Strafe soll erhöht werden: 120 Euro fürs Schwarzfahren
VON BIRGIT KRUMMHEUER - zuletzt aktualisiert: 02.10.2007 - 07:31Düsseldorf (RPO). Der Rheinbahn entstehen durch Schwarzfahrer jährlich Kosten in Millionenhöhe. Ein Problem: Die Bußgelder sind zum Teil billiger als eine Dauerkarte. Die Verkehrsunternehmen wollen die Strafen deshalb drastisch erhöhen.
Heidi B. kennt ihre Pappenheimer. Oft komme es vor, dass erwischte Schwarzfahrer das Bußgeld abgezählt und griffbereit aus der Jackentasche zögen, sagt die routinierte Kontrolleurin der Rheinbahn. „Die rechnen die Kosten für das Schwarzfahren regelrecht mit ein“, sagt die 46-Jährige mit einem Kopfschütteln. Doch gerade für diese Überzeugungstäter könnte das Busfahren ohne Ticket demnächst teurer werden. Denn viele Verkehrsverbände fordern, die Bußgelder für das Schwarzfahren zu erhöhen. Auch die Rheinbahn befürwortet diesen Schritt. Für Unbelehrbare soll sich die Strafe auf 120Euro verdreifachen.
Die Anzahl der Schwarzfahrer in Düsseldorf sei seit etwa drei Jahren auf einem konstant hohen Niveau, klagt Eckhard Lander, Sprecher der Rheinbahn. 2006 gab es sogar einen leichten Anstieg - und das, obwohl nur noch 70 Kontrolleure täglich in Bussen, U- und Straßenbahnen ihren Dienst versehen. Vor zehn Jahren waren es noch 80. Hochrechungen der Rheinbahn zufolge sind etwa 2,1 Prozent der Fahrgäste ohne gültige Fahrkarte in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Der Rheinbahn entstehe so ein jährlicher Schaden von ungefähr 20Millionen Euro.
Dabei ist das Problem ein rein rechnerisches. Während die Rheinbahn die Preise für die Fahrkarten in den vergangenen Jahren immer wieder erhöht hat, blieb die Höhe der Bußgelder unverändert. Und viele Schwarzfahrer kalkulierten das genau durch, weiß Heidi B. „Die wägen genau ab: Wie oft werde ich im Monat erwischt, und wie viel kostet eine Monatskarte.“ Bei einem Bußgeld von 40 Euro und Preisen für Monatskarten der Preisstufe A von zum Teil mehr als 50 Euro gehe diese Rechnung häufig zu Ungunsten der Dauerkarte aus.
Dieses Ungleichgewicht könnten nur höhere Bußgelder gerade rücken, glaubt deshalb der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Sein Vorschlag: Von Ersttätern sollen die Kontrolleure 60 statt 40 Euro kassieren. Und wer wiederholt auffällt, soll sogar 120 Euro zahlen.
Doch Heidi B. und ihre Kollegin stört nicht nur die hohe Anzahl der Schwarzfahrer. „Die Schwarzfahrer sind frecher geworden,“ sagen die beiden Damen. Die Ausreden der Erwischten würden immer dreister, der Ton schnodderiger - besonders unter Jugendlichen. Die Märchen vom vergessenen Portemonnaie oder fehlenden Kleingeld seien geradezu harmlos. Manche Schwarzfahrer behaupteten sogar, einen Blinden zu begleiten oder gerade nahe Verwandte verloren zu haben.
„Das Schwarzfahren muss richtig teuer werden“, findet deshalb auch Heidi B. Schließlich kennt sie ihre Pappenheimer. Und die würden nur einsichtig, wenn das Schwarzfahren „richtig weh tut“.
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