Blitzer im Rheinufertunnel: 10.945 Raser im ersten Monat erwischt
zuletzt aktualisiert: 04.11.2009 - 14:5710.051 Verwarngelder, 894 Bußgelder und 202 Fahrverbote hat das Düsseldorfer Ordnungsamt seit der Inbetriebnahme der Blitzeranlage am 1. Oktober im Rheinufertunnel verhängt. 10.945 Fahrer sind damit im ersten Monat erwischt worden. Im Monatsdurchschnitt waren damit 353 Fahrer pro Tag zu schnell unterwegs.
"Die Anzahl der täglich festgestellten Geschwindigkeitsverstöße nimmt stetig ab“, bilanzierte Ordnungsdezernent Werner Leonhardt. In der ersten Woche nach Inbetriebnahme der Überwachungsanlagen war es noch zu 3581 Geschwindigkeitsverstößen mit 3233 Verwarnungs- und 348 Bußgeldern sowie 75 Fahrverboten gekommen. Das entspreche 511 Geschwindigkeitsüberschreitungen am Tag.
„In den letzten sieben Tagen im Oktober wurden nur noch 1799 Überschreitungen registriert“, fuhr Leonhardt fort. Das ergebe eine Quote von 257 Blitzen pro Tag.
1,36 Millionen Fahrzeuge waren im Oktober im Tunnel unterwegs. Damit waren nur 0,8 Prozent der Fahrer in diesem Zeitraum zu schnell.
Trauriger Rekord liegt bei 159 km/h
Auch nach einem Monat hält den fragwürdigen Geschwindigkeitsrekord mit 159 km/h ein Mercedesfahrer aus Westfalen. Dieser war bereits in der ersten Woche nach Inbetriebnahme geblitzt worden. An zweiter Stelle liegt ein Mainzer Mercedesfahrer, der am 11. Oktober gegen 21 Uhr mit 154 km/h durch den Tunnel rauschte.
Kritik an Anlage
In die Kritik war die Anlage geraten, als bekannt wurde, dass ein BMW-Fahrer im Tunnel gleich zweimal geblitzt wurde und doppelt zur Kasse gebeten wurde. Der Rechtsanwalt des Mannes bezweifelt, dass bei der Versendung der Knöllchen alles rechtens gewesen ist. Henrik Momberger, Fachanwalt für Verkehrsrecht, will auf jeden Fall Einspruch gegen das Bußgeldverfahren seines Klienten einlegen und vor Gericht "erhebliche Mängel" nachweisen.
Auf dem Weg durch den Rheinufertunnel stadtauswärts soll sein Mandant am 2. Oktober um 18.18 und um 18.23 Uhr geblitzt worden sein. Fünf Minuten hatte der BMW-Fahrer angeblich für die zwei Kilometer lange Durchfahrt gebraucht.
Zu diesem zeitlichen Durcheinander war es gekommen, weil die Uhren der neuen, 400.000 Euro teuren Geräte an den ersten Tagen nicht aufeinander abgestimmt waren, wie die Stadtverwaltung zugab. Das Synchronisieren geschah erst vier Tage später.
Blitzer als Reaktion der Stadt
Warnschilder an allen Einfahrten der Tunnel waren eine der Bedingungen, die der Ordnungs- und Verkehrsausschuss bei seinem Beschluss für die Blitzer aufgestellt hatte. Damit erfüllt die Anlage zugleich eine Forderung des ADAC: "Wir sind nicht gegen Verkehrsüberwachung und halten sie sogar für notwendig. Aber wenn die Sicherheit im Vordergrund steht, können Schilder auch für die Radaranlagen hinweisen", spricht sich ADAC-Fachreferent Johann Nowicky strikt dagegen aus, dass die neuen Blitz-Anlagen dazu dienen die Stadtsäckel auf Kosten der Autofahrer zu füllen.
Düsseldorf hatte im vergangenen Herbst auf eine Reihe von spektakulären Raserfällen reagiert. Den damaligen Rekord hielt ein Raser, der mit Tempo 182 durch den Tunnel rauschte.
Nun würde ein solcher Raser wahrscheinlich nicht merken, dass er erwischt wurde. Die neuen Radarfallen sind mit einem "BlackFlash"-System ausgerüstet, dass einen für das menschliche Auge "nahezu unsichtbaren Blitz" auslöst. Diese Bedingung stellten die Düsseldorfer Verkehrspolitiker, um zu verhindern, dass ein orangefarbener Blitz zu plötzlichen Lenkmanövern oder Vollbremsungen im Tunnel führt. Robot Visual Systems hat solche Apparate bereits im Rennsteigtunnel Thüringen und in drei Münchner Autobahntunneln installiert.
ADAC zweifelt am erzieherischen Effekt
Zweifel hat der ADAC am erzieherischen Effekt der Maßnahme: "Wenn ich nicht geblitzt werde, habe ich auch kein schlechtes Gewissen und wundere mich irgendwann über den Bußgeldbescheid", sagt Sprecher Maximilian Maurer. Auch deswegen seien Schilder sinnvoll.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.





