finanzdienstleisters AWD aufgemacht und ihr erstes Erfolgserlebnis an diesem Morgen schon hinter sich gebracht haben: Sie haben den ISS Dome in Düsseldorf-Rath trotz grotesker Verkehrsverhältnisse erreicht. Drinnen geht acht Stunden lang eine Show der Superlative über die Bühne: Bill Clinton, Henry Maske, Atze Schröder, Paul Potts, Motivationstrainer, Abenteurer und Miss Germany sprechen über Erfolg und Erfolgsstrategien, das Ganze moderiert Sabine Christiansen. Acht bis neun Millionen Euro soll AWD in das Spektakel gesteckt haben, knapp 100 Euro kostet der Eintritt in den (ausverkauften) ISS Dome, knapp 250.000 Euro beträgt allein Clintons Rede-Honorar. Und über all dem schwebt die Botschaft: Auch diese Finanzkrise geht irgendwann einmal vorbei.

Wie nützlich es ist, vor dem Erfolg das Scheitern zu erleben, erklärt Bill Clinton. Er selbst habe zwei Wahlen verloren und das Gefühl überhaupt nicht gemocht: „Ich wäre am liebsten von der Klippe gesprungen.” Der Punkt sei aber ein anderer: „Jede Niederlage bringt Sie an einen Punkt, zu dem Sie ohne eine große Anstrengung nicht gekommen wären.” Das beste Beispiel sei seine Frau Hillary. Natürlich ­ die Vorwahlen habe sie gegen Barack Obama verloren. Aber sie stehe heute in Amerika besser da als je zuvor. „Niemand mehr glaubt, dass Sie im Senat sitzt, weil sie mit mir verheiratet ist. Jetzt wissen alle, wie gut sie ist”, sagt Clinton.

Zur wahrscheinlichen Berufung seiner Frau als Außenministerin in das Obama-Team schweigt Clinton in Düsseldorf wortreich: „Das ist nicht mein Geschäft, dazu sollte ich nichts sagen. Das ist eine Entscheidung, die der gewählte Präsident treffen muss. Er und Hillary sollten die einzigen sein, die etwas dazu sagen. Alle anderen würden nur im Weg stehen, und ich möchte nicht im Weg stehen.” Er halte Obama im übrigen für „klug und gut motiviert”. Obama umgebe sich mit guten und talentierten Menschen, denen er zuhöre.

In der Finanzkrise seien die USA um Haaresbreite an einem Super-Gau vorbeigekommen. „Wir standen ganz, ganz nah am Abgrund”, sagt Clinton, „und wir werden diese Krise nicht überwinden, wenn wir nicht das Vertrauen wiederfinden.” Der einst mächtigste Mann der Welt nutzt seine Rede auch zu einer Abrechnung mit der Ära Bush: „Diese Krise hätte nicht stattgefunden, wenn wir in den vergangenen Jahren eine echte Arbeitsmarkt-Politik gehabt hätten. Ein Jahrzehnt lang ist in den USA statt in Güter und Dienstleistungen nur noch in den Immobiliensektor investiert worden.”

Europa dagegen habe es richtig gemacht, auf erneuerbare Energien und den Umweltschutz zu setzen: „Das schafft Arbeitsplätze”, so Clinton. Zur Überwindung der Finanzkrise fordert Clinton mit Blick auf den gleichzeitig stattfindenden Finanzgipfel der G-20 in Washington ein System „koordinierter Liquidität”. Wahrscheinlich werde man sich nicht auf ein internationales System der Banken-Kontrolle einigen können. Wichtig sei aber größtmögliche Transparenz. Die eigentliche Gefahr liege in einer möglichen Deflation. Daher müsse die EU ihre Stabilitätsziele wohl „für eine Zeit” auf Eis legen.

Bei dem Wirtschafts-Weisen Bert Rürup, der im ISS Dome später mit Sabine Christiansen plaudert, klingen Clintons Überlegungen eher nach einem Problem anderer Leute: „Die deutsche Wirtschaft schwimmt wie ein Korken auf der Weltkonjunktur. Obama hin, Obama her: Dass aus den USA in Kürze ein neuer Wachstumsimpuls kommt, da habe ich Zweifel.” Letzteres ist ein Gefühl, das Atze Schröder fremd zu sein scheint: „Erfolg ist, so auszusehen wie ich und trotzdem zu ,Wetten dass’ eingeladen zu werden”, feixt der Comedy-Star.

Da leuchtet den Kongress-Teilnehmern Clintons Erfolgs-Rezept doch eher ein: Einen Traum haben, an ihn glauben, einen Plan machen und es durchführen. „Das ist das wichtigste”, sagt der Mann, der die Lewinsky-Affäre und ein Amtsenthebungsverfahren überstanden hat: „Immer weitermachen und die Hindernisse auf dem Weg überwinden.” Manchmal bestehen sie auch nur aus den goldenen Konfetti-Schnipseln nach einem Auftritt von Paul Potts.


Hören Sie Teile von Bill Clintons Rede als Audiodatei!

Teil 1: Bill Clinton erklärt, wie nah das Finanzsystem der USA vor dem Zusammenbruch stand. In der Krise habe die Supermarktkette WalMart den größten Zuwachs mit dem Verkauf von Safes gehabt. Clinton: "Die Leute hatten das Gefühl, selbst in einer Toilette sei ihr Geld sicherer als bei einer Bank."

Teil 2: Der frühere US-Präsident gibt der fehlenden Arbeitsmarktpolitik seines Nachfolgers die Schuld an der Krise und lobt die europäische Investitionspolitik in Umweltschutz und erneuerbare Energien.

Teil 3: Clinton sagt zu Obamas Angebot, Hillary Clinton könne Außenministerin werden, nichts - das aber sehr nett.

Quelle: RP

 
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