Bilanz nach zwei Jahren: 115-Auskunft wird kaum genutzt
VON ANANDA MILZ - zuletzt aktualisiert: 04.01.2011 - 08:51Düsseldorf (RPO). Als Pilotprojekt startete die Service-Nummer D 115 vor knapp zwei Jahren. Dass das Projekt fortgeführt werden soll, ist beschlossene Sache. Trotzdem ist klar: Die Auskunft für alle Ämter wird zu wenig genutzt. Sie ist zu teuer.
Als die Nummer 115 in Düsseldorf freigeschaltet wurde, war das Interesse sehr groß. Rund 500 Anrufe gingen pro Tag bei der Infoline am Bertha-von-Suttner-Platz ein. Jetzt – knapp zwei Jahre später – ist die Nachfrage drastisch zurückgegangen. Gestern am späten Nachmittag lag die Zahl der Anrufe beispielsweise bei 57.
Nummer der Stadt als Konkurrenz
Dabei ist nicht von der Hand zu weisen, dass die rund 37 Mitarbeiter, die von 7 bis 19 Uhr alle Fragen rund um Behörden und Ämter in der Stadt Düsseldorf beantworten, einen guten Job machen. Ihr Ziel ist es, die eingehenden Anliegen so zu beantworten, dass zusätzliche Telefonate und Informationen nicht erforderlich sind. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Team der Infoline", bekundet auch Wilfried Kruse, der zuständige Personaldezernent.
Initiiert vom Bundesinnenministerium wurde der Behörden-Service deutschlandweit im März 2009 als Pilotprojekt in ausgewählten Städten eingeführt.
Bundesweit beteiligen sich Berlin und Hamburg sowie Städte in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und das Saarland. Das Projekt wurde bis 2013 verlängert und soll weiter ausgebaut werden.
Doch hat die Nummer 115 einen großen Konkurrenten, und zwar die Nummer 8991 der Stadtverwaltung selbst. Sie ist im Unterschied zur zentralen Service-Hotline nämlich billiger. "Viele Düsseldorfer haben inzwischen eine Telefon-Flatrate, mit der sie die 8991 ohne zusätzliche Kosten erreichen können", beschreibt Kruse.
Der Anruf bei 115 ist hingegen kostenpflichtig und wird je nach Telefonanbieter mit sieben bis zehn Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz berechnet. So zieht die Infoline für das Jahr 2010 eine eher mäßige Bilanz – mit insgesamt 14 800 Anrufern verteilt über das ganze Jahr. Das sind im Schnitt 1233 Anrufe pro Monat und 41 pro Tag.
Seitens der Politik ist es jedoch beschlossene Sache, dass das bundesweite Pilotprojekt, das in mehreren deutschen Städten 2009 an den Start ging, weiter laufen wird. Die Frage der hohen Kosten ist indes noch nicht geklärt. Dezernent Kruse betont: "Die 115 muss eigentlich zu Flatrate-Konditionen angeboten werden."
Doch die Kommunen könnten dafür wohl kaum in die Pflicht genommen werden. Der Bund sei als Initiator des Projekts daher gefragt, mit den zuständigen Telefonanbietern zu verhandeln. "Es kann etwa nicht sein, dass die Stadt pro Anruf künftig draufzahlen muss, um das Angebot billiger zu gestalten", erklärt Kruse.
Die Infoline ist indes bestrebt, moderne und unbürokratische Behördenauskünfte zu liefern. "Ganz oben auf der Liste stehen zum Beispiel Auskünfte zu neuen Papieren wie Personalausweis, Reisepass Wohnsitz und Kfz-Anmeldung", sagt Dorothea Sprick, stellvertretende Sachgebietsleiterin der Infoline. Zudem werde ihr Team stets geschult und beantworte seit gestern auch die kompletten Anfragen der Stadt Neuss. Dort ist die Nummer der Stadtverwaltung gänzlich entfallen – Fragen stellen kann man dort nunmehr über die 115.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







